Ex-SPD-Vize Stegner: Russland kann man nicht schlagen
Der frühere SPD-Vizechef Ralf Stegner glaubt nicht an einen Sieg der Ukraine gegen Russland. Im Gespräch mit dem Interview-Portal „Schuler! Fragen, was ist“ sagte Stegner: „Den Glauben, man könne militärisch die größte Atommacht der Welt schlagen, den teile ich nicht. Ich bin kein Pazifist, aber ich bin Kriegsgegner. Deshalb glaube ich, dass eine Aufgabe darin besteht, dass dieser Krieg beendet wird, ohne dass Russland seine Ziele erreicht.“
Er trage die Politik der „Zeitenwende“ mit sagte Stegner, wolle aber nicht in „militärischer Logik“ denken. „Ich bin kein Militärexperte – davon haben wir ja hunderttausende mittlerweile in Deutschland, wie Fußballtrainer und Epidemiologen – aber ich nehme zur Kenntnis, dass auch amerikanische Militärs sagen, dass die Ukraine diesen Krieg militärisch nicht gewinnen kann, solange sich die Nato nicht beteiligt.“
„Ein Kriegsgegner, der das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung respektiert“
Den vom früheren Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, ins Gespräch gebrachten Begriff der „Kriegswirtschaft“ lehne er ab, sagte Stegner: „Der Begriff ,Kriegswirtschaft‘ ist in Deutschland zuletzt benutzt worden in der Nazi-Zeit. Ich halte davon überhaupt nichts, die Sprache zu militarisieren. Ich übrigens auch nichts davon, die Sprache zu infantilisieren: ,free the leopards‘ – als ob das irgendwelche Zootiere wären. Wir reden über tödliche Waffen. Krieg lässt sich nicht bagatellisieren. Diejenigen, die immer wieder sagen: Da werden Werte verteidigt, die muss man manchmal fragen, wo verteidigst du die Werte denn? In deinem Wohnzimmer? Vor dem Mikrofon? (…) Es gibt auch keine schönen Kriege. Es sind immer Kriegsverbrechen dabei. Es geht immer auch gegen zivile Ziele.“
Er sei „ein Kriegsgegner, der das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung respektiert“, so Stegner. Auch von der offensiven Rhetorik einiger Ampel-Politiker halte er nichts. „Ich habe das Gefühl, dass der Putin und vielleicht auch der chinesische Präsident gar nicht jedes Interview von Frau Strack-Zimmermann lesen oder sich darum besonders kümmern. Sondern dass die vielleicht durch andere Dinge zu beeinflussen sind, als durch stramme Reden.“
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