Nach Umfrage-Schock in Sachsen-Anhalt: CDU-Haseloff sucht Trost in queerem Geborgenheitstanz – doch die 12 Prozent Abstand zur AfD bleiben
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Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, hat als Politiker schon fast alles erlebt: desaströse Wahlabende, Koalitionskrisen, das Auf und Ab der CDU. Dass er sich eines Tages mit einem orangen „Geborgenheitshandschuh“ 12 Prozent Abstand (nach oben!) zur AfD von der Seele streicheln muss – damit hat aber vermutlich auch er nicht gerechnet.
Doch genau das ist passiert. Am Donnerstag, dem Tag der Katastrophen-Zahlen (bei der nächsten Landtagswahl käme die CDU auf 27, die AfD auf 39 Prozent), stand für Landesvater Haseloff der Festakt „100 Jahre Bauhaus Dessau“ auf dem Programm. Für den Politiker eigentlich ein reiner Repräsentier-Termin, kurze Rede, freundlich gucken, Händeschütteln. Und im Hinterkopf hämmerte vermutlich immerzu diese verdammte Umfrage.
Dey-Pronomen-Künstler organisierte Geborgenheitstanz
Haseloff saß neben anderen Festgästen in der ersten Reihe, als im Rahmen des Bühnenprogramms überraschend zum „Geborgenheitstanz“ gebeten wurde – angelehnt an die „Materialtänze“ von Bauhaus-Meister Oskar Schlemmer. Künstler Mike Dele Dittrich Frydetzki, laut Internet eine queere Transperson mit Dey-Pronomen und viel Liebe für den Sozialismus, hat die bekannten Bauhaus-Experimente zu einer deepen Gruppen-Performance umgebaut (fragen Sie jetzt bitte nicht, warum und wie genau, aber gut möglich, dass Steuergeld im Spiel war). Zum gemeinsamen LOSLASSEN, zum WEICH WERDEN vielleicht, auf jeden Fall zwecks kollektiver Entspannung.
Man streichelte sich zärtlich über die Wange
Flugs wurden orange Geborgenheitshandschuhe durch die Reihen verteilt, CDU-Urgestein Haseloff blieb keine Zeit zur Flucht, nicht mal zum Nachdenken. Alle mussten mitmachen.

Der Tanz mit dem Geborgenheitshandschuh: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (Dritter von links) machte tapfer mit.

Einfach mal kurz die Augen schließen und die AfD vergessen.
Und so streichelte sich einige Augenblicke später auch der Ministerpräsident mit seinem Geborgenheitshandschuh zärtlich über die eigene Wange. Die Fotos davon sind wirklich sehr lustig. Haseloff in typischer Politiker-Montur neben EU-Kommissarin Ekaterina Sachariewa und Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner, man neigt den Kopf und schließt verschämt die Augen, während der Geborgenheitshandschuh sanft das gestresste Antlitz berührt. Danke, Mike Dele Dittrich Frydetzki, für diese intensive Erfahrung – und die Bilder davon.
Spätestens als er die Augen öffnete, dürfte Reiner Haseloff wieder eingefallen sein, dass sich die 39 Prozent der AfD und der Absturz des eigenen Ladens nicht wegstreicheln, nicht wegmassieren, nicht weglächeln lassen. Vor wenigen Wochen hat der 71-Jährige seinen Rückzug im kommenden Jahr angekündigt. Bis dahin heißt es: Gesicht wahren. Oder das Geborgenheitshandtuch werfen.
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Simone Schamann
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