Zugriff eine Woche vor EM-Beginn: Staatsschutz und Polizei nehmen IS-Terroristen wegen Anschlagsdrohung fest
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Eine Woche vor Beginn der Europameisterschaft in Deutschland haben Polizei und Staatsschutz in Nordrhein-Westfalen womöglich einen Terroranschlag auf Public Viewing-Events verhindert. Das berichtet die BILD exklusiv unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Demnach wurde der 23-jährige deutsch-marokkanisch-polnische Staatsangehörige Soufian T. festgenommen, der sich als Ordner bei der UEFA bewerben wollte.
Wie die BILD berichtet, wollte der Mann aus Bonn eine Akkreditierung für die EURO 2024 als Ordner und Sicherheitskraft für sogenannte „Side-Events“ außerhalb der Fußball-Stadien. Darunter zählt man etwa Fanmeilen oder Public Viewing-Events. Beim Backgroundcheck fiel auf, dass Staatsschutz und Verfassungsschutz Erkenntnisse hinsichtlich Soufian T. vorliegen, die auf eine islamistische Gesinnung schließen lassen. Das Polizeipräsidium Köln setzt letztendlich durch, dass der Mann keine Akkreditierung für solche Jobs erhielt..
Weiter heißt es in dem Medienbericht, dass Staatsschützer auch Indizien fanden, dass der Islamist sich für zwei Großevents in Rheinland-Pfalz beworben hatte: einerseits das Festival „Rock am Ring“, das an diesem Wochenende am Nürburgring stattfindet. Und das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, das am ersten Juniwochenende abgehalten wurde. Weiterhin wird vermutet, dass der Terrorverdächtige im Mai ein One-Way-Ticket für eine Reise vom Flughafen Köln-Bonn nach Istanbul gebucht hatte.

Zehntausende feiern an diesem Wochenende bei „Rock am Ring“ – auch der Islamist Soufian T. hatte sich dort beworben.
Generalbundesanwalt ermittelt wegen Unterstützung von ISPK
Daraufhin schalteten Ermittler das Bundeskriminalamt ein, welches weitere Ermittlungen zu Geldflüssen und Internet-Aktivitäten des Islamisten führte. Weil sich der Terror-Verdacht immer weiter erhärtete, leitete der Generalbundesanwalt ein „Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland“ ein.
Bei der Terrororganisation soll es sich um ISPK handeln, also: Islamischer Staat in Pakistan und Khorasan. Diese IS-Ablegergruppe gilt als besonders gefährlich. Sie agiert dezentral, oft in kleinen Zellen und setzt stark auf Online-Propaganda. ISPK steckt hinter dem Terroranschlag im Mai auf die Konzerthalle in Moskau mit mehr als 140 Toten, aber auch diffuse Anschlagsdrohungen, die dazu führten, dass der Kölner Dom in der Weihnachtszeit geschützt werden musste.
Der ISPK steckt auch hinter den Anschlagsplanungen auf den Kölner Dom sowie den Wiener Stephansdom an Weihnachten und Silvester letzten Jahres, weshalb diese geschützt werden mussten – und hinter dem verheerenden Anschlag auf eine Konzerthalle in Moskau, bei dem mehr als 130 Menschen starben. Im März wurden zwei Afghanen festgenommen, die einen islamistisch motivierten Anschlag auf das schwedische Parlament in Stockholm geplant haben sollen. Auch der Messerangreifer von Mannheim, der Afghane Sulaiman A., soll sich mittels ISPK-Onlinevideos radikalisiert haben.

Musste in der Weihnachtszeit strengstens von der Polizei bewacht werden wegen Terrordrohungen: der Kölner Dom.
Festnahme am Flughafen, anschließende Wohnungsdurchsuchung
Der Generalbundesanwalt, bei dem der Fall nun angesiedelt ist, beantragte aufgrund der Hinweise auf konkrete Terrorpläne einen Untersuchungshaftbefehl gegen Soufian T. mitsamt Durchsuchungsbeschluss beim Bundesgerichtshof. Wie BILD berichtet, wurde der 23-Jährige am Freitag mit seiner Mutter und Schwester durch Fahnder des Staatsschutzes Bonn und Bundespolizisten im Flughafen Köln-Bonn festgenommen. Dabei wurden mehrere Handys sowie 2500 Euro sichergestellt. Zum Tatvorwurf soll der Terrorverdächtige schweigen.
Seine Mutter teilte mit, dass ihr Sohn und sie eine Pilgerfahrt nach Mekka machen wollten. Die Frau konnte zudem Tickets vorzeigen, die eine geplante Weiterreise nach Riad in Saudi-Arabien belegten. Ebenfalls hatte sie Rückflugtickets dabei. Nach der Festnahme wurden außerdem die Wohnung des Islamisten durchsucht, weitere Handys, Datenträger und Computer beschlagnahmt. Zudem stellten Ermittler verdächtige Aufzeichnungen sicher. Soufian T. wurde nach Karlsruhe gebracht und dort dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt.

Auch Frankreich hat im Vorfeld der Olympischen Spiele im Juli die Sicherheitsvorkehrungen hochgeschraubt.
Der Fall erinnert dabei an die Problemlage, die Ermittler in Frankreich haben. Dort stellte sich im Innenausschuss heraus, dass die Sicherheitsbehörden in etlichen Fällen Islamisten im Bewerbungs- und Registrierungsprozess für Securitydienste bei den anstehenden Olympischen Spielen im Juli identifizieren konnten. Dabei handelt es sich um sogenannte „fiché S“-Gefährder, die in Frankreich in einer eigenen Kartei geführt werden. Ende Mai nahmen französische Sicherheitsbehörden einen 18-jährigen Tschetschenen fest, der einen islamistischen Anschlag auf die Olympischen Spiele vorbereitet haben soll.
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