20.000 Euro Steuergeld für bizarres Computerspiel: Als vierarmiger Oktopus sollen Schüler lernen, wie man Social-Media-Posts zensiert
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Die Bundesregierung hat im Rahmen der „politischen Bildung“ ein Computerspiel entwickeln lassen, bei dem Schüler Internet-Kommentare über den Klimawandel im fiktiven sozialen Netzwerk „Cuddlefish“ löschen sollen. 20.000 Euro Steuergeld flossen über die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in die Entwicklung des Spiels. Laut der bpb eignet sich das Spiel „besonders für den Einsatz in der Schule“.
In der Projektbeschreibung zur Förderung heißt es: „Aufgrund der rasanten Geschwindigkeit der Beiträge – von seriösen Beiträgen bis hin zu hate speech – werden im übertragenen Sinn wie bei einem Tintenfisch vier Arme benötigt, um eine pluralistische Kommunikation zu gewährleisten.“ Auf der Website bewirbt die bpb das Spiel mit den Worten: „Tolerieren oder löschen? Hier habt ihr die Wahl!“

Kommentare, die zum Löschen angeboten werden.

Mit einem Klick können die Kommentare gelöscht werden.
Wer die richtigen Kommentare löscht, wird belohnt
Den Schülern wird dabei keineswegs beigebracht, strafrechtlich relevante Aussagen zu erkennen. Vielmehr sollen sie „unangemessene Kommentare“ löschen – und dabei „das Wachstum deines Netzwerks, gute Presse und faire Kommunikation unter einen Hut“ bringen. Wenn die Nutzer nicht genügend unliebsame Kommentare löschen, bekommen sie schlechte Presse und gefährden ihr Netzwerk: „Pass auf: Wenn du beliebte Kommentare löschst oder sich die Fronten verhärten, verlassen User/-innen die Cuddlefish-Plattform.“
Dafür werden fiktive Presseberichte eingeblendet: „Cuddlefish mutiert zur Feuerqualle. Viele User empfinden aktuelle Nachrichten über globale Erwärmung als ‚Panikmache‘. Einige äußern sich sogar aggressiv gegen Klima-Aktivisten und -Forscher.“

Werden die Anhänger der Klimapolitik zum Schweigen gebracht, wittert das Spiel eine „klimafeindliche Agenda“: „Selbst aggressive Kommentare gegen Klimaschützer werden auf Cuddlefish offenbar nicht gelöscht – die der Gegenseite schon!“ Löscht der Spieler hingegen Kommentare, in denen Zweifel am Klimawandel oder der Klimapolitik geäußert werden, lobt das Spiel: „Zufluchtsort für Weltverbesserer. Klimaschützer organisieren über Cuddlefish eine Demo zu Emissionssenkungen.“
Auf NIUS-Nachfrage teilte die Bundeszentrale für politische Bildung mit: „Für die Entwicklung des Spiels sind im Jahr 2017 Mittel in Höhe von 10.560,50 Euro verausgabt worden. Für die Weiterentwicklung des Spiels, unter anderem notwendige technische Anpassungen, wurden in den Folgejahren 8.216 Euro (2020) und 1.904 Euro (2023) aufgewendet. 2025 sind 96 Euro für das Hosting des Browserspiels angefallen.“ Auch 2026 und 2027 sollen jeweils knapp 100 Euro für das Hosting ausgegeben werden.

Daten zu Nutzungszahlen liegen laut Bundesregierung nicht vor, wie sie in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion erklärte. Die AfD hatte sich nach den Förderungen der bpb seit 2020 erkundigt.
Zuvor hatte NIUS berichtet, dass die bpb ein Würmer-Parlament in Berlin mit rund 110.000 Euro fördert. Der geförderte Verein Organismendemokratie hat in Berlin-Gesundbrunnen ein „Staatsgebiet“ ausgerufen, in dem die Mitglieder sich als Viren, Weichtiere oder Gliederfüßer ausgeben und in einem Tier-Parlament die Interessen ihrer Spezies vertreten.
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