RB Leipzig cancelt 12 Tickets für AfD-Chef Chrupalla für Spitzenspiel gegen FC Bayern München
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Jan A. KaronDer Fußball-Bundesligist RB Leipzig hat kurz vor dem Spitzenspiel gegen den FC Bayern München am kommenden Samstag nach Informationen von NIUS zwölf VIP-Tickets storniert, die für den AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla und eine Gruppe von Geschäftsfreunden aus Sachsen bestimmt waren. Chrupalla sieht in dem Vorgang ein Beispiel für politisch motivierten Ausschluss. Der Verein spricht von einem „widersprüchlichen und inhaltlich offenkundig falschen Sachverhalt“.

Tino Chrupalla wurde in Krauschwitz geboren, er kandidierte später im Wahlkreis Görlitz.
Am 7. Januar 2026 buchte daraufhin ein Vermittler, den Chrupalla kennt und der in der Fußballszene vernetzt ist, zwölf VIP-Karten für eine Loge im Rang 117 beim besagten Heimspiel gegen Bayern München, das am morgigen Samstag um 18:30 Uhr in der Red-Bull-Arena stattfinden wird. Die Karten, die insgesamt rund 4.000 Euro kosteten (Chrupalla bezahlte das Geschenk an den Geschäftsfreund und seine Partnerin; die übrigen Tickets wurden von den Teilnehmern selbst bezahlt), waren auf den Namen eines Vermittlers ausgestellt. Eine Rechnung liegt NIUS vor.
Am 12. Januar ging das Geld beim RB Leipzig ein und Chrupalla bekam die Tickets zugesandt, die er auf seinem Account in der Red-Bull-App am 13. Januar registrierte und speicherte – einschließlich der Namen aller Teilnehmer. Chrupalla, der als Schutzperson des Bundeskriminalamts (BKA) gilt, informierte zudem die Beamten über den baldigen Ausflug, woraufhin die Sicherheitskräfte die Stadionsicherheit von RB Leipzig kontaktierten, um die Begleitung zu organisieren.
Keine Stunde später wurden die Karten storniert. Screenshots von Tino Chrupallas Handy, die den Vorgang dokumentieren („Mobile Ticket gelöscht“), liegen NIUS vor. Als Grund nannte der Verein in einer E-Mail an den Vermittler eine „Überbuchung“, aber auch „Teilnahme Tino Chrupalla“. Diese technische Begründung erscheint zumindest fragwürdig, ist es in elektronischen Buchungssystemen doch eigentlich unmöglich, dass bezahlte Tickets plötzlich als überbucht gelten.

Absage aus dem Nichts: Nachdem Chrupalla bereits eingecheckt war, hieß es, die Karten seien wegen Überbuchung storniert.

Am Wochenende empfängt hier der RB Leipzig den FC Bayern München zum Spitzenspiel der Bundesliga.
Hat der Anruf des BKA den RB Leipzig in Panik versetzt?
Personen, die mit dem Vorgang betraut sind und mit denen NIUS sprechen konnte, halten folgende Erklärung für sinnvoller: Nachdem das RB-Ticketing und die Stadionsicherheit von Chrupallas Besuch mit elf weiteren Personen erfuhren, läuteten die Alarmglocken – unklar, ob in der Red-Bull-Zentrale in Salzburg oder in Leipzig, wo Tatjana Haenni seit dem 1. Januar die Geschäftsführung gemeinsam mit Johann Plenge (Business), Florian Hopp (Administration) und Marcel Schäfer (Sport) leitet. Weil bei den Verantwortlichen der Eindruck entstanden sein könnte, es handele sich bei Chrupalla und der großen Gefolgschaft womöglich um eine „AfD-Party“ – und man entsprechende Bilder aus Stadion und Loge verhindern wollte –, wurden die Tickets kurzerhand storniert.
Der geplante Ausflug Chrupallas wäre aber rein privater Natur gewesen; bei seiner Gefolgschaft handelt es sich um Freunde und nicht um Parteikollegen. Ebenfalls bemerkenswert: Das Geld soll zwar zurückerstattet werden, doch ein alternatives Angebot – wie eigentlich üblich bei Unannehmlichkeiten und wie per E-Mail angekündigt – blieb aus. Chrupalla als persona non grata beim RB Leipzig?
Der Vorwurf der Gesinnungsprüfung
Gegenüber NIUS schilderte Chrupalla die Stornierung als „hochnotpeinlich“ und als Reputationsverlust, den er seinen Freunden gegenüber erfahre. Diese gestandenen Unternehmer aus Sachsen verstünden die Welt nicht mehr. „Warum soll es uns unmöglich sein, ein Fußballspiel für teuer erstandene Tickets zu besuchen?“ In der „Überbuchung“ sieht Chrupalla Schutzbehauptungen. Vielmehr sieht sich Chrupalla wegen seiner Weltanschauung ausgeschlossen. Die Gruppe um ihn hatte bereits Hotels in Leipzig gebucht, die nun nicht mehr stornierbar seien.

Tatjana Haenni war einst im Frauenfußball aktiv – und arbeitet nun in der Geschäftsleitung des RB Leipzig.
Auch eine andere Person, die am Vorgang beteiligt war, kritisierte den Verein scharf: „Seit wann führt RB Leipzig eigentlich Gesinnungsprüfungen im Fußballstadion durch? Seid ihr jetzt ein politischer oder ein Fußballverein?“ Er betonte, dass Kartenverkäufe, speziell in VIP-Logen, über Vermittler einen normalen Prozess darstellten – und der Verein bei der Kartenausgabe nicht im Vorfeld screenen dürfe, wen ein Käufer einlade. Zudem sei Chrupalla nicht mit einem Stadionverbot oder schweren Vorstrafen belegt, die einen Ausschluss rechtfertigen würden. „Im ganzen Stadion wählt doch selbst die Hälfte AfD“, so der Mann, der anonym bleiben möchte, „deren Geld ist bei RB Leipzig gern gesehen.“
Der Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer (CDU), soll am Samstag nach Informationen von NIUS unterdessen im Stadion erwartet werden.
RB Leipzig widerspricht – bestätigt den Kernvorgang jedoch indirekt
Auf Anfrage von NIUS widersprach RB Leipzig der Darstellung pauschal, bestätigte den Kernvorgang jedoch indirekt. In der Antwortmail heißt es wörtlich: „Herr Tino Chrupalla hat noch nie Karten für ein Heimspiel von RB Leipzig käuflich erworben – weder für die Partie gegen den FC Bayern München noch in der Vergangenheit.“ Das mag noch formal richtig sein, denn Käufer war laut vorliegender Rechnung nicht Chrupalla, sondern der Spielerberater. Dass die Karten dennoch für Chrupalla bestimmt waren und sich bereits auf dessen Handy befanden, übergeht der Verein in seiner Einlassung komplett.
Stattdessen greift der Verein den AfD-Chef an: „Richtig ist, dass Herr Chrupalla uns gestern mit einem widersprüchlichen und inhaltlich offenkundig falschen Sachverhalt in Bezug auf das Spiel am Wochenende kontaktiert hat.“ Diesen habe man entsprechend eingeordnet. Um der Antwort Nachdruck zu verleihen, wies der Verein darauf hin: „Sie werden sicher Verständnis dafür haben, dass wir in dieser Angelegenheit vorsorglich unseren Medienanwalt in CC setzen.“
Auf seiner Internetseite präsentiert sich der RB Leipzig unterdessen als Vorreiter für Inklusion: Man halte Werte der Toleranz und Diversität hoch; die Herkunft, Hautfarbe, der Glaube oder die sexuelle Identität dürften im Verein keine Rolle spielen. Man positioniere sich klar gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Antisemitismus. „Bei uns ist jeder willkommen“, so die Website.
Wie sich nun zeigt, gilt dies offenbar nicht für alle.
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Jan A. Karon
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