Islam-Experte zum ISIS-Finger: „Rüdiger dürfte sich der Problematik bewusst sein“
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Am Samstag zeigte Antonio Rüdiger als Abwehrchef der Nationalmannschaft gegen Frankreich eine Spitzenleistung – zwei Wochen zuvor zeigte er der Welt eine Geste, die für Angst und Schrecken steht.
Der Profi von Real Madrid inszenierte sich zu Ramadan-Beginn ganz in Weiß auf einem Gebetsteppich, wünschte allen Muslimen, dass „der Allmächtige unser Fasten und unsere Gebete annehme“ – und zeigte dabei den ausgestreckten Zeigefinger. Rüdiger macht den ISIS-Gruß!
Der Publizist und Islam-Experte Kacem El Ghazzali kommentiert die Geste in einem längeren Twitter-Post wie folgt: Der ausgestreckte Zeigefinger sei ursprünglich ein Symbol für den Monotheismus gewesen, den Muslime beispielsweise bei ihrem Glaubensbekenntnis zeigen. Aber: Vor dem Aufstieg des IS wurde die Geste selten bis gar nicht öffentlich präsentiert. „Eine Online-Suche nach alten Aufnahmen muslimischer Gläubiger ergab kein vergleichbares Foto, auf dem die Geste derart demonstrativ in die Kamera gezeigt wird. Es liegt nahe, dass der IS die Zeigefinger-Geste als Erkennungssymbol direkt von al-Qaida und dem Vorbild Osama bin Ladens übernommen hat.“
El Ghazzali, der unter anderem für die FAZ, NZZ und Le Monde publiziert, schreibt zum Fall Rüdiger: „Der erhobene Zeigefinger wird nun häufig mit dem islamistischen Extremismus assoziiert. Wer die Geste heute in der Öffentlichkeit zeigt, muss sich bewusst sein, dass sie von vielen als Symbol des Islamismus wahrgenommen wird.“ Er warnt gleichzeitig davor, jeden Muslim unter Generalverdacht zu stellen, der den Finger zeigt.
Mit Blick auf den Nationalspieler notiert er: „In Bezug auf Antonio Rüdiger glaube ich, dass er sich der Problematik und Kontroverse rund um die Geste bewusst sein dürfte. Als öffentliche Person und Profifußballer der deutschen Mannschaft steht er in der Verantwortung, seine Botschaften und Symbolik sorgfältig zu wählen. Es gibt andere Möglichkeiten, seine Religiosität auszudrücken, ohne auf ein Symbol zurückzugreifen, das so stark von Terroristen vereinnahmt wurde.“

Samstag in Lyon: Abwehrchef Rüdiger beim 2:0-Sieg der Nationalmannschaft
WAS IST DER ISLAMISTEN-GRUSS? Der bayrische Verfassungsschutz schreibt dazu in seiner Broschüre „Islamismus erkennen“ folgendes: „Der ausgestreckte, nach oben weisende Zeigefinger steht im Islam für das Prinzip des ,Tauhid‘, die Lehre von der ,Ein(s)heit und Einzigartigkeit Gottes‘. Salafistinnen und Salafisten leiten daraus u.a. ab, dass Gott der alleinige Souverän und die Scharia das von ihm offenbarte und somit einzig legitime Gesetz sei. Demokratische, säkulare Staatsformen lehnen Salafistinnen und Salafisten folglich als menschengemacht und unislamisch ab.“
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