Die neue Esskultur der Deutschen Bahn: Currywurst ohne Pommes, kein Speiseeis
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Wer je im sogenannten „Knödelexpress“ gefahren ist, wird das nicht vergessen. Zwischen Berlin und Prag verkehrten bis vor kurzem altmodische, gemütliche Bistrowagen der tschechischen Bahn, die etwas ganz Besonderes hatten: Dort wurde in der Küche des Speisewagens noch richtig gekocht: Spiegeleier mit Speck und Bratkartoffeln oder Steaks à la Minute. Im Speisewagen roch es nicht, es duftete. Wehmütig dachte der Bahnfahrer: Warum geht das bei der Deutschen Bahn nicht ebenso? Immer nur tiefgekühltes Zeug.
600.000 Bahnfahrer kauften Currywurst mit Pommes
Jetzt werden viele wehmütig an die Zeiten der Tiefkühlkost zurückdenken. An die Currywurst zum Beispiel, jedenfalls an die mit Pommes frites. Die Deutsche Bahn verkaufte rund 600.000 Portionen im Jahr. Besonders beliebt dazu: Pommes. Die wird es in Zukunft nicht mehr geben, wie der Münchner Merkur zuerst berichtete. Pommes frites sind seit Juni dauerhaft von der Speisekarte gestrichen. Stattdessen gibt es Wedges, also Kartoffelecken. Sie gibt es als Beilage zur Currywurst – mit Ketchup oder Mayo.
Ein herrliches deutsches Lieblingsgericht – einfach gestrichen, für immer. Woher kommt dieser Wahnsinn?
Es liegt daran, dass die Tiefkühlung im Bordbistro abgeschafft wird. Dadurch sollte „die Bordgastronomie zuverlässiger und weniger komplex“ gestaltet werden, sagte ein Bahnsprecher. Weil es keine Tiefkühlung mehr gibt, gibt es bald auch kein Speiseeis mehr in Zügen – und auch keine Eiswürfel.

Einen „Kraftriegel der Facharbeiter“ (Gerhard Schröder) wird sich der Fahrgast auch künftig holen können, nur auf Pommes muss er verzichten.
Es wird nicht besser – es wird immer trauriger
Die neue Bahnchefin Evelyn Palla hatte erst im Februar Verbesserungen in der Bordgastronomie angekündigt. Was daraus geworden ist, sieht man jetzt. Aber der Irrsinn lässt sich noch steigern. Was jahrelang kein Problem war, ist jetzt als Problem entdeckt worden. Eine Bahnsprecherin sagte: „Aufgrund der EU-F-Gase-Verordnung können viele bislang verwendete Kältemittel an Bord künftig nicht mehr oder nur eingeschränkt eingesetzt werden. Die bestehenden Tiefkühlgeräte sollen zu Jahresende durch Normalkühlungsgeräte ersetzt werden.“
Mein gesunder Menschenverstand fasst es nicht: Weil die EU sich irgendwas mit neuer Kühlungsverordnung ausgedacht hat, gibt es des Deutschen liebste Kartoffeln nicht mehr in der Bahn. Denn Pommes frites müssen tiefgekühlt gelagert werden. Und Speiseeis im Hochsommer – ebenfalls Fehlanzeige.
Es scheint, dass die Deutsche Bahn im Kleinen wie ein Sinnbild der deutschen Wirtschaft im Ganzen ist: Es wird nicht besser. Es wird immer trauriger.
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