Ärzte-Chef Gassen kritisiert Sparauflagen: „Dann wird es einen zweiten Gesundheitsmarkt geben“
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Die ganz große Gesundheitsreform hatten Kanzler und Gesundheitsministerin versprochen. Herausgekommen ist etwas anderes. Das sagt einer, der es wissen muss. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und damit oberster Vertreter von mehr als 190.000 Ärzten und Psychotherapeuten, macht bei „Schuler! Fragen, was ist" aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Das ist natürlich nicht der große Wurf.“
Das ganze Interview mit Dr. Andreas Gassen sehen Sie hier:
Für Gassen ist die Reihenfolge der Maßnahmen schon verräterisch. Normalerweise komme die Strukturreform vor den Spargesetzen. Diesmal sei es umgekehrt. „Das zeigt eigentlich schon, dass es primär ums Sparen als um wirkliche Strukturreform geht.“ Gespart werde vor allem bei den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, einzelne Fachgruppen verlören bis zu 10 Prozent ihres Honorarumsatzes, ein „erheblicher Einschnitt“, wie Gassen einräumt.

Ärzte-Chef Dr. Andreas Gassen im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler.
Doch die eigentliche Sprengkraft steckt in dem, was daraus folgt. Wenn das Geld gedeckelt wird, zieht die KBV daraus eine einfache Konsequenz: „Wir können nur so viel Geld ausgeben, wie wir einnehmen. Das heißt für uns übersetzt: Wir dürfen auch nur so viel Leistung erbringen, wie Geld da ist.“ Die Vertragsärzte-Organisation will dazu ein Mengengerüst berechnen und den Praxen sehr genau vorgeben, wie viele Fälle sie überhaupt noch bearbeiten dürfen – so weit die GKV-Vergütung eben reicht.
Zweiter Gesundheitsmarkt
Und dann? „Ab diesem Punkt sollte diese Praxis keine GKV-Versicherten mehr versorgen“, so Gassen. Bleiben zwei Möglichkeiten: „Dann kann sie entweder zumachen oder sie kann beispielsweise eine Selbstzahlersprechstunde einführen.“ Es ist an dieser Stelle, dass Gassen den Satz sagt, der die ganze Reform in Frage stellt: „Dann wird es eben einen zweiten Gesundheitsmarkt an der Stelle geben.“
Für gesetzlich Versicherte hieße das: Wer über das Budget der Praxis hinaus behandelt werden will, zahlt selbst – oder wartet. Denn dass es künftig noch schwerer wird, überhaupt einen Facharzttermin zu bekommen, macht Gassen unmissverständlich klar: „Einfacher wird es nicht.“
Schrumpfe das Mengengerüst um 10 Prozent, werde es in einzelnen Facharztgruppen „sicherlich eher länger dauern“. Seine nüchterne Bilanz für die Patienten: „Da ist man entweder tot oder nicht mehr krank“, wenn man erst in einem halben oder dreiviertel Jahr an der Reihe ist.
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