Tschüss Deutschland, hallo China: Chemie-Industrie warnt vor Deindustrialisierung
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Zeitenwende in der deutschen Wirtschaft!
Immer mehr Industrieunternehmen verlagern ihre Produktion ins Ausland, insbesondere nach China und in die USA. Die Gründe dafür sind vielfältig: steigende Energiepreise durch den Ukraine-Krieg, zunehmende Regulierung in Europa und die Attraktivität der wachsenden Märkte in Asien und Amerika.

Die neue Anlage des Chemiekonzerns BASF für die Herstellung von Kathodenmaterialien.
Die Abwanderung der Chemie-Industrie
Besonders betroffen von dieser Entwicklung ist die Chemie-Industrie. „Investitionen in neue Anlagen und neue Technologien (…) strömen aus Deutschland“, sagte Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und Aufsichtsrat beim Chemie-Riesen BASF, der Financial Times. Diese Entwicklung sei durch die Energieprobleme nur beschleunigt worden.
Die hohen Energiepreise und die strengen Umweltauflagen in Deutschland würden die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen und sie zur Verlagerung ihrer Produktion ins Ausland zwingen. Größter Nutznießer laut Vassiliadis: China und die USA. Dort erwartet die Firmen eine ökonomische Willkommens-Kultur, eine Kombination aus Steueranreizen, Energie-Versprechen und schnellerer Regulierung.

Michael Vassiliadis (vl), Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).
Die Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland
BASF hat bspw. eine Produktionsanlage im chinesischen Zhanjiang eröffnet, auch das Leverkusener Unternehmen Covestro schielt in Richtung Peking. „Selbstverständlich gehen die Unternehmen dahin, wo ihre Kundinnen und Kunden sind“, sagt die Gewerkschaft IGBCE zur Berliner Zeitung. „Das war aber schon immer so und kann nicht erklären, weshalb aktuell in Deutschland so wenig investiert wird.“
„Im vergangenen Jahr investierte unsere Branche 11,2 Milliarden Euro im Ausland“, heißt es vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Gleichzeitig wurde im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland rund 24 Prozent weniger investiert.
Die Abwanderung von Industrieunternehmen hat weitreichende Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sie führt zu einem Verlust von Arbeitsplätzen und Know-how und schwächt die industrielle Basis des Landes. Zudem drohen Steuerausfälle, da die Unternehmen ihre Gewinne im Ausland versteuern. Das Deutsche Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) zählt 2,4 Mio. Arbeitsplätze an den fünf energieintensiven Branchen.

Der Spruch "Provinz Guangdong spendet Schutzmaterialien an Deutschland mit Hilfe von BASF" klebt auf einem Karton aus China.
Forderungen nach politischen Maßnahmen
Angesichts dieser Entwicklung fordern Experten politische Maßnahmen. Sie plädieren für eine Senkung der Energiepreise und eine Lockerung der Umweltauflagen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken. Zudem sollte die Politik Anreize für Investitionen in Forschung und Entwicklung schaffen, um die Innovationskraft der Unternehmen zu fördern.
Vom VCI heißt es zur Berliner Zeitung: „Wir sind zutiefst besorgt, denn die schleichende Deindustrialisierung findet bereits statt. Und das Schlimme ist: Bei unseren Unternehmerinnen und Unternehmern schwindet die Zuversicht und der Glaube an den Standort Deutschland.“
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