SZ will, dass Senioren Wohnraum für Familien freigeben: „Das ist ein enteignungsgleicher Eingriff!“
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In einem Essay der Süddeutschen Zeitung fantasiert der Autor Nils Wischmeyer über vermeintliche Lösungen der Wohnungsnot. Senioren sollten ihre ohnehin oft viel zu großen Wohnungen oder Häuser für Familien mit Kindern freigeben, die auf dem Wohnungsmarkt große Schwierigkeiten haben, etwas zu finden.
Schließlich wohnen Alleinstehende über 65 Jahre im Schnitt auf 83 Quadratmetern. Und das, während sich Kinder in Großstadtwohnungen ein Zimmer teilen müssen. Der Autor schlussfolgert: „Deutschland gefährdet hier also gerade die Ausbildung seiner zukünftigen Leistungsträgerinnen und Leistungsträger in Großstädten, während eine andere Gruppe auf viel zu viel Platz lebt: Senioren.“
SZ-Autor findet es unmoralisch, dass Alte so viel Platz haben
Das Freigeben ihrer Häuser und Wohnungen könne laut Wischmeyer auch positive Auswirkungen aufs Klima haben. Neue Hauseigentümer würden alte Häuser eher renovieren und CO2-freundlicher gestalten. Der SZ-Autor ist überzeugt: „Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht“ sei das jetzige Konzept „nicht effizient und wirft auch ethisch-moralische Fragen auf: Darf eine Bevölkerungsgruppe so leben, auch wenn sie damit andere beeinträchtigt? Und darf der Staat etwas tun, um dieses Ungleichverhältnis zu ändern?“

Ganz schön großer Garten für nur eine Person, ob da nicht eher „Wohnraumbedürftige“ einziehen sollten, wie Wischmeyer es nennt.
Einfach rausschmeißen, sei keine Lösung, aber Anreize für den Umzug schaffen. Sofern alte Menschen auch darauf nicht anspringen, sollten sie für „ihre vielen Quadratmeter zur Kasse geben werden“, finde Wischmeyer.
Eingriff wäre wohl kaum mit Grundrecht vereinbar
NZZ-Journalistin und Juristin Fatina Keilani hält diese Ideen für nicht umsetzbar. „Das ist ein enteignungsgleicher Eingriff“, sagt sie im Nachrichten-Talk, „Stimmt!“ „So eine Art der Grundrechtsverletzung, ich kann mir nicht vorstellen, dass die gerechtfertigt ist, um Versäumnisse der Politik auszugleichen“, so die ausgebildete Juristin.

NZZ-Journalistin Fatina Keilani bei „Stimmt!“
Zumal die Ansätze des Autors die Ursprünge der Wohnungskrise ganz außer Acht lassen. „Die richtige Lösung wäre marktwirtschaftlich, Anreize schaffen“, findet Autor Klaus-Rüdiger Mai. „Anreize heißt nicht Subventionen, sondern Vereinfachung, Entbürokratisierung, Energiesicherheit“, so Mai im NIUS-Talk. Es sei schäbig, Gruppen gegeneinander auszuspielen.
„Leute, die ihr Leben lang gearbeitet haben, sollen ausgesiedelt werden“
Statt also zu schauen, was „Turbomigration“ und stetig verfehlte Wohnungsbauziele mit dem Problem zu tun haben, sollen „Leute, die ihr Leben lang gearbeitet haben, Steuern gezahlt haben, den Sozialstaat am Laufen halten, jetzt plötzlich ausgesiedelt werden“, ist Mai empört.
2024 werden nur 225.000 Wohnungen gebaut werden können, obwohl Bauministerin Klara Geywitz (SPD) 400.000 versprochen hatte. Das seien 12 Prozent weniger als in 2023. „Und 2023 waren es auch schon minus 12 Prozent“, sagt Mai. Und weiter: „Wir werden dieses Jahr einen Rückgang an Investitionen in den Wohnungsbau haben von minus zwölf Prozent“.

Bauministerin Klara Geywitz (SPD).
Die Diskussion über Enteignungen und höhere Steuern hielte Unternehmen und Eigentümer davon ab, in der Baubranche zu investieren. Die Inflation verstärke den Faktor zusätzlich.
Die ganze Folge „Stimmt!“ gibt es hier:
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