Zittau (Sachsen) zwischen Fachwerk und Fladenbrot: Zu Besuch in Deutschlands heimlicher Dönerhauptstadt
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Wenn man an Döner denkt, dann fällt einem sofort Berlin ein: leckere Soßen, saftiges Fleisch, alles multikulti. Doch die Realität sieht manchmal anders aus – die Döner-reichste Stadt Deutschlands liegt nicht an der Spree, sondern an der Neiße: Zittau. NIUS ist dorthin gefahren, um zwischen Identitätsverlust und Schwarztee mit Passanten, Dönerladenbesitzern und Kunden zu sprechen.
Hier die Döner-Reportage aus Zittau:
Wer durch Zittau fährt, riecht die neue Zeit. Zwischen Gründerzeitfassaden und Kopfsteinpflaster drängt sich der Duft von Fleisch und Knoblauch in die Nase. In der sächsischen Kleinstadt Zittau zeigt sich, was für andere nur Dystopie sein könnte. Insgesamt 16 Dönerläden erstrecken sich über eine Stadt, die gerade mal über 20.000 Einwohner hat. Umgerechnet sind das mehr Dönerläden pro Kopf als in der Hauptstadt.

Der Döner ist aus keiner deutschen Stadt mehr wegzudenken und fester Bestandteil des Stadtbildes.
Döner ist Popkultur
Der Döner ist längst nicht mehr nur Fast Food. Er ist ein Teil deutscher Gegenwart, Popkultur und Projektionsfläche zugleich. Für die einen steht er für Vielfalt und Offenheit, für andere für Austauschbarkeit und den Verlust des Eigenen. Selbst die Politik hat ihn entdeckt: Linke wollen ihn billiger machen, Rechte sehen in ihm ein Symbol für ein Land, das sich verändert, und Markus Söder hat gleich seine eigene Dönermarke eingetragen.

Markus Söder in einem Dönerladen
Schweinefleischspieß in Zittauer Dönerladen
Wer durch die Stadt läuft, findet an fast jeder Ecke ein neues Kebab-Haus. Viele der Betreiber sind seit Jahren hier, manche seit Jahrzehnten. So wie Bozan Güneri, der mit seinem Laden zum besten Döner Zittaus gewählt wurde. Stolz zeigt er das T-Shirt mit seinem Logo und lächelt, als er erzählt: „Die Zittauer haben uns zum besten Döner gewählt. Aus elf Läden waren wir der beste.“ Sein Erfolgsrezept: Freundlichkeit, sauberes Arbeiten und ein Spieß, der sogar Schweinefleisch anbietet. „Ich verkaufe nichts, was ich nicht selber esse“, sagt er.

Besitzer eines Dönerladens: Bozan Güneri
Integrationskritik in der Dönerbude
Ein paar Straßen weiter hat Mehmet Tiram vor Kurzem den 16. Dönerladen der Stadt eröffnet. Alle nennen ihn „Abi“, großer Bruder. Er lebt seit 25 Jahren in Zittau, war lange angestellt, jetzt ist er sein eigener Chef. „Es ist egal, ob es der 16. oder der 25. Döner ist, es muss einfach schmecken“, sagt er. Doch er klagt über fehlendes Personal: „Ich will Leute einstellen, aber ich finde keine.“ Mehmet hofft auf motivierte Migranten, die seinen Laden auf Vordermann bringen.

Gegenüber NIUS macht Mehmet Tiram seinem Ärger über die Migration in Deutschland Luft.
Er selbst sehe Asylbewerber und Migranten auf der Straße und frage sich, warum die nicht arbeiten wollten. „Ich habe sogar bei der Ausländerbehörde angerufen und gesagt: Schickt mir Menschen, die arbeiten wollen.“ Doch die Behörde half ihm nicht, bis heute arbeiten nur Familienmitglieder in seinem Laden.
Zittau ist mehr als eine Stadt zwischen drei Grenzen. Sie ist ein Symbol dafür, wie schnell sich ein Land verändern kann – leise, aber endgültig. Wenn Geschmack, Geruch und Sprache sich wandeln, dann auch das Selbstverständnis eines Ortes. Der Döner steht hier nicht nur für ein Stück Fladenbrot mit Fleisch, sondern für den Austausch dessen, was einmal vertraut war, gegen das, was neu und laut geworden ist. Und während überall der Duft von Fleisch und Knoblauch hängt, verliert die Stadt langsam ihren eigenen Geschmack.
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