Schriftstellerin Monika Maron über deutsche Meldestellen: „Das ist ein infamer Aufruf zur Denunziation“
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Ein melancholischer Blick einer jungen Frau unter einem Sommerhut. „Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig“, lautet der Titel der Tagebücher (1980 bis 2021) von Monika Maron, die jetzt bei Hoffmann & Campe erschienen sind und auf eine faszinierende Weise einen Kreis schließen: Damals konnte ihr Roman „Flugasche“ in der DDR nicht erscheinen, 2020 setzte sie der S. Fischer Verlag wegen politischer Missliebigkeit vor die Tür. Über den ganz persönlichen Lebenskreis, den politischen und fast schon historischen Refrain, der in diesen Tagebüchern wiederkehrt, habe ich bei „Schuler! Fragen, was ist“ mit Monika Maron gesprochen.
Das ganze Interview mit Monika Maron sehen Sie hier:
„... da kann man ja nur zusammenzucken und an die Vergangenheit denken“
„Ganz grundsätzlich“ wolle sie die DDR nicht mit der Bundesrepublik vergleichen, sagt sie. „Aber natürlich gibt es immer so Momente, wo man denkt, das habe ich auf eine andere Art schon erlebt. Also das ist mir das erste Mal so gegangen, als der Fischer Verlag mich plötzlich aussortierte. Und ich dachte, solche Dinge habe ich nicht erwartet, dass ich nochmal in eine ähnliche Situation gerate wie mit ‚Flugasche‘. Und natürlich, wenn ich sowas höre wie die ,Meldestellen‘, da kann man ja nur zusammenzucken und an die Vergangenheit denken. Weil das ein so infamer Aufruf eigentlich zur Denunziation ist, und dann auch noch zur anonymen. Also ich glaube, da hat die Stasi es weniger an die Glocke gehängt.“
Während ich dieses öffentliche, gar nicht klammheimliche und in ideologischer Überzeugung wurzelnde Meldewesen in einer freiheitlichen Demokratie fast schon bedrohlicher finde, als die Repression in einer geschlossenen Diktatur, weist Monika Maron völlig zu Recht auf die Unterschiede hin. „Der Unterschied zur DDR ist eben, ich habe einen anderen Verlag gefunden. Und werde da sehr gut behandelt und die haben alle meine Bücher nochmal aufgelegt. Sowas wäre in der DDR natürlich nicht passiert.“

Es wisse doch jeder, dass das Sondervermögen Schuldenberge sind, sagt Monika Maron im Gespräch mit Ralf Schuler.
Bei der Lektüre der Tagebücher drängen sich allerdings immer wieder zeitliche Parallelen und Ähnlichkeiten auf. Anfang der achtziger Jahre litt die DDR unter einer anhaltenden Wirtschaftsflaute und konnte sich zumindest vorübergehend durch grandiose Schulden (Milliardenkredit an die DDR, 1983, von Franz Josef Strauß vermittelt) über Wasser halten. Der Meinungsdruck gegen Oppositionelle nahm zu, später gab es offene Aggression gegen einzelne Medien, wie etwa das „Sputnik“-Verbot. Und der engste Verbündete und „Große Bruder“ Sowjetunion ging einen Weg der Öffnung, den die damalige DDR-Führung nicht mitgehen wollte.
Dinge, die in den Tagebüchern nur am Rand vorkommen, sich für Zeitzeugen geradezu aufdrängen. Von Wirtschaft verstehe sie zu wenig, sagt Monika Maron im Gespräch, aber die offensichtliche Verlogenheit, die sich in den Politikbetrieb einschleicht, nimmt sie durchaus zur Kenntnis: „Diese Sondervermögen sind schon etwas Seltsames. Wo doch jeder weiß, dass es Schuldenberge sind.“
Das ganze Interview mit Monika Maron können Sie hier anschauen.
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