Terror-Experte Peter Neumann analysiert die „Messerwelle“ in Europa
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Ein Jahr nach dem islamistischen Pogrom der Hamas am 7. Oktober 2023 steht auch Europa vor einer Welle des Terrors, berichtet der Terrorismusexperte und Politologe Peter R. Neumann in seinem Blog. In einer Tabelle zeigt er alle „geplanten und durchgeführten salafistisch-dschihadistischen Terroranschläge in Westeuropa vom 7. Oktober 2023 bis zum 5. Oktober 2024.“
In den letzten zwölf Monaten hat sich die Zahl der geplanten und durchgeführten Anschläge im Vergleich zu 2022 mehr als verfünffacht. Neumanns Einschätzung: „Nach einer Phase relativer Ruhe stellt der Dschihadismus jetzt wieder die größte Terrorismus-Bedrohung für Europa dar. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, müssen Politik und Sicherheitsbehörden die Bekämpfung dieser Terrorgefahr sofort zur obersten Priorität machen.“

(Quelle: https://prneumann.substack.com/p/die-messerwelle)
Neumann zieht aus den Daten sechs Schlussfolgerungen:
- „Die Zahl der dschihadistischen Anschläge und Anschlagsplanungen ist in den letzten zwölf Monaten stark angestiegen. Im Jahr 2022 zählte Europol in ganz Europa nur zwei durchgeführte und vier versuchte Anschläge. Verglichen damit hat sich das Volumen dschihadistischer Aktivität seit dem 7. Oktober 2023 um mehr als das Fünffache erhöht“
- „Mindestens zwei von drei geplanten Anschlägen werden verhindert. Den elf durchgeführten Anschlägen stehen fünfundzwanzig Anschlagsplanungen gegenüber, die die Polizei und Sicherheitsbehörden rechtzeitig stoppen konnten. Es stimmt also nicht, dass ,diese Art von Terrorismus' nicht zu verhindern sei. Natürlich gibt es keine hundertprozentige Sicherheit, aber die Trefferquote der Sicherheitsbehörden ist hoch und kann weiter gesteigert werden.“
- „Mehr als ein Drittel der Anschläge und Anschlagsplanungen (36 Prozent) richteten sich ganz oder teilweise gegen Juden, jüdische Institutionen oder Israel. Angesichts der Nachrichtenlage und der Ideologie der Dschihadisten mag dies keine Überraschung sein. Aber es ist eine Erinnerung daran, dass jüdisches Leben in Europa besonderen Schutz benötigt.“
- „Deutschland ist mit dreizehn Anschlägen und Anschlagsplanungen das am stärksten betroffene Land — auch im Vergleich zur Einwohnerzahl (36 Prozent der Anschläge und Anschlagsplanungen vs. 21 Prozent der westeuropäischen Bevölkerung). Ähnliches gilt für Österreich (11 Prozent der Anschläge und Anschlagsplanungen vs. 2 Prozent der Bevölkerung) und die Schweiz (8,5 Prozent der Anschläge und Anschlagsplanungen vs. 2 Prozent der Bevölkerung).“
- „In den elf durchgeführten Anschlägen kamen insgesamt neun Menschen zu Tode, also weniger als eine Person pro Anschlag. (Der verheerendste Anschlag war der in Solingen, bei dem es drei Todesopfer gab.) Dies ist für den Anfang einer Terrorwelle nicht außergewöhnlich: Basierend auf vergangenen Terrorwellen passieren die größten Terroranschläge erst zwei oder drei Jahre nach Beginn der Welle.“
- „Zehn der elf bisher durchgeführten Anschläge wurden mit Messern durchgeführt. Bis auf den Anschlag auf das israelische Generalkonsulat in München, bei dem eine Langwaffe verwendet wurde, kamen Schusswaffen überhaupt nicht zum Einsatz. Auch Sprengsätze und Anschläge mit Fahrzeugen, wie etwa in Nizza oder dem Berliner Breitscheidplatz, sind bisher ausgeblieben. Für heutige Dschihadisten sind Messer klar die bevorzugte Waffe.“
Ein Jahr nach der Terroroffensive vom 7. Oktober: Europa steht vor einer neuen Welle des dschihadistischen Terrors. Ich habe *alle Zahlen und Daten* zusammengetragen und ausgewertet. Dabei komme ich zu 6 Erkenntnissen. 👇🧵
— Peter R. Neumann (@PeterRNeumann) October 5, 2024
Dschihadismus ist die größte Gefahr
Weiter erklärt Neumann: Der Dschihadismus stelle erneut die größte Terrorbedrohung in Europa dar, weshalb Politiker und Sicherheitsbehörden den Kampf dagegen priorisieren müssen. Besonders gefährdet seien dabei junge Menschen, die sich online radikalisieren. Präventionsmaßnahmen sowie Frühwarnsysteme sollten verstärkt auf diese Zielgruppe ausgerichtet sein. In Deutschland zeige sich zudem eine besondere Verbindung zwischen dem Asyl- und Fluchtbereich und dem Dschihadismus, da ein Großteil der in den letzten Jahren verhafteten Terroristen Asylbewerber oder Flüchtlinge waren. Dies erfordert strengere und besser regulierte Asylverfahren. Jüdische Bürgerinnen und Bürger in Europa sind besonders gefährdet und bedürfen verstärkten Schutzes, um die pluralistischen Werte Europas zu bewahren. Schließlich ist es wichtig, schnell zu handeln, da terroristische Wellen in der Regel nach wenigen Jahren ihren Höhepunkt erreichen – es besteht also noch die Möglichkeit, Schlimmeres zu verhindern.
Mehr zu diesen Entwicklungen im Bereich des dschihadistischen Terrorismus gibt es in Neumanns neuen Buch Die Rückkehr des Terrors, welches vor wenigen Wochen bei Rowohlt Berlin erschienen ist.
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