Umgeben von Gewalt und Drogen: So lebte der Mann, der die Vierjährige niederstach, im Horror-Flüchtlingsheim
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In Wangen im Allgäu stach am Mittwochnachmittag ein 34-jähriger Syrer auf ein 4-jähriges Mädchen ein. Das Mädchen war mit ihrer Mutter einkaufen, als der Mann sie unvermittelt mit einem Messer angriff und ihr Stichwunden im Bauchbereich zufügte.
Der Täter konnte dank des mutigen Eingreifens eines Zeugens von der Polizei verhaftet werden.
Inzwischen wurde der Mann dem Haftrichter vorgeführt und kommt in eine psychiatrische Klinik. Die erste Staatsanwältin Tanja Vobiller sagte gegenüber dem Portal Schwäbische.de „Wir gehen bei dem Mann von einer verminderten Schuldfähigkeit oder einer Schuldunfähigkeit aus“.

Gegenüber dem Supermarkt, in dem die unfassbare Tat geschah, liegen drei Containerunterkünfte.
Männer unterschiedlichster Herkunft leben in den Containern
NIUS war vor Ort und hat mit Anwohnern und Migranten aus der Flüchtlingsunterkunft, in der der aus Syrien stammende Täter laut Bewohnern gelebt haben soll, gesprochen.
Sehen Sie hier unser Video zu diesem Thema. Wir haben am Tag nach der grausamen Tat bei einer Spontan-Versammlung vor dem Supermarkt mit bestürzten Anwohnern gesprochen.
Männer unterschiedlichster Herkunft leben in den grauen Containern der Flüchtlingsunterkunft. An den vorderen Eingängen: Blick auf den Supermarkt, daneben ein Schrotthändler. An den hinteren Eingängen: Blick auf Bahngleise und den Bahnhof.
„Ich habe viel zu tun, ich muss jetzt gehen“
Wir sehen junge Männer ein und aus gehen. Einige gehen in den NORMA einkaufen, bringen ihr Pfand weg, manch andere sitzen an ihren Fenstern und schauen gedankenverloren nach draußen.
Ein junger Mann, etwa Mitte 20, verlässt die Unterkunft. Wir sprechen ihn an. Er spricht gebrochenes Deutsch, aber es reicht, um sich grob zu verständigen. Er erzählt uns: „Ich komme aus Syrien, wohne aber nicht hier. Ich war hier gerade bei meinem Friseur. Ich wohne in einer Unterkunft in Ravensburg.“ Die Frage, ob er etwas von der grausamen Tat mitbekommen hat, verneint er.
Ein etwa 40-jähriger Mann mit kurzen grauen Haaren kommt in unsere Richtung gelaufen und wir sprechen ihn an. Er versteht weder Deutsch noch Englisch. Er sagt, er sei Kurde und zückt sein Handy, auf dem er seine Übersetzungsapp parat hat. Ich frage ihn, ob er hier in den Unterkünften wohnt. „Ja, ich lebe hier“, antwortet er über die App. „Haben Sie etwas von der grausamen Tat im Supermarkt mitbekommen?“, spreche ich in sein Handy. Er tippt etwas ein und hält mir das Handy hin. „Ich habe viel zu tun und muss jetzt gehen“, lese ich von seinem Display ab. Wir wünschen ihm einen schönen Tag und gehen weiter.
Es sind drei einzelne Containerunterkünfte, in denen die Migranten je nach Nationalität miteinander leben.

Ein Hauseingang der Containerunterkünfte.
Vor „Haus 2“ steht ein junger Mann mit Locken, ein Auge ist blutrot unterlaufen, als er uns sieht, geht er rein und schließt die Türe hinter sich.
Wir treffen auf einen weiteren Mann, kurze Haare, schätzungsweise auch Mitte 20. Ich frage ihn, ob er Deutsch oder Englisch spricht. Er antwortet und fragt, wie er helfen kann. „Woher kommst du? Und lebst du hier?“ In sehr gutem Deutsch sagt er: „Ich komme aus der Türkei und bin seit 20 Monaten in Deutschland. Ja, genau, ich wohne hier in diesem Haus.“ „Wow, für 20 Monate Deutschland, ist das sehr, sehr gutes Deutsch“, erwidere ich. Er bedankt sich.
Drogen werden konsumiert und an Minderjährige verkauft
„Wie ist es hier zu leben?“, frage ich weiter. „Es ist schwierig. Für mich ist es schwierig. Wissen Sie, ich rauche nicht, ich trinke nicht. Jeden Abend wird hier Marihuana konsumiert. Alles stinkt nach Marihuana. Es ist laut, immer gibt Streit und Schlägereien.“
Ich frage ihn, ob er arbeiten darf. Er erzählt uns, dass er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, aber er würde gerne arbeiten, er hat sich sogar schon als Kfz-Mechaniker beworben, aber es sei alles nicht leicht. „Hier leben so viele unterschiedliche Nationalitäten. Im ersten Stockwerk in Haus 1 leben Afrikaner, im Erdgeschoss Ukrainer. Hier in Haus 2 leben Afghanen, Türken, Iraner. Die Afrikaner dealen mit Drogen. Aber starken Drogen. Sie verkaufen sie an Minderjährige.“
„Welche Drogen verkaufen sie?“ „Sie dealen mit Kokain, verkaufen es an 13-jährige Mädchen. Sie werden es selbst sehen, wenn Sie hier länger stehen.“ „Was macht die Polizei? Kriegt die das mit?“ „Ja, die Polizei macht nichts. Ich verstehe das nicht. Die machen einfach nichts.“
Schließlich frage ich ihn, ob er etwas von der grausamen Tat mitbekommen hat, den Täter vielleicht sogar kennt. Er sagt „Nein, ich habe nichts bekommen, ich habe aber gehört, dass der Mann in Haus 3 gewohnt haben soll. Ich kenne ihn aber nicht.“
Wir wünschen ihm alles Gute. Weiter zu „Haus 3“.
Ein dunkelhäutiger Mann in Gebetsgewand läuft auf uns zu ...
„Guten Tag, darf ich Sie etwas fragen?“, rufe ich in seine Richtung. Er bleibt stehen und kommt auf uns zu. „Sprechen Sie Deutsch oder Englisch?“ „Ja, ein bisschen Deutsch“, sagt er. Ich frage ihn, woher er kommt und ob er hier lebt. „Ich komme aus Gambia, ja, ich wohne hier.“ „Welche Nationalitäten leben hier?“ „Hier wohnen Gambier, Palästinenser, Namibier und Syrer“, sagt er.
Dann frage ich ihn nach der Tat und, dass wir gehört haben, der Täter hätte hier gewohnt. Ja, sagt er, aber er kannte ihn nicht, denn er wohnt im Erdgeschoss und der syrische Mann im ersten Stock.
Auch Deutsche leben hier
Kurz darauf kommt ein junger Mann aus dem Haus, ich spreche ihn auf Deutsch an und frage, ob er hier lebt. Er bestätigt und wankt dabei hin und her. Sein Deutsch klingt nach Muttersprache, also frage ich nach, ob er Deutscher ist. „Ja, ich bin deutscher Landsmann.“ „Aber du wohnst hier? Warum lebst du hier in der Unterkunft?“ frage ich überrascht. „Na ja, es ist eben nicht so leicht eine Wohnung hier zu finden.“ Er erzählt, er habe von der Tat gehört, aber er kannte den Mann nicht.

Das NORMA Schild ragt gut sichtbar zur Straße.
Die Polizei äußert sich zum Wohnort des Täters nicht.
Gewalt, Drogen und Alkohol scheinen Alltag in der Containerunterkunft zu sein. Die dort lebenden Menschen schaffen sich ihre eigenen Strukturen, bieten Dienstleistungen wie Haare schneiden auch für Migranten aus anderen Unterkünften an. Einem Sicherheitsdienst sind wir während unseres Aufenthalts vor Ort nicht begegnet.
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Helena Gebhard
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