Iran-Propaganda in der ARD? Angebliche Lehrer-Wohnung ist Proberaum einer Rocker-Band!
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Die Tagesschau hat am Ostermontag in der Hauptnachrichtensendung um 20 Uhr einen fragwürdigen Beitrag aus dem Iran gesendet, der in gekürzter und veränderter Form am Dienstagmorgen im Morgenmagazin Moma lief. Beide Versionen warfen Fragen auf, die der Sender jetzt teilweise beantwortete. Die Ungereimtheiten bleiben jedoch bestehen.
Wegen mehrerer irritierender Auffälligkeiten werfen Social-Media-Nutzer der ARD vor, dass sie sich einen vom iranischen Regime fabrizierten Filmbeitrag hat andrehen lassen. Der Beitrag soll eine Lehrerin mit dem Namen Sepideh zeigen, die 45 Jahre alt sein soll. Sie wohne in einer kleinen Kellerwohnung, heißt es in dem Beitrag. Auffällig ist jedoch, dass die „kleine Kellerwohnung“, die eher spartanisch eingerichtet ist, mit einer schweren und modernen Hochsicherheitstür (Hersteller: Alem ECO, Kosten: ca. 300 Euro, im Iran drei Monatsgehälter) ausgestattet ist. Die Tür hat mehrere moderne Schlösser und Bolzen. Die Vermutungen gehen dahin, dass die Tür ein Hinweis darauf sein könnte, dass es sich bei der Wohnung eben nicht um eine „kleine Kellerwohnung“ bzw. Souterrainwohnung einer einfachen Lehrerin handelt, sondern vielmehr um ein „Safe House“ des iranischen Geheimdienstes.
Wohnung stammt aus dem Rocker-Milieu

Die Wohnung taucht auch auf dem Instagram-Account der Trash-Metal-Band „5grs“ auf. Sie scheint also nicht nur von der Lehrerin genutzt zu werden.
Die Verbindungen der Frau zu der Band reichen zurück bis ins Jahr 2019, wie Tichys Einblick berichtet. Damals nahm die Protagonistin an einem Treffen mit iranischen Musikern teil. Überraschend: Zu diesem Zeitpunkt trägt sie auf Social-Media-Fotos ein Kopftuch. Die anderen Frauen auf den Fotos verzichteten hingegen auf eine Haarbedeckung.
ARD: Frau sorgfältig überprüft
Dem trat die ARD auf Anfrage von NIUS mit der Antwort entgegen, man habe in der Privatwohnung der Frau gedreht, deren Biografie und ihre Lebensumstände dem Team des ARD-Büros Teheran seit Langem bekannt und sorgfältig nach allen journalistischen Standards überprüft“ worden seien.

In einem ARD-Filmbeitrag erzählt die Lehrerin Sepideh von der Lage in Teheran. Wer drehte das Video?
Irritationen hatte auch die Frage nach der Urheberschaft der Filmbeiträge ausgelöst. Der Beitrag am Montagabend wird der für das ARD-Studio in Istanbul tätigen Katharina Willinger zugeschrieben (sie bekam den 60. Grimme-Preis 2024 für die besondere journalistische Leistung, namentlich „für ihre Berichterstattung aus der Türkei und dem Iran“). In dem im Moma gezeigten Beitrag wird jedoch der Name Tereza Bora eingeblendet – die ebenfalls in Istanbul ansässig ist.
Willinger wird in der Tagesschau noch aus Istanbul zugeschaltet. Hierzu erklärte der Bayerische Rundfunk (BR), das Material stamme vom Team des ARD-Büros Teheran, das „mit wenigen, fest angestellten örtlichen Journalisten und Medienschaffenden“ zusammenarbeite. Die Kooperation sei „seit vielen Jahren vertrauensvoll“. Allerdings ist in dem Beitrag kein ARD-Mikrofon zu sehen, das sonst bei Interviews eigentlich immer im Bild ist.

Auf der rechten Seite ist eine schwere, hochmoderne Sicherheitstür verbaut.
Ohne Kopftuch auf Teherans Straßen: für Frauen lebensgefährlich
Auch die Tatsache, dass die 45-jährige Sepideh seelenruhig mit ihrem Hund Gassi geht – und zwar ohne Kopftuch –, wirkte auf viele Zuschauer irritierend. Für Frauen ist es lebensgefährlich, in der iranischen Hauptstadt Teheran ohne Kopftuch vor die Tür zu treten. Noch gefährlicher wird es freilich, wenn man sich dabei von einem Kamerateam begleiten lässt, was noch mehr Aufsehen erregt.

Ohne Kopftuch geht die 45-Jährige in Teheran Gassi.

Sepideh führt im Park ihren Hund aus.
Hinzu kommt: Gassigehen ist in mehreren Großstädten des Iran nicht erlaubt, in Teheran bereits seit mehreren Jahren. Würde eine Iranerin sich im Park barhäuptig und beim Ausführen ihres Hundes zeigen und filmen lassen? Angeblich ja. Der BR gegenüber NIUS: „Es konnten auch einige Handy-Aufnahmen in einem Park gemacht werden.“
Passend zu den Zweifeln: Die Iranerin spricht kritisch über die Angriffe der USA und Israels: „Ich sehe, wie die Zweifel größer werden. Viele glauben mittlerweile, dass für uns Menschen im Iran am Ende nichts Gutes herauskommen wird“, sagt sie auf Englisch.

Anders als in der Tagesschau zuvor wird Tereza Bora als Reporterin genannt.
Fokus auf zivile Verluste und die Unberechenbarkeit Donald Trumps
Tatsache ist, dass die Aussagen der Iranerin auffällig zu der vom Sender verbreiteten, äußerst kritischen bis ablehnenden Sicht auf den Iran-Krieg passen. Dem SRF sagte die ARD-Korrespondentin Katharina Willinger gerade, den Menschen im Iran schlage die Situation aufs Gemüt, viele könnten nicht aufs Land flüchten, aber auch nicht zu ihren Arbeitsstätten gelangen. Auch seien Menschen gegen das Regime, aber auch gegen die Bombardements: „Ich nehme doch eine immer größer werdende Sorge und Angst wahr vor dem, was da in den nächsten Tagen und Wochen noch auf sie zukommen könnte.“
Der Fokus auf zivile Verluste und die Unberechenbarkeit Donald Trumps prägen die Berichterstattung des Senders über den Iran-Krieg so stark, dass es hier schon sehr auffällig „passt“ – wohl auch deshalb vermuteten viele hinter dem Beitrag einen subtilen Propaganda-Take des Regimes, das die Klaviatur westlicher Kritiker geschickt zu bespielen weiß. Jedenfalls darf sich die Lehrerin Sepideh ausführlich über US-Präsident Donald Trump beschweren, der Drohungen gegen alle Iraner ausspreche und dies auf „sehr herablassende Weise“.

Wie konnte die Iranerin trotz gesperrten Internets Trumps Posts einsehen?
Irritierend ist auch, dass die uns als Lehrerin Sepideh vorgestellte Iranerin im Video Trump-Tweets bei X und seine Posts auf Truth Social auf ihrem Smartphone durchscrollt, obwohl das Internet im Iran seit Wochen down ist. Allerdings gibt es ein paar wenige Apps, die noch funktionieren – man kann damit nicht nach „außen“ kommunizieren, aber innerhalb des Irans. Darüber könnten die Journalisten die Trump-Beiträge an die Frau geschickt haben.
Mehr NIUS: Krieg im Iran: Warum die Hoffnung auf einen glückenden Regime Change nicht naiv ist
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