Das merkwürdige Demokratieverständnis eines Drogeriemarktchefs: „Ich möchte Björn Höcke nicht bei uns in der Firma begrüßen”
Ein Beitrag von
Die Deutschen kaufen in ihren Märkten Toilettenpapier, Hundefutter und Shampoo: „dm“, „Rossmann“ und „Müller“ machen Milliardenumsätze. Doch seit einiger Zeit gibt es über den Einkauf hinaus gratis politische Statements. Denn die Chefs der größten deutschen Drogeriemärkte mischen sich, so scheint es, immer stärker in die Politik ein.

Drogerie-Erbe Raoul Roßmann übernahm das Ruder vor fünf Jahren von seinem Vater.
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bezieht Raoul Roßmann, 41, jetzt Stellung gegen Rechts:
„Mich frustriert momentan weniger der Zugewinn der AfD, auch wenn ich ihn als besorgniserregend wahrnehme. Mich frustriert, dass die Bundesregierung ihren Handlungsspielraum nicht nutzt. Was wirkt, ist kluge Politik im Sinne der Menschen.“
Seit wann ist Seifenkauf politisch?
Das Familienunternehmen Rossmann sitzt im niedersächsischen Burgwedel. Gründer Dirk Roßmann sieht sich laut Homepage ausdrücklich als „Unternehmer mit Haltung“. Sein Sohn folgt dieser Linie, offenbar sogar im privaten Umfeld. Als die Süddeutsche Zeitung ihn darauf anspricht, dass er angeblich jemanden aus dem Freundeskreis erfolgreich von der AfD weggebracht habe, sagt Roßmann:
„Ja, bei der letzten Wahl. Mit Wählern muss man reden. Mit den Argumenten der AfD muss man sich auseinandersetzen. Aber sie hoffähig machen, indem man sie einlädt? Nein. Ich möchte Björn Höcke nicht bei uns in der Firma begrüßen.“
Konzernchefs tragen Verantwortung als Vorbilder. Aber spielt die Weltanschauung beim Windelkauf wirklich solch eine große Rolle? Roßmanns Mitbewerber Christoph Werner scheint tolerant: Der dm-Chef, für den allein in Deutschland mehr als 60.000 Menschen arbeiten, gilt als Freigeist. Der frühere Waldorfschüler sagt im NZZ-Podcast Machtspiel im März:
„Die politische Überzeugung der Kolleginnen und Kollegen bei dm Drogeriemarkt ist deren Privatangelegenheit. Und da gibt’s auch nichts zu missionieren und zu diskutieren nach meiner Überzeugung.“

Christoph Werner ist seit 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung von dm.
Der dm-Chef und der Shitstorm
Dabei war Werner selbst ins Visier der Gesinnungskrieger geraten, als er sich im Dezember 2025 gegen eine Brandmauer zur AfD im Familienunternehmerverband aussprach und eine inhaltliche Auseinandersetzung forderte. Kritiker riefen zum Boykott auf. Plötzlich teilte sich das Warenlager gefühlt in gute Drogeriemärkte und böse Drogeriemärkte. Sowohl Werner als auch sein Konkurrent Raoul Roßmann saßen anschließend in der Talkshow von Markus Lanz, um Einigkeit zu demonstrieren. Zur damaligen Empörungswelle sagt Raoul Roßmann jetzt im SZ-Interview:
„Ja, Christoph tat mir leid. Er hat keine AfD-nahe Position. Er wollte sich nicht vorgeben lassen, wie er sich zu entscheiden hat. Das verstehe ich. Die Problematik war: Es gab keine Dialogbereitschaft seitens der Öffentlichkeit, sondern sofort eine Lagerbildung, vor allem auf Social Media. Die Frage lautete: Bist du für oder gegen mich?“

Werner und Roßmann waren am 4. Dezember 2025 zu Gast in der ZDF-Talkshow Markus Lanz.
Es ist ein Dilemma, an dem die Konzernchefs nicht unschuldig sind. Denn viele Kunden fragen sich: Was hat mein Drogeriemarkt mit Demokratie-Erziehung zu tun? Zumal die Meinungsfreiheit nur in eine Richtung zu gelten scheint. In Richtung der AfD sagt Roßmann im Interview:
„Unterschiedliche Meinungen kann ich wunderbar aushalten. Aber wenn ich Verachtung spüre, tue ich mich schwer, die Hand zu reichen. Und viele AfD-Politiker haben einen verachtenden Umgang mit anderen.“
Dass Marken plötzlich mit Politik aufgeladen werden, das scheint Raoul Roßmann auch selbst zu leben – mit einem Tesla-Boykott, der sich vor allem gegen den Chef und Trump-Vertrauten Elon Musk richtet:
„Als Kunde darf ich entscheiden, welche Marken ich bevorzuge. Und ich wollte den Wahlkampf von Herrn Trump nicht mitfinanzieren. Elon Musk hat sich ganz klar für ihn ausgesprochen und damit eine Klimapolitik unterstützt, die nicht in unserem Interesse sein kann. Zudem hat er sich mit einer unglaublichen Penetranz in europäische Angelegenheiten eingemischt – da kam in mir einfach der Wunsch auf, mich zu wehren.“
Gekauft: Bodylotion. Bekommen: Belehrung
Die Richtung vorgeben, die öffentliche Meinung lenken: Das ist offenbar negativ, wenn es Menschen mit entgegengesetzter politischer Haltung tun. Es mag im aktuell aufgeheizten politischen Klima für einige Unternehmer wichtig sein, sich zu positionieren. Millionen Kunden dürfte die politische Meinung ihrer Produzenten aber völlig egal sein. Für sie entscheidet angesichts steigender Lebenshaltungskosten wohl nur eins: der Preis.
Haben Sie einen Hinweis zu diesem Thema? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
Mehr NIUS:
Im Namen der Demokratie: Die Brandmauer muss fallen!
Problem-Ponys, blaue Haare, Frauenkleider: Warum sehen linksradikale Aktivisten aus wie ihre eigenen Karikaturen?
Wer mit 60 seine Ernährung ändert, gewinnt 8 Lebensjahre
Die EU dreht uns den Gashahn zu
Die Selbstzerstörung des ZDF
Das kann nur die Deutsche Bahn: 67 Jahre Verspätung in einem Jahr
Diese Reise hätte Merkel selbst bezahlen müssen!
Dieser Parteitag entlarvt die wahren Feinde der Demokratie
Mehr NIUS:
Die EU dreht uns den Gashahn zu
Die Selbstzerstörung des ZDF
Das kann nur die Deutsche Bahn: 67 Jahre Verspätung in einem Jahr
Diese Reise hätte Merkel selbst bezahlen müssen!
Dieser Parteitag entlarvt die wahren Feinde der Demokratie
250. Unabhängigkeitstag der USA: Warum die Amerikaner zu Recht Patrioten sind – und was wir von ihnen lernen können
Wann verstehen die Grünen Schwarz-Rot-Gold?
Merz und Nagelsmann: Die Bundes-Loser
Melanie Grün
Artikel teilen
Kommentare