Climate-Trouble: „Sie steckten mich in einen fensterlosen Raum“ – wie ein kritischer Professor aus seiner Universität gemobbt wurde
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Der Umweltforscher Prof. Roger Pielke gehörte um die Jahrtausendwende herum einem wissenschaftlichen Gremium an, das die damalige Bush-Regierung zum Klimawandel beriet. Auch die Berichte des Weltklimarats IPCC zitierten ausgiebig aus seiner Forschung, die auf das Thema Wetterextreme spezialisiert ist. Ihm war wichtig, immer bei den Fakten zu bleiben, statt politisch genehme Erzählungen durch Dramatisierungen zu fördern. Das brachte ihm viel Ärger ein.
Unter der Obama-Regierung geriet der Professor ins Visier des Weißen Hauses; dann wurden Gerüchte gestreut, das fossile Energie-Unternehmen ExxonMobil habe ihn bezahlt. Nichts davon erwies sich als wahr. Doch seine Universität stellte sich nicht hinter ihn, sie mobbte ihn vielmehr aus dem Betrieb. Gegenüber NIUS erzählt er seine Geschichte.
Die Abstellkammer
Zwischenzeitlich wurde Pielke ein fensterloser Raum als Arbeitsplatz zugewiesen. Der war so klein, dass er ihn als „Abstellkammer“ bezeichnet. Es war buchstäblich „eine Abstellkammer als Büro – ein winziger Raum ohne Fenster“, so Pielke. Dabei war er der dienstälteste Professor seines Fachbereichs und verfügte, wie er selbst sagt, „bescheiden formuliert wahrscheinlich über die stärkste Forschungs- und Publikationsbilanz“.
Pielke kann das mit Fug und Recht sagen. Als er Ende 2024 aus dem Universitätsleben ausschied, blickte er auf mehr als zwei Jahrzehnte Forschung und Lehre an der University of Colorado zurück. Von 2001 bis Ende 2024 war er dort Professor. Zuvor arbeitete er von 1993 bis 2001 als Wissenschaftler am National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder.
Seine Studien flossen maßgeblich in die IPCC-Berichte ein und stützten einschlägige Themenabschnitte. Laut Pielke seien seine Arbeiten daher immer „IPCC-konform“ gewesen. Wie nur konnte es also passieren, dass er schließlich in einem Raum ohne Fenster landete?
Der Kongress
Dazu muss man ins Jahr 2013 zurückgehen. Pielke sagte damals, wie etwa einmal pro Jahr, vor dem amerikanischen Kongress aus. Die Anhörung drehte sich um den 2012 veröffentlichten IPCC-Bericht. Im Wesentlichen fasste er den damaligen Stand des Weltklimarats zusammen: „zunehmende Hitzewellen, zunehmende Starkniederschläge, aber nur wenig Evidenz für Trends bei anderen Formen extremer Wetterereignisse“.
Es sind diese Faktentreue und dieser Unwille, über das Klima in einer Weise zu reden, die die Realität zugunsten politischer Erzählungen überdramatisiert, die ihm Ärger einbrachten.

Roger Pielke Jr. vor dem amerikanischen Kongress
Sein fünfminütiges Eingangsstatement ging später auf YouTube viral und wurde innerhalb kurzer Zeit rund 400.000-mal angesehen. Einige Wochen später sagte John Holdren, der Wissenschaftsberater von Präsident Obama, vor demselben Ausschuss aus. „Er machte Aussagen, die weit über das hinausgingen, was der IPCC tatsächlich behauptet hatte, und geriet dafür unter Druck“, so Pielke.
Offenbar war Holdren über die Vorwürfe so sehr verärgert, dass er ein sechs Seiten langes Schreiben über Pielke auf der Website des Weißen Hauses veröffentlichte. „Das wiederum erregte die Aufmerksamkeit eines Kongressabgeordneten, der mir vorwarf, heimlich Geld von Exxon zu erhalten und dafür meine Ansichten über Extremwetter zu vertreten. Meine Universität leitete eine Untersuchung gegen mich ein. Natürlich gab es nichts zu finden, und folglich wurde auch nichts gefunden.“
Pielke ist überzeugt, dass es letztlich darum ging, ihn öffentlich zu diskreditieren und seinen Ruf in Medien wie der New York Times oder dem Wissenschaftsmagazin Science zu beschädigen.

Der frühere US-Präsident Barack Obama mit John P. Holdren, dem wissenschafts- und technologiepolitischen Berater Obamas
Das Footballstadion
Das gelang mit traurigem Erfolg. Seine Universität stellte sich nicht hinter ihn, sondern begann vielmehr, ihn zu schikanieren. Es blieb nämlich nicht bei dem fensterlosen Raum. Kurz vor den Corona-Jahren stellte ein Universitätsmitarbeiter 16 Kisten in sein ohnehin winziges Büro. Erst drei Monate später fand Pielke heraus, dass sie obendrein leer waren. „Sie machten mein Büro unbenutzbar“, erinnert sich der Professor.
Schließlich wurde er ganz aus seinem Fachbereich entfernt. „Ich wurde aus meinem Department herausgenommen und in ein Büro im Footballstadion versetzt – ein dunkles Büro, weit weg von allen anderen“, erzählt Pielke. Die Folgen beschreibt er drastisch: „Ich hatte keine Lehrveranstaltungen mehr, gehörte keinem Fachbereich mehr an, hatte keine Unterstützung und keine Möglichkeit mehr, Studenten zu betreuen.“
Ausgerechnet er. Der Mann, dessen Forschung der Weltklimarat in seinen Berichten heranzog und der über Jahrzehnte zu den renommiertesten Wissenschaftlern seines Fachs gehörte, saß nun isoliert in einem Büro im Footballstadion. Die Universität hatte ihm immer wieder versichert, die Maßnahmen seien nur „vorübergehend“. „Doch es passierte letztlich nie etwas.“ Damit war für Pielke endgültig klar, dass er an seiner Universität nicht mehr erwünscht war.
Akademische Freiheit
Am Ende zog er selbst die Konsequenz und kehrte der Universität den Rücken. Seit 2025 arbeitet Pielke nun als Senior Fellow am American Enterprise Institute (AEI), einer Denkfabrik in Washington.
„Ich habe dort mehr wissenschaftliche Freiheit als in den letzten zehn Jahren an meiner Universität.“ Das sei einerseits wunderbar, doch andererseits, so Pielke, „ist es auch ein trauriges Zeichen für den Zustand der Wissenschaft, wie ich ihn erlebt habe.“
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