Sechsfachmord von Stade: Jugendamt hatte dem Mörder und seiner Frau das Kind (3 Monate) entzogen
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Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade mit sechs Toten verdichten sich die Erkenntnisse zum Tathintergrund. Gegen den mutmaßlichen Täter läuft ein Verfahren wegen des Verdachts, sein eigenes Baby misshandelt zu haben. Auf Anfrage von NIUS bestätigte die Staatsanwaltschaft Hannover: „Wir führen ein Verfahren gegen Fatih G. wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen.“ Konkret geht es nach NIUS-Informationen um den Verdacht, dass das erst drei Monate alte Mädchen ein Schütteltrauma erlitten haben könnte.
Nach neuen Informationen der WELT reicht die Vorgeschichte der Tat bis Anfang April zurück. Damals wurde das Baby zunächst in der Medizinischen Hochschule Hannover und später in einem Kinderkrankenhaus wegen des Verdachts auf ein Schütteltrauma behandelt. Bereits in dieser Phase geriet der 45-jährige Vater ins Visier der Ermittler.
Der Mann soll im Zusammenhang mit der Behandlung seines Kindes auch Ärzte bedroht haben. Nach WELT-Informationen soll er gegenüber Medizinern sinngemäß erklärt haben, dass er Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen werde, sollte seinem Kind in der Klinik etwas passieren. Anfang Mai soll zudem eine weitere E-Mail des Mannes bei den behandelnden Ärzten eingegangen sein, in der er diese erneut massiv beschimpft haben soll.
Das Bedrohungsverfahren wurde später dennoch eingestellt. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft Hannover der WELT bestätigte, habe aus ihrer Sicht keine strafrechtlich relevante Bedrohung vorgelegen.
Der Täter ist Türke
Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach NIUS-Informationen um Fatih G. Er soll am Montag in der Einrichtung in der Dankersstraße fünf Menschen erschossen haben, eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Bei den Todesopfern handelt es sich nach Polizeiangaben um vier Frauen und zwei Männer – allesamt Mitarbeiter der Einrichtung beziehungsweise des Jugendamts. Drei von ihnen arbeiteten nach NDR-Informationen für die Region Hannover.
Hintergrund der Tat ist ein Sorgerechtsverfahren. In dessen Zusammenhang lebten Mutter und Kind in der Stader Einrichtung: Nach dem zeitweisen Entzug durfte das Kind nach NDR-Informationen unter Auflagen zur 34-jährigen Mutter zurück, allerdings nicht an deren Wohnort in Hannover. Zu dem Termin in der Einrichtung – einem Hilfeplangespräch – reisten die zuständigen Fachkräfte eigens an. Nach Schilderungen aus der Nachbarschaft eskalierte dort die Lage; der Mann verließ zunächst das Gebäude, holte offenbar eine Waffe aus einem Auto und kehrte zurück. Anschließend fielen die Schüsse.
Das Kind und die Mutter blieben unverletzt. Beide gehören nach Polizeiangaben nicht zu den Opfern. Der mutmaßliche Täter, ein 45-jähriger türkischer Staatsbürger aus dem Raum Hannover, wurde kurz nach der Tat auf der Flucht festgenommen. Er war den Angaben zufolge der Polizei wegen einer früheren Bedrohung bekannt, galt aber nicht als gewalttätig; eine waffenrechtliche Erlaubnis für die Tatwaffe besaß er nicht.
Die Polizei spricht von einer „erweiterten Familientragödie“. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnete die Tat als „kaltblütig“ und betonte, sie habe keine politischen oder wirtschaftlichen Hintergründe; es handele sich um einen Einzelfall mit familiärem Motiv.
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