Kraft tanken, Herr Klopp, und dann: Bundestrainer, Bundeskanzler, Bundesvorangeher!
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„The Normal One“ kann nicht mehr. Jürgen Klopp hört auf beim FC Liverpool. Der Akku, der nie leer werden konnte, ist plötzlich leer. Wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren, mag Sie das nicht berühren – aber wenn Sie sich für die größten Deutschen unserer Zeit interessieren, sollten Sie an dieser Stelle aufmerken.
Denn Jürgen Klopp ist einer der letzten seiner Art: Weltklasse, Made in Germany. Als Fußballer limitiert, hat er es mit purer Willenskraft nach ganz oben geschafft. „Ich hatte das Talent für die Landesliga und den Kopf für die Bundesliga. Herausgekommen ist die zweite Liga“, sagte Kloppo vor Jahren einmal. Heute ist er der beste Fußballtrainer der Welt.
Der Mann strahlt aus, was unserem Land gerade so fehlt: Die Gier, einfach besser sein zu wollen als der Rest. Der Glaube daran, aus eigener Kraft alles erreichen zu können. Das Selbstverständnis, für den Erfolg wirklich alles persönlich zu nehmen – und in Momenten der Niederlage nicht eher zu ruhen, bis jeder Fehler gefunden und analysiert wurde. Das Ganze immer mit einem Lächeln, für das viele Mütter ihren Schwiegersohn austauschen würden.

Jürgen Klopp mit der Meisterschale, 2012
Klopp wurde mit seiner Willenskraft noch viel größer, als er es sich vorstellen konnte. Aus dem Karnevals-Verein 1. FSV Mainz formte er eine respektierte Bundesliga-Truppe. In Dortmund küsste er eine ganze Generation von Fans und Fußballern mit seinem Überfall-Pressing wach, wurde sensationell Deutscher Meister und Pokalsieger. Der Klopp-BVB ist immer noch die letzte Meister-Mannschaft, die NICHT aus München kommt – das war 2012. Seither ist die Schale in Bayern-Hand. In Liverpool erweckte er eine Legende wieder zum Leben und feierte an der Anfield Road den Champions-League-Sieg und die Meisterschaft.
Sternzeichen: Duracell
Wenn Klopp seine Mannschaft aus der Kabine auf den Rasen schickt, ist eine Truppe von Multimillionären bereit, um ihr Leben zu rennen. Wie so vieles, was man über Klopp sagen kann, hat er es selbst am besten auf den Punkt gebracht: „Wenn man meine Motivation in Flaschen abfüllt, dann kommt man dafür in den Knast, wenn man das verkauft.“
Ein Motivations-Monster, Sternzeichen Duracell. Das kostet Kraft. Viel Kraft. „Ich habe keine Energie mehr. Es geht mir gut, aber ich kann diesen Job nicht immer und immer weiter machen“, sagte Klopp am Freitag in seiner Abschieds-Ankündigung.

Klopp nach dem Sieg im Championsleague-Finale
Ich sage ganz ehrlich: Hoffentlich findet Klopp seine magische Energie bald wieder. Zum einen für sich selbst. Zum anderen für seine Heimat. Er könnte in Deutschland jeden Job machen. Bundestrainer. Bundeskanzler. Bundesvorangeher.
2004, also weit vor seiner Welt-Karriere, hat Klopp der TAZ einmal gesagt, er sei „linker als die Mitte“, also „eindeutig“ links. Und weiter: „Mein politisches Verständnis ist: Wenn es mir gut geht, soll es den anderen auch gut gehen.“ Was für ein wunderbarer Satz, was für ein wunderbarer Blick auf die Gesellschaft. In einer Zeit, in der viel über Links und Rechts gestritten wird, eine echte Formel des Zusammenhalts.
In Deutschland herrscht eine dauerhafte November-Stimmung. Jürgen Klopp hat die Kraft, die Magie, die Gabe, Menschen zu begeistern und mitzureißen. Nicht nur auf dem Fußballplatz. Bitte, lieber Jürgen Klopp: Tanken Sie viel Kraft – und dann kommen Sie wieder nach Hause!
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Willi Haentjes
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