NGO-Komplex agitiert gegen Opposition: Campact-Gruppe schreibt Drohmail an Familienunternehmer
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Hinterherspitzeln, Einschüchtern, Moralisieren: Mit diesen Methoden wird in Deutschland 2025 gegen etablierte Unternehmen und Geschäftsleute vorgegangen, wenn diese nicht die gewünschte Meinung vertreten.
Die Gruppe „Campact“ versucht aktuell, Mitglieder des Verbandes „Die Familienunternehmer“ (6.500 Mitglieder) mit einer streng formulierten Gesinnungsabfrage samt Ultimatum unter Druck zu setzen. Mit drohendem Unterton will man erzwingen, dass sich Unternehmer gegen die AfD positionieren und den Verband, der kürzlich die Brandmauer zwischen AfD und Wirtschaft abräumte, sprengen. Wenig überraschend und doch höchst alarmierend: Andere NGOs applaudieren.
„Aktuell steht der Verband ‚Die Familienunternehmer‘ für seine Entscheidung in der Kritik, AfD-Politiker*innen einzuladen und sich damit an die rechtsextreme Partei anzunähern“, schreibt Campact in einer Mail an die Verbandsmitglieder, die der FAZ vorliegt. Drohend heißt es weiter: „Unsere Recherchen weisen darauf hin, dass Ihr Unternehmen bzw. ein Vertreter Ihres Unternehmens Verbandsmitglied bei ‚Die Familienunternehmer‘ ist. Wir bitten Sie hiermit um eine kurze schriftliche Bestätigung oder Zurückweisung der Verbandsmitgliedschaft bis Mittwoch, den 26. November, um 11 Uhr.“ Und dann, wie in einem Erpresserschreiben: „Wenn wir bis zum Fristende keine Antwort von Ihnen erhalten, gehen wir davon aus, dass Ihr Unternehmen bzw. ein Vertreter Ihres Unternehmens Mitglied im Verband der Familienunternehmer ist.“
Jeder Bestandteil der Nachricht macht klar: Es handelt sich nicht um eine freundliche Anfrage, sondern um unverhohlene Gesinnungskontrolle. Die man bestehen kann – oder nicht.

Bundeskanzler Friedrich Merz auf einer Veranstaltung des Verbandes „Die Familienunternehmer“ im Sommer dieses Jahres. Zu den Mitglieder zählen die größten und bekanntesten Marken des Landes.
Zur Vorgeschichte: Nach der Einladung des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm zu einer Veranstaltung der Familienunternehmer und einer öffentlichen Stellungnahme der Verbandspräsidentin, man habe entschieden, „die Brandmauer im Sinne eines totalen Kontaktverbots aufzuheben“, ist eine öffentliche Diskussion um diese Entwicklung entbrannt. Wichtige Mitglieder wie Rossmann, Vorwerk und die Deutsche Bank zogen sich daraufhin aus dem Verband zurück oder kündigten die Zusammenarbeit.
Parallel startete Campact seine Gesinnungskampagne und verschickte die Drohmail an 36 Unternehmen, forderte eine explizite Bestätigung oder eine ausdrückliche Zurückweisung der Mitgliedschaft. Wortwahl und Ultimatum lassen keinen Zweifel, dass sich die angeschriebenen Unternehmer für ihr Verbleiben im vermeintlich „rechten Verband“ rechtfertigen oder – offenbar das erwünschte Verhalten – unter Druck austreten sollen.

Campact zeigt, wie Haltung geht.
Bildungsstätte Anne Frank warnt vor gesellschaftlicher Ächtung
Der unfassbare Vorgang fand bislang wenig Kritik, im Gegenteil: Ausgerechnet die steuerfinanzierte Bildungsstätte Anne Frank begrüßt den politischen Druck, der auf die Unternehmen gemacht wird, ausdrücklich. In einem Post der Einrichtung werden zunächst jene Unternehmen, die bereits abgesprungen sind, gelobt: „Brandmauer? Rossmann, Vorwerk und Deutsche Bank zeigen, wie es geht!“ Dann ist von Grenzüberschreitung die Rede: „Der Verband ‚Die Familienunternehmer‘ hat mit der Einladung eines AfD-Politikers zu einer Veranstaltung nicht nur eine Grenze überschritten – sondern ein deutliches Signal gesetzt: Die Zusammenarbeit mit einer in weiten Teilen rechtsextremistischen Partei scheint für manche Teile der Wirtschaftselite kein Tabu mehr zu sein.“

Und auch die Bildungsstätte Anne Frank schreckt nicht davor zurück, den Familienunternehmern offen zu drohen: „Eine Vielzahl an Studien zeigt, dass Diversität, Inklusion und ein klares Bekenntnis zur Demokratie Innovation, Teamzufriedenheit und Resilienz fördern. Wer dagegen mit demokratiefeindlichen Kräften kooperiert, beschädigt langfristig nicht nur das eigene Image, sondern auch Vertrauen, Arbeitsklima und gesellschaftliche Legitimität.“
Mit anderen Worten: Wer sich nicht brav gegen die AfD positioniert, wird schon sehen, was er davon hat. Es drohen Rufschädigung, unzufriedene Mitarbeiter – und, ja: gesellschaftliche Ächtung!
Zutiefst verstörend: Eine steuerfinanzierte Organisation, die den Namen Anne Frank trägt – DAS Sinnbild gegen politische Verfolgung – verteidigt und praktiziert öffentlich die Ausgrenzung, soziale Markierung und moralische Erpressung unbescholtener Bürger, die politisch vollkommen legitime Werte vertreten. Und: die größtenteils vermutlich nicht einmal „AfD-nah“, sondern einfach nur für ein Ende der Brandmauer sind – in der Hoffnung, dass barrierefreie Kommunikation mit allen gewählten Parteien endlich zu Lösungen für die verheerende Krise der deutschen Wirtschaft führt.
Campact legt nach: Schaubild zeigt erwünschtes Verhalten
In einem auf X veröffentlichten Statement erklärt der Verband sogar ganz genau, wie er zur AfD steht und warum er mit der Partei reden will: „Mit einem Andersdenkenden zu diskutieren, heißt nicht, seine Positionen zu akzeptieren. Reden heißt nicht zusammenarbeiten. Und wer gar nicht mehr redet, hat inhaltlich aufgegeben – gerade diejenigen überlassen das Feld den Extremisten. Demokratie lebt vom Streit um die besten Inhalte, nicht vom Schweigen.“ Ferner heißt es: „Dass wir mit einzelnen AfD-Fachpolitikern ins Gespräch kommen, ohne ihnen eine Bühne zu geben, haben wir im Frühjahr mit unserem Bundesvorstand, unseren Landesvorsitzenden und unseren Kommissionsvorsitzenden beschlossen und die Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft unterstützen dieses Vorgehen. Auch bei anderen Wirtschaftsverbänden und Kammern ist das Usus.“

Das auf X veröffentlichte Statement des Verbands
Campact hatte zwischenzeitlich verkündet, dass sich auch Unternehmen wie Dr. Oetker und Haribo vom Verband der Familienunternehmer distanziert hätten. Doch diese sind nie Mitglieder gewesen – Campact musste die Nachricht zurückziehen. Dennoch dürften die Drohmail und ein nachgeschobener Post der Gruppe Wirkung zeigen.
Damit es auch wirklich jeder versteht, veröffentlichte Campact ein Bild, das noch mal anschaulich zeigt, welches Verhalten erwünscht ist. Überschrift: „Wirtschaftsverband will mit AfD zusammenarbeiten – so reagieren die Drogerieketten“. Gezeigt wird das Logo von Rossmann, grün unterlegter Text: „Kündigt sofort seine Mitgliedschaft“ – dazu Emoji: Daumen hoch! Daneben das Logo von „dm“, alarmrot hinterlegter Text: „Bleibt Mitglied und verteidigt den Verband“ – Emoji: zwei Daumen runter.
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Simone Schamann
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