Söder: Fracking – warum nicht auch bei uns?
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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung über den deutschen Atomausstieg und über das Fracking.
NIUS dokumentiert wichtige Passagen:
Wann er zuletzt Bauchgrummeln hatte
„Eine der schwierigsten Entscheidungen der letzten Jahre war im Rückblick die Frage zum Ausstieg aus der Kernenergie. Das ist 15 Jahre her. Damals fiel die Entscheidung unter dem Eindruck von Fukushima – sie war emotional, und wir hatten Ersatz zur Kernenergie: Gaskraft aus Russland. Sie steht jetzt nicht mehr zur Verfügung. Wir befinden uns in der zweiten Energiekrise innerhalb von fünf Jahren. Manchmal schaut man morgens auf sein Handy und denkt: Das gibt es ja nicht, was da in der Welt schon wieder los ist. Das Ziel ist, dass wir in dieser turbulenten Weltlage gut über die Runden kommen.“
Über das Verbrenner-Aus
„In der Findungsphase der Koalition haben wir zwei Punkte angesprochen, die damals nicht entscheidungsfähig waren. Erstens: das Aus vom Verbrenner-Aus. Das Verbrenner-Aus war das größte ökonomische Eigentor der jüngeren europäischen Geschichte. Das wurde am Wochenende revidiert. Wir haben jetzt eine klare deutsche Position für die Zukunft des Hightech-Verbrenners. Deutschland bezieht damit Stellung gegen eine ideologische Position der EU-Kommission. Natürlich gehört der Elektromobilität die Zukunft. Aber es wäre falsch, zu glauben, dass bis 2035 in ganz Europa alles elektrifiziert ist. Ohne moderne Verbrenner wird es zunächst nicht gehen. Der zweite Punkt war die Kerntechnologie. Auch hier gibt es nun ein klares Bekenntnis zur Kernfusion. Das ist eine Chance für die Zukunft. In Bayern haben wir das Go bekommen, um erste Fusions-Reaktoren mit Industriepartnern zu bauen. Ich arbeite hart daran, solche Themen immer wieder aufzurufen.“
Fracking – warum denn nicht?
„In anderen Teilen der Welt werden neue, smarte, kleine Reaktoren erforscht. Es ist schlimm, wenn man in Deutschland darüber gar nicht mehr nachdenken darf. Die gegenwärtigen Energiekrisen zwingen uns doch dazu, unsere Positionen zu hinterfragen. Dasselbe beim Gas: Wir haben in Deutschland Gasvorkommen für 30 Jahre, aber wir wollen sie nicht nutzen, weil es mit der Fracking-Technologie verbunden sein könnte. Natürlich müssen Bedenken gesehen werden, aber genauso auch die Chancen. In Ländern wie den USA funktioniert Fracking – warum nicht auch bei uns? Wenn Probleme von außen an uns herangetragen werden, kann nicht unsere einzige Handlungsoption ein Schulterzucken sein. Wir kaufen bislang teures Fracking-Gas aus den USA, aber wollen die Technologie selbst nicht nutzen. Diese Zeit des Widerspruchs ist vorbei. Am Wochenende haben wir uns erstmals dazu bekannt, heimische Gasquellen zu erschließen. Der nächste Schritt wäre Fracking.“
Hintergründe zum Fracking
Was ist Fracking?
Fracking ist ein Förderverfahren für Erdgas und Erdöl aus tiefen Gesteinsschichten. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst, um das Gestein aufzubrechen und die Rohstoffe freizusetzen.
Wird Fracking in Deutschland eingesetzt?
Konventionelles Fracking in bestimmten Sandsteinlagerstätten ist in Deutschland nicht generell verboten, aber streng reguliert und nur unter engen Auflagen ertlaubt. Unkonventionelles Fracking zur kommerziellen Förderung von Erdgas aus Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein ist in Deutschland verboten beziehungsweise bis auf weiteres nicht zulässig. Es gibt nur eine enge Ausnahme für bis zu vier wissenschaftliche Probebohrungen, die bisher nicht umgesetzt wurden.
Wo wird Fracking eingesetzt?
Vor allem in den USA, außerdem in Kanada, Argentinien und China. In Europa ist die Nutzung stark begrenzt.
Was sind Vorteile und Nachteile von Fracking?
Vorteile sind mehr Energieunabhängigkeit und zusätzliche Gasvorkommen. Mögliche Nachteile können Grundwasserrisiken, hoher Wasserverbrauch oder mögliche lokale Erdbewegungen sein.
Könnte Fracking ein Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland sein?
Fracking kann zur Ernergieversorgung in Deutschland beitragen, aber eher begrenzt. Hiesige Vorkommen sind kleiner und schwerer zu fördern als etwa in den USA, die Kosten wären hoch.
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