Zalando, Vinted und About You: Wie Mode-Giganten mit einem Antifa-Verein auf „Nazi-Code”-Jagd gehen
Bomberjacke und Springerstiefel, Londsdale und Thor Steinar. So stellte man sich in den 90er Jahren rechte Kleidung vor. Seit kurzem ist sogar Helly Hansen problematisch. Jetzt setzt ein Bündnis aus Aktivisten und Modevertrieb noch einen drauf ...
Der Verein „Laut gegen Nazis e.V.“ startete vor wenigen Tagen zusammen mit den Online-Modehändlern Zalando, Vinted und der Spread Group, die Plattform „Fashion against Fascism“. Auf der Website wird ein Verzeichnis mit über 200 „Nazi-Codes“ bereitgestellt, das darauf abzielt, den Verkauf von Kleidung mit „Nazi-Codes“ in Online-Shops zu verhindern.
Aber was genau versteht „Laut gegen Nazis e.V.“ unter „Nazi-Codes“? Auf den ersten Blick kann man nicht erkennen, ob es um Rechts, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus oder Faschismus geht.

Die Liste mit Nazi Codes auf der Fashion against Fascism Website
Neben den allgemein als „Nazi Codes“ bekannten Zahlencodes und Chiffren wie beispielsweise 88 (steht für zwei mal der achte Buchstabe im Alphabet: HH = Heil Hitler) oder 1888 (dieselbe Logik, steht für Adolf Hitler und Heil Hitler), finden sich auch einige Beispiele, die nichts mit Faschismus oder Nazis zu tun haben.
NIUS dokumentiert einige der absurdesten „Nazi-Codes“ aus dem neuen Verzeichnis:
Beispiel 1: FAFO
Die Redewendung „Fuck around and find out“ (zu Deutsch: Bau scheiße und finde raus, was passiert) ist ein Teil der allgemeinen Internetkultur und wird vielfältig in unterschiedlichen sozialen und politischen Kontexten verwendet. Auf X finden sich Accounts wie @FAFO_TV, die ihre mehr als 2 Millionen Follower mit Videos versorgen, wie sie früher im Fernsehen bei Sendungen wie „Upps! Die Pannenshow“ gezeigt wurden.

Urbandictionary ist das umgangssprachliche Wörterbuch im Internet
Dass es sich dabei nicht um eine genuin faschistische Phrase handelt, wird sogar auf der Seite selbst zugegeben: „Diese Phrase kann auch in geringerem Maße von anderen in einem anderen Kontext verwendet werden.“ Trotzdem sei der „Code“ problematisch.
Beispiel 2: Lets go Brandon
Dabei handelt es sich, wie die Website feststellt, um eine Chiffre, das „Fuck Joe Biden“ heißen soll und aus dem Trump-Lager der Republikaner käme. Eine Erklärung, was der Spruch einer demokratisch wählbaren Volkspartei aus den USA mit Faschismus zu tun haben soll, bleibt die Website schuldig.
Beispiel 3: Klagt nicht, kämpft
Als Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion stellte das Bundesministerium für Verteidigung schon 2013 klar, dass das Motto „Klagt nicht, kämpft“ nicht eindeutig auf die Fallschirmjäger der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zurückzuführen ist und es auch keine historischen Belege dafür gibt. Weitere Begründungen, warum es sich bei diesem Satz um einen faschistischen Code handeln soll, bleibt die Website schuldig.
Beispiel 4: Pepe the frog
Das bekannte Meme wird von unterschiedlichen politischen und sozialen Gruppen verwendet. So steht es auch in der auf der Website der Anti-Defamation-League (ADL), die als Quelle verlinkt ist: „The majority of uses of Pepe the Frog have been, and continue to be, non-bigoted.“
Die ADL ist dafür bekannt, legitime und unkonventionelle Äußerungen schnell als Hassrede abzustempeln. Beispielsweise gelten Formulierungen wie „100%“ laut ihrer Auffassung als Hasssymbol.
Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, warum Pepe the frog überhaupt auf der Seite genannt wird, wenn selbst die ADL eine differenziertere Sichtweise an den Tag legt.

Pepe der Frosch wird von ganz unterschiedlichen Gruppen verwendet
Beispiel 5: USA
Laut der Website soll es sich dabei um einen rechten Code handeln. „USA“ soll nämlich bedeuten: „Unser seliger Adolf“. Bei diesen drei Buchstaben denkt jeder Ottonormalverbraucher eigentlich an die United States Of America. Auch der Disclaimer: „Kann auch für United States Of America stehen“, macht die Nazi-Code-Vermutung nicht weniger absurd.

„Unser seliger Adolf“ Kappen auf Zalando?
Die genannten Beispiele und „Nazi-Code“-Elemente als faschistisch zu brandmarken, ohne eine fundierte Erklärung, erscheint nicht nur gewagt, sondern auch gefährlich naiv. Diese Vorgehensweise erweckt den Eindruck, als würde „Fashion Against Fascism“ mehr Wert auf Schlagworte und Provokation legen als auf tatsächliche Aufklärung und den Kampf gegen reale faschistische Ideologien. Anders gesagt: Es scheint so, als wird hier versucht legitime rechte und konservative Meinungen als faschistisch zu diffamieren.
Fehlende Differenzierung zwischen rechts, rechtsextrem und faschistisch
Auf der Website wird keinerlei Abgrenzung zwischen den Begriffen rechts, rechtsradikal, rechtsextrem und faschistisch getroffen. Die Begriffe werden wild durcheinander geworfen, es gibt offensichtlich keine klare Linie, wie sie verwendet werden.

Nazi-Codes, faschistisch, rechtes Gedankengut, rechtsradikal, rechtsextrem; auf der Website werden diese Begriffe als Synonyme verwendet
Die NIUS-Anfrage, ob sich die Kampagne gegen Rechts, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus oder Faschismus richtet, wurde nicht beantwortet. Wie die Begriffe verstanden und abgegrenzt werden, wurde auch nicht beantwortet. Es ist also unklar, ob Unwissenheit oder der gezielte Wunsch nach Desinformation die Ursache dafür ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich große Unternehmen dem Zeitgeist anpassen und unreflektiert bei Aktionen gegen Rechts mitmachen, NIUS berichtete. NIUS fragte nach, ob auch „Rechte“ bei den Unternehmen einkaufen dürfen. Außerdem fragte NIUS, ob die Online-Modehändler ähnliche Initiativen gegen Islamismus und Linksextremismus planen. Auch diese Fragen wurde nicht beantwortet.
Die Jagd auf von ihnen als faschistisch gebrandmarkten Codes scheint inkonsequent. Das sieht man daran, dass sie immer noch Produkte von Helly Hansen in ihren Shops führen, obwohl das Logo der Marke laut der Website ein rechter Code ist. Die NIUS Anfrage, wieso das so ist, wurde nicht beantwortet.
Wer steht hinter „Laut gegen Nazis“?
Jörn Menge, ein Musiker aus Hamburg, betreibt den Verein seit 2004. Nebenbei unterstützt er den Verein Sea-Watch, mit dem er zusammen ein Musikvideo veröffentlichte.

Nicht nur Musiker, sondern auch Aktivist: Jörn Menge
Der Verein steht öffentlich in der Kritik, nachdem der Focus berichtete, dass Sea-Watch mit Schleppern gemeinsame Sache macht. „Wir werden die Schiffbrüchigen niemals nach Tunesien bringen, es ist ein Land, das kein Asylgesetz und kein entsprechendes Aufnahmesystem hat“, sagte Giorgia Linardi, Sprecherin von Sea-Watch, der italienischen Tageszeitung La Repubblica.
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