Das „heute journal“ instrumentalisierte einen fünfjährigen Jungen, um Stimmung gegen die Abschiebebehörde ICE zu machen
Ein Beitrag von
Eric SteinbergKein Einzelfall: Nach Kritik an der KI-Fake-Berichterstattung des heute journals zur US-Einwanderungsbehörde ICE werden nun neue Ungereimtheiten am Vorgehen des Senders deutlich: Das ZDF instrumentalisierte den Fall eines kleinen Jungen, um Stimmung gegen ICE zu machen.
Der Fall, der vom ZDF in den vergangenen Wochen immer wieder thematisiert wurde, hat in jüngster Zeit viele Menschen bewegt – weltweit. Im Zentrum steht dabei der kleine Liam Conejo Ramos, ein fünfjähriger Junge aus Minnesota. Gemeinsam mit seinem Vater, Adrian Conejo, wurde der ecuadorianische Junge Ende Januar von ICE in Minnesota aufgegriffen, nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen.
Die Bilder vom Jungen mit der blauen Mütze gingen um die Welt – zusammen mit unterschiedlichen Interpretationen. Vielfach war zu lesen, der Junge sei während der Maßnahme von den Beamten dazu benutzt worden, noch mehr Verwandte in die Fänge von ICE zu locken. Der Junge sei vor den Augen der Verwandtschaft einfach so mitgenommen worden, hätten zudem Augenzeugen gesagt.

Das Bild des kleinen Liam ging um die Welt.
Das ZDF berichtet einseitig
Auch das heute journal berichtete mehrfach über den Fall. In dem Beitrag „So geht der US-Grenzschutz auf Migrantenjagd“ heißt es dazu:
„Vor knapp zwei Wochen hatte ICE den fünfjährigen Liam und seinen Vater festgenommen, nun sind die beiden wieder frei. Ein Bundesrichter ordnete ihre Haftentlassung an. Die Begründung: Das Vorgehen von ICE sei eine schlecht durchdachte und inkompetent umgesetzte Verfolgung täglicher Abschiebequoten der Regierung.“
In einem anderen Beitrag mit dem Namen „New York – Kinder und die Angst vor ICE“ thematisiert die Nachrichtensendung explizit die angebliche Angst der Kleinsten vor der ICE-Behörde.
„Ihre Agenten agieren teils verfassungswidrig, dringen zum Beispiel ohne Durchsuchungsbefehl in Wohnungen ein, sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab und lassen diese zurück, oder nehmen Minderjährige wie den fünfjährigen Liam mit und stecken sie in Abschiebezentren.“
Nicht zuletzt greift auch der Beitrag „Erneut tödliche Schüsse durch ICE-Beamte“ die Geschichte des kleinen Jungen auf:
„Die Agenten waren zuvor ohne Gerichtsbeschlüsse in Häuser eingedrungen, haben dabei auch Kinder mitgenommen, so wie den 5-jährigen Liam Ramos. Als sein Vater sich der Festnahme entzog, sollen die Agenten, so berichten es Augenzeugen, den Jungen benutzt haben, um andere Familienmitglieder aus dem Haus zu locken. ICE bestreitet die Darstellung.“
ICE berichtet das Gegenteil
Das Problem: Dass ICE den Jungen grundlos mitnahm, steht der Aussage der Abschiebebehörde selbst diametral entgegen. ICE bestreitet die Darstellung nicht nur, wie es das ZDF im dritten Beitrag in einem kurzen Satz erwähnt, sondern kommt mit einer fundamental anderen Erzählung daher.
Das Ministerium für Innere Sicherheit sagt, der Vater habe sich der Festnahme durch ICE entziehen wollen und habe seinen Sohn im Stich gelassen. Im Anschluss habe man Liam auch nicht einfach mitgenommen, sondern erst versucht, den Jungen zurück in die Nähe der Mutter zu bringen, die sich in einem Haus ganz in der Nähe aufgehalten habe.

ICE-Beamte in Minnesota. Dort ereignete sich auch der Vorfall mit Liam und seinem Vater.
Die Mutter habe sich jedoch geweigert, das Kind in ihre Obhut zu nehmen. Das Ministerium sagt, der dann festgenommene Vater habe zugestimmt, dass der Junge bei ihm bleiben kann. Während der Operation hätten sich die Beamten außerdem um den Jungen gekümmert.
Die einseitige Darstellung des ZDF wirft Fragen auf
In der Berichterstattung wurde nur eine Version der Erzählung wiedergegeben. Warum hat der Sender nicht auch die gänzlich anderslautende Darstellung des US-amerikanischen Ministeriums aufgegriffen? Man muss nicht erst im Pressekodex nachschlagen, um sicher zu sein, dass das definitiv zur journalistischen Sorgfaltspflicht gehört hätte.
Die Darstellung des Vorfalls durch das ZDF vermittelt dem Zuschauer nur diese eine Sicht: Es war von Beginn an das erklärte Ziel der US-amerikanischen Behörde, den kleinen Jungen ebenfalls zu verhaften und in ein Abschiebezentrum zu stecken. Doch war es wirklich so? In Anbetracht der Tatsache, dass die Darstellung des Ministeriums aktuell bekannt ist und allerorten diskutiert wird, kann man nur zu einem Schluss kommen: Das ZDF hat den Jungen bewusst instrumentalisiert.
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