250. Unabhängigkeitstag der USA: Warum die Amerikaner zu Recht Patrioten sind – und was wir von ihnen lernen können
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Die Vereinigten Staaten feiern ihren 250. Unabhängigkeitstag – in großem Stil. Das mächtigste und auch popkulturell wirkmächtigste Land der Erde hat Großes geschaffen. Uns in Europa stünde es gut zu Gesicht, wenn wir uns am freien Geist, dem Fortschrittseifer und dem Ehrgeiz der Amerikaner ein Beispiel nähmen.
Wo sollen wir beginnen? Vielleicht beim „Demokratiefest“ im Berliner Regierungsviertel, wo man 75 Jahre Grundgesetz feierte und kleines Karo vorherrschend war. Ein Ort der ideologischen Indoktrinierung inklusive Insektenverkostung. Ein Ort der Tristesse. Gipfel der Peinlichkeit war „Freddi der Familienadler“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der auf dem Gelände herumgeisterte.

Adler Freddi verkörperte beim „Demokratiefest“ deutsche Piefigkeit.
Und jetzt blicken wir über den Großen Teich, in die USA. Dort wird schon ein gewöhnlicher 4. Juli groß gefeiert, doch diesmal, zum 250. Unabhängigkeitstag, laufen die Feierlichkeiten vielerorts bereits seit Monaten. Bund, Bundesstaaten, Städte und zahlreiche Kulturinstitutionen organisieren Veranstaltungen im ganzen Land: große Feuerwerke, Paraden mit Marching Bands, Veteranen, historischen Uniformen, Oldtimern und patriotischen Festwagen. Häuser, Straßen und Geschäfte sind in Rot, Weiß und Blau geschmückt, Konzerte, Barbecues und historische Inszenierungen finden an zahllosen Orten statt.
Diesmal gibt es auch ein landesweites Jubiläumsprogramm („America 250“) mit Ausstellungen, Festivals und Veranstaltungen in Nationalparks und historischen Stätten. Die Great American State Fair in Washington, D.C., bei der sich alle Bundesstaaten mit Kultur, Musik, Geschichte und regionalen Besonderheiten präsentieren. Sondermünzen und Medaillen, besondere Zeremonien an nationalen Symbolorten wie dem Nationalarchiv und historischen Schauplätzen des Unabhängigkeitskrieges gegen die Briten.
Die Amerikaner lassen sich auch in schwierigen Zeiten ihren Patriotismus nicht nehmen. Aus Krisen haben sie sich immer wieder herausgekämpft, nie die Flinte ins Korn geworfen. Sie können in der Gesamtschau völlig zu Recht stolz auf ihr Land sein – und zeigen es auch.

Jeder Mensch auf der welt erkennt sofort: Das ist New York!
„Unveräußerliche Rechte“
Heute vor 250 Jahren, am 4. Juli 1776, verabschiedete der Kontinentalkongress in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung. Thomas Jefferson formulierte die revolutionären Sätze: „Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.“

Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776.
Die Verfassung von 1787 und die Bill of Rights von 1791 machten diese Prinzipien dauerhaft: Gewaltenteilung, Checks and Balances, Religionsfreiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Recht auf ein faires Verfahren und das Recht, Waffen zu tragen. Amerika wurde zur ersten großen Republik der Neuzeit, die auf individuellen Rechten statt auf kollektiver Unterwerfung basierte.
Der Amerikanische Traum
So wurden die USA zum Sehnsuchtsort von Millionen, als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Wellen von Einwanderern – zunächst Briten und Deutsche, dann Iren während der Hungersnot, Italiener, Polen, Juden aus Osteuropa, später Asiaten und Lateinamerikaner – suchten Freiheit vor Verfolgung, Armut oder starren Hierarchien. Der „Amerikanische Traum“, dass harte Arbeit, Talent und Entschlossenheit unabhängig von Herkunft zum Erfolg führen können, wurde zur mächtigsten Anziehungskraft der Moderne.

Einwanderer nach der Ankunft in der Neuen Welt.
Viele kamen mit nichts als einem Koffer und dem Glauben an eine bessere Zukunft. Sie bauten Fabriken, gründeten Unternehmen, erfanden Neues und bereicherten die Kultur. Amerika wurde zum Schmelztiegel, in dem aus Vielfalt Stärke entstand und die Menschen den Amerikanischen Traum lebten: dass man es mit Fleiß, Talent, harter Arbeit, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen zu etwas bringen kann – während der deutsche Traum heute „Vom Tellerwäscher zum Tellerwaschenden“ heißt. Oder „Vom Tellerwäscher zum abgebrochenen Studenten zum Linken-Politiker, der den Millionär enteignet“.
Es ist kein Zufall, dass das Land Erfinder wie Thomas Edison, die Brüder Wright oder Henry Ford förderte und dass hier Transistor, Computer, Internet, GPS und unzählige medizinische Durchbrüche entstanden – bis hin zur „rückwärts einparkenden“, wiederverwendbaren Rakete von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX.

SpaceX schaffte es, eine wiederverwendbare Rakete zu bauen.
Glaube an eine strahlende Zukunft
Natürlich gab es in der 250-jährigen Geschichte der Vereinigten Staaten auch viele Schattenseiten, doch wurde aus Fehlern gelernt. So war die Sklaverei zweifellos ein dunkles Kapitel (nicht nur Amerikas), aber dort wurde sie schließlich abgeschafft. Dafür haben wir den USA viel zu verdanken, nicht zuletzt die Befreiung von Kommunismus, Nationalsozialismus und Faschismus. Wir sollten es nie vergessen: Es waren amerikanische Soldaten, die 1944 an den Stränden der Normandie landeten, um Nazi-Deutschland niederzukämpfen.
250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung ist man in den USA stolz auf das Erreichte, den Aufstieg zur stärksten, reichsten, mächtigsten und erfolgreichsten Nation der Geschichte – und gibt sich damit dennoch nicht zufrieden. Präsident Donald Trump mag stets großspurig daherkommen, aber er brachte einmal in einer Rede zur Lage der Nation den Optimismus der Amerikaner auf den Punkt: „Und unsere Zukunft wird größer, besser, strahlender, mutiger und glorreicher sein als je zuvor.“
Und wie viel ärmer wären wir ohne Amerika! Neben militärischer und wirtschaftlicher Macht strahlte Amerika ja vor allem kulturell aus wie kein anderes Land. Hollywood-Filme erzählen weltweit von Abenteuer, Gerechtigkeit und dem Kampf des Einzelnen. Die amerikanische Musik – Jazz, Blues, Rock ’n’ Roll, Country, Hip-Hop – hat Generationen geprägt und Grenzen überwunden. Literatur, Broadway, Fernsehen, Mode und Sport (NBA, NFL) verbreiteten amerikanische Lebensgefühle: Optimismus, Individualismus, Unterhaltung und den Glauben, dass alles möglich ist.

Traumfabrik: der ikonische Schriftzug bei Los Angeles.
„Der Mond ist jetzt ein Ami“
Präsident John F. Kennedy etwa kündigte 1961 vor dem US-Kongress an, dass die Vereinigten Staaten noch vor Ablauf des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond bringen und sicher zur Erde zurückbringen würden. Acht Jahre später war es so weit. Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Erdtrabanten, und Bild titelte: „Der Mond ist jetzt ein Ami“. Die Astronauten pflanzten die Flagge mit den Stars and Stripes auf.

Helden: Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin „Buzz“ Aldrin flogen 1969 zum Mond.
In unseren Tagen ist es der ehrgeizige Visionär Elon Musk, der von einer Landung auf dem Mars träumt. Sich Ziele zu setzen, sie beharrlich zu verfolgen und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen – das ist sehr amerikanisch (auch wenn Musk geborener Südafrikaner ist).

Aldrin und die US-Flagge auf der Mondoberfläche.
Alle großen Innovationen der letzten zwei Jahrzehnte entstanden in den Vereinigten Staaten. Als US-Präsident Donald Trump im September 2025 ein Dinner im Weißen Haus gab, waren insgesamt mehr als zwanzig Führungskräfte aus Technologie und Wirtschaft geladen. An einem Tisch saßen CEOs wie Meta-Chef Mark Zuckerberg, Microsoft-Gründer Bill Gates, Apple-Chef Tim Cook und Sam Altman, Chef von OpenAI, der Entwicklerfirma von ChatGPT.

Trump mit brillanten Gästen beim Dinner im Weißen Haus.
Ikonische Marken
Brillante, innovative Köpfe, die man in Europa vergeblich sucht. In den USA entstehen gerade gigantische Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI), die jeden Rahmen sprengen. Etwa in Utah ein KI-Campus, der mehr als doppelt so viel Strom verbraucht wie der gesamte Bundesstaat. Die Anlage ist nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, sondern versorgt sich selbst mit Energie, und wird über eigene Gaskraftwerke betrieben. Der Meta AI-Campus in Louisiana, ein 10-Milliarden-Dollar-Projekt des Konzerns, besitzt die Ausmaße von 70 Fußballfeldern.
Während wir in Europa überlegen, wie man die sozialen Netzwerke „regulieren“ könnte und Innovationsideen darum kreisen, wie sich verhindern lässt, dass Deckel von Plastikflaschen lose in der Umwelt landen, entsteht in Texas Stargate, ein Multi-Milliarden-Dollar-Megaprojekt von OpenAI, Microsoft, Oracle und weiteren Partnern. Der Campus soll bis zu 10 Gigawatt an Rechenleistung aufbauen, sich über Hunderte Hektar erstrecken und ganze Areale im Maßstab einer kleinen Stadt einnehmen. Zentrum des weltweiten Rechenzentrums-Booms ist Nord-Virginia. Der Markt verzeichnet dort Kapazitäten im Bereich von rund 4.000 Megawatt (4 Gigawatt) und wird von Tech-Giganten wie Amazon, Google und Microsoft dominiert.
Das ist die Zukunft. Doch schon in der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Großes vollbracht und ikonische Marken geschaffen. Coca Cola war immer mehr als ein Erfrischungsgetränk, es wurde im 20. Jahrhundert zu einem der bekanntesten Symbole der amerikanischen Popkultur und des globalen Konsums. In Filmen, Musik, Werbung und Kunst ist die ikonische, feminin geformte Flasche mit dem signifikanten Schriftzug allgegenwärtig, ein Sinnbild für Massenkultur, Modernität und den amerikanischen Lebensstil. Wer hinter dem Eisernen Vorhang lebte, für den verkörperte eine Coke Reisefreiheit, Wohlstand und kulturelle Offenheit, schlicht: Freiheit.

Ikonische Flasche: Coca Cola wird auf der ganzen Welt geliebt.
Bilder, die jeder kennt
Überall auf der Erde kennt man die Skyline New Yorks. Und die legendäre Route 66, die fast 4.000 Kilometer lange Fernstraße von Chicago im Osten bis Santa Monica / Los Angeles in Kalifornien. Vor hundert Jahren war sie eine der ersten durchgehend befestigten Straßenverbindungen zur Westküste. Wer sie abfährt, sollte zwei bis drei Wochen einplanen.

Die legendäre Route 66 führt durch acht Bundesstaaten.
Menschen fast überall auf der Welt tragen Jeans, hören amerikanische Musik und wissen, wie der Grand Canyon aussieht. Die Wirkmacht der USA ist nach wie vor enorm. Wir im verzagten Deutschland könnten viel von Amerika lernen, vor allem, dass die persönliche Freiheit und die Meinungsfreiheit integraler Bestandteil einer Demokratie sind. Dass Regulierung die Entwicklung hemmt. Dass Ehrgeiz grundsätzlich nichts Falsches ist und man durchaus mal nach den Sternen greifen darf.
Und dass jede Form des Kollektivismus schlecht ist. Während man hier ein unbestimmtes „Wir“ beschwört und „Vater Staat“ für alles sorgen lassen will, lautet der Gründungsspruch der Vereinigten Staaten „E pluribus unum“ (Aus vielen eines). Es bedeutet: Einheit entsteht nicht durch Uniformität, sondern durch gemeinsame Werte. Auf die müsste man sich in Deutschland, anders als in Amerika, erst einmal einigen. Da fällt einem doch sogleich Goethes „Amerika, du hast es besser“ ein, das er im Jahr 1827 schrieb.

Land der Naturwunder: der überwältigende Grand Canyon in Arizona.
Ein Land, das viel zu schade ist, als dass wir es uns von Elmar Theveßen erklären lassen sollten.
Auch als überzeugter Europäer kann und sollte man das, was Amerika ausmacht, anerkennen, wertschätzen und ihm bisweilen gern auch nacheifern. In einer Welt voller Unsicherheiten bleibt „God’s Own Country“ jedenfalls ein Leuchtturm der Hoffnung, des Unternehmergeistes und des Glaubens an den Einzelnen. In diesem Sinne: Danke, Amerika – und Happy Independence Day!
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