Tagesspiegel hetzt gegen „rechte Kinder“: „Acht Tipps für demokratische Eltern mit undemokratischen Kindern“
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In der politisch-medialen Öffentlichkeit hat Deutschland ein übergeordnetes, alles überschattendes, furchterregendes, schauderhaftes, gigantisches Problem. Und das heißt: RECHTS. Rechte Denkmuster, rechte Menschen, rechte Parolen.
Fast täglich erscheinen neue Kampagnen, die dazu aufrufen, die Finger von „rechts“ zu lassen, Unterhaltungsshows, die AfD-Wähler umerziehen sollen oder Warnhinweise von Politikern, Influencern und Journalisten, dass uns allen 1933 bevorsteht, sofern jetzt nicht alle geschlossen links-grün wählen. Und wer kann dann wirklich sagen, er hätte nichts gewusst? So die gratismutige rhetorische Frage der Guten. Noch nie wurde der Holocaust so sehr banalisiert, wurden die Grausamkeiten der Nazis derartig verharmlost wie in den vergangenen Monaten.

Infantilisierung des Wahlkampfes: Alles, was ich blöd finde, ist 1933.
Der Tagesspiegel hat sich nun, kurz vor den Landtagswahlen in Brandenburg, auch der Sorgen sogenannter „demokratischer Eltern“ angenommen, die „undemokratische Kinder“ haben. Der Titel des Ratgeber-Artikels: „Hilfe, mein Kind rutscht nach rechts! Acht Tipps für demokratische Eltern mit undemokratischen Kindern“.
Sozialarbeiterin hilft Eltern mit rechten Sprösslingen
Es wird bereits in der Überschrift unterstellt, dass Eltern ihre Kinder politisch aufklären und beeinflussen müssen. Dabei sollte sich jeder Mensch, egal wie jung oder alt, selbst eine Meinung aufgrund von Erfahrung und Beobachtung bilden dürfen. Dass die AfD unter Jungwählern so beliebt ist und am kommenden Sonntag vermutlich um die 30 Prozent der Stimmen erhalten wird, mag unter anderem daran liegen, dass erwähnte junge Menschen unmittelbar in ihren Schulen, an ihren Universitäten und auf den Straßen ihrer Städte mit dem Phänomen „ungeregelte, illegale Migration“ konfrontiert werden.

Wahlkampf in Brandenburg: Wird die AfD stärkste Kraft?
Der Tagesspiegel zeigt in seinem Text Möglichkeiten für Eltern auf, Realitäten weiter zu verleugnen – statt sich mit den Ursachen des großen AfD-Erfolges auseinanderzusetzen. Hilfestellung gibt die Sozialarbeiterin Eva Prausner, die seit über 20 Jahren im „Bereich Rechtsextremismus bei Jugendlichen“ arbeitet. Mit dem Projekt „Eltern Stärken“, das Prausner seit 15 Jahren leitet, werden Eltern unterstützt, deren Kinder „in rechtes Gedankengut und rechte Strukturen“ abgleiten. Die Sozialarbeiterin hält Kinder und Jugendliche auf dem Land „für besonders gefährdet“, da dort „verdichtete vorurteilsbehaftete Haltungen“ vorherrschten, die es schwer machten, gegen Rechts aufzustehen.
Doch sie hat acht Tipps für besorgte Eltern:
1) Erkennen, dass das Kind nach rechts rutscht
Über Kleidung sei das immer weniger sichtbar, erklärt Prausner. Eltern sollten auf „rassistische, sexistische oder queerfendliche Sprüche“ achten und gegebenenfalls auch eine „produktive Ansprache mit dem Kind“ suchen und zum Beispiel fragen: „Was machst du eigentlich auf TikTok? Folgst du auch Accounts der AfD?“. Ein Blick auf das Handy des Kindes, entweder in dessen Anwesenheit oder sogar heimlich, findet die Sozialarbeiterin unproblematisch. „Wenn Gefahr abzuwenden ist, wäre der unautorisierte Blick auf das Handy aus Fürsorgegründen legitim“, so Prausner gegenüber dem Tagesspiegel.
2) Sich frühzeitig Hilfe holen
„Zu erkennen, dass das eigene Kind rechts ist, kommt für viele Eltern erst mal als Schock.“ Prausner rät dazu, trotz möglicher Schamgefühle so früh wie möglich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, schreibt die Zeitung. Je schneller gehandelt würde, desto besser, denn womöglich habe das Kind „noch keine gefestigte rechtsextreme Einstellung“. Es könne sich durchaus auch um eine Phase handeln. Doch Prausner warnt: „Eltern brauchen einen langen Atem“. Rückschläge im Kampf gegen rechts seien zu erwarten.

Großer Wahlerfolg unter Jungwählern

Ebenso in Sachsen
3) Kommunikativ in Kontakt bleiben, aber klar Position beziehen
Hier rät Prausner etwas ganz Radikales: Sprechen sie weiterhin mit ihrem Kind, auch wenn sie nicht einer Meinung sind! Selbst, wenn es für „Eltern schwer auszuhalten sei“, sollten diese mit ihrem Sprössling über rechte Themen diskutieren, um sie mit den „verachtenden Menschenbildern“ zu konfrontieren. Der Rat der Sozialarbeiterin: Reden in Ich-Botschaften: „Wenn du so über Menschen herziehst, dann verletzt mich das. Ich möchte nicht, dass du deine Mitschüler:innen diskriminierst“.
4) Nicht die Liebe entziehen
„Der Jugendliche muss immer wissen: Ich nehme dich nicht nur vor dem Hintergrund deiner Einstellungen wahr“, so Prausner. Sie schlägt vor, trotz rechter Gesinnung, mit dem Kind auch mal eine Pizza essen zu gehen, denn Eltern könnten nicht 24/ 7 gegen die politische Einstellung des Kindes ankämpfen.
5) Motivation verstehen
Die Sozialarbeiterin führt hier das gleiche Argument an, was seit 30 Jahren als Ursprung für ein Abrutschen nach rechts genutzt wird: Verletzte Männlichkeit, Mobbing, mangelnde Zugehörigkeit, fehlende Anerkennung, Ausgrenzung. In rechten Kreisen könne der Mann endlich wieder Mann sein. Übersetzt: Nur Loser wählen rechts. Unter jungen Frauen sei die rechte Szene beliebt, weil sie „Entlastung“ böte, von zu vielen (gesellschaftlichen) Erwartungen. „Und natürlich können auch Frauen überzeugte Rassistinnen sein“, so Prausner.

Problematisch ist, dass auch in dem Tagesspiegel-Text nicht zwischen Rechten und Rechtsextremen unterschieden wird
6) Die Bedürfnisse adressieren
Wenn das Kind nicht mehr „zur Szene“ gehen soll, müssten die Eltern eine Alternative aufzeigen. Zum Beispiel den Besuch eines Fitnessstudios. Obacht bei Kampfsportarten! Einige Clubs würden von Rechten geleitet, so Prausner. Mädchen sollten darüber aufgeklärt werden, dass „die Szene“ sexistisch und frauenfeindlich ist.
7) Das Umfeld involvieren
„Es hilft, wenn sich Jugendliche einer Gruppe gegenübersehen, die ihr Verhalten missbilligt“, erklärt die Sozialarbeiterin. Eltern sollten sich zusammentun. Lehrer, Großeltern, Tanten – alle gemeinsam im Kampf gegen das rechte Kind.
8) Den Mut nicht verlieren
Prausner ist überzeugt, wenn Eltern demokratische Werte hochhalten, kann es gelingen, das auf die schiefe Bahn geratene Kind, wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuholen.
Und wenn das alles nicht hilft, können wir vielleicht endlich darüber sprechen, wie und wohin wir all diese rechten Kinder abschieben.
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Emilie Brummel
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