„Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen“: Merz beschwert sich über Kritik auf Social Media
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist überzeugt: Bislang hatte es noch kein Kanzler so schwer wie er.
Dem Spiegel sagte Merz: „Schröder hatte mit hartem Widerstand zu kämpfen, aber er wurde nicht so angefeindet, wie ich angefeindet werde. Ich bin nur gelegentlich auf Social Media unterwegs. Aber wenn Sie mal schauen, was dort über mich verbreitet wird, wie ich da angegriffen und herabgewürdigt werde – kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen. Ich beschwere mich nicht darüber, aber so ist es.“

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): Merz ist überzeugt, dass er selbst deutlich härter angegangen wird als der ehemalige Kanzler.
Merz, der starke Sympathien für die Regulierung von Social Media für Jugendliche hegt, ordnete seinen Unmut ein: Dass auch Scholz einiges wegstecken musste, sei zwar richtig. Allerdings sieht Merz hier einen fundamentalen Unterschied: „Scholz hat versucht, der Bevölkerung zu sagen, dass alles schon nicht so schlimm wird, wenn man ihn wählt. Er hat ja immer gesagt, er wolle die Sicherheitspolitik nicht gegen die Sozialpolitik ausspielen.“ Das könne seine Regierung sich aber nicht mehr leisten, man müsse Prioritäten setzen.
Mit seiner eigenen Arbeit ist Merz nach eigener Aussage zufrieden: Obwohl „unsere Demokratie“ manchmal „zähflüssig“ sei, so Merz, habe man „in dem einen Jahr schon einiges hinbekommen“.
Brisant: Merz selbst weiß nicht, ob seine eigene Regierung noch hält. „Ich habe mich entschieden, das Land mit genau dieser Koalition wieder auf Kurs zu bringen. Und ich will das weiter im Konsens versuchen. Ob das am Ende des Tages wirklich gelingt, weiß ich heute noch nicht. Aber meine Zuversicht, dass es gelingen kann, ist ungebrochen“, so der Kanzler.

Am Carolus-Magnus-Gymnasium in Marsberg diskutierte Merz kürzlich mit 450 Schülerinnen und Schülern über Europa.
„Ich bin nicht sicher, ob sie mit der Empörung recht haben“
Auf die Frage, ob er sich manchmal die Zeiten zurückwünsche, in denen man ein Steuerkonzept auf einen Bierdeckel geschrieben habe, antwortet Merz: „Das waren schöne Zeiten!“
Die Empörung der Arbeitgeber über die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze für Sozialversicherungsbeiträge auf rund 6.112,50 Euro kommentiert Merz mit: „Ich bin nicht sicher, ob sie mit der Empörung recht haben. Wir entlasten die Arbeitgeber an anderer Stelle erheblich. Hätten wir diese Reform nicht gemacht, wären die Beitragssätze um zwei Prozentpunkte gestiegen. Das wäre eine Belastung von 40 Milliarden Euro auf den Faktor Arbeit gewesen.“
Fakt ist: In Deutschland ist auch die Belastung von Arbeitnehmern im Jahr 2025 gestiegen – und zwar stärker als in den meisten anderen Industrieländern. Ausgerechnet unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) klettert die Abgabenlast damit weiter nach oben.
Dazu, dass der Krankenstand der Arbeitnehmer in Deutschland zu den höchsten in ganz Europa gehört, stellt Merz die Gegenfrage: „Sind wir wirklich ein so krankes Volk, dass wir einen der höchsten Krankenstände in Europa haben müssen? Wir müssen die Gründe dafür finden und Anreize schaffen, damit die Zahlen runtergehen.“ Unbezahlte Karenztage möchte er aber dennoch nicht einführen.

Arbeitnehmer in Deutschland lassen sich häufig krankschreiben.
Einen Seitenhieb gegen den Koalitionspartner konnte sich Merz nicht verkneifen. Auf die Frage, wie es sich auf die Regierungsarbeit auswirke, dass die SPD gerade um ihr politisches Überleben kämpfe, sagte Merz: „Zumindest sind die Umfragen für die SPD nicht so, dass sie ruhig schlafen kann.“
„Viele wollen ihren Besitzstand wahren“
Als der Spiegel fragt: „Sie wirken ein bisschen unzufrieden mit Ihrem Volk, oder?“, antwortet Merz: „Ich bin unzufrieden mit der Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Wie soll ich das ausdrücken, ohne dass es sofort wieder uminterpretiert wird?“
Man müsse sich auf einen Umbruch einstellen, das sei aber noch nicht gelungen, „weil viele ihren Besitzstand wahren wollen und sich gegen jede Veränderung wehren.“ Als der Spiegel fragt: „Ist es sehr speziell, Bundeskanzler in Zeiten von Trump II zu sein?“, antwortet Merz: „Das kann man so sagen.“
Er habe Donald Trump gesagt, warum er den Irankrieg für falsch halte. „Ich versuche trotzdem, mit dem amerikanischen Präsidenten ein gutes persönliches Verhältnis aufrechtzuerhalten. Bis jetzt gelingt das auch“, so Merz. Trump hatte Friedrich Merz zuletzt scharf für dessen Aussagen zur US-Strategie im Iran kritisiert.
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