Schweinsteiger: Deutschland fehlen „richtige deutsche Nationalspieler“
- Welmeister Bastian Schweinsteiger hat sich in einem Interview ungewöhnlich deutlich zu den Problemen der deutschen Nationalmannschaft geäußert.
- Mit Blick auf die anstehende Heim-EM beklagte der 38-Jährige einen Mangel an „richtigen deutschen Nationalspielern“.
- Die DFB-Elf kämpft seit Jahren gegen ihr schlechtes Image bei den Fans.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft steckt in der Krise. Auf das Ausscheiden bei der WM in Katar im vergangenen Dezember folgten zuletzt Niederlagen gegen Kolumbien und Polen. Auch gegen die Ukraine gab es gerade einmal ein Last-Minute-Unentschieden. Weltmeister Bastian Schweinsteiger sieht das Problem vor allem in der Mentalität der Spieler begründet.
Schweinsteiger vermisst "richtige deutsche Nationalspieler"
In einem Interview mit talkSport, das schon im Juli erschien, aber jetzt erst in den sozialen Medien hochkocht, äußert sich der 38-Jährige mit klaren Worten. Mit Blick auf die anstehende Heim-EM stellt der ehemalige Bayern-Spieler fest: „Jetzt ist die Zeit für Spieler, die die richtige Mentalität und Arbeitseinstellung haben, das ist das, was fehlt. Wir haben nicht mehr viele dieser Beispiele, wir haben nur noch Thomas Müller und Manuel Neuer, die diese Erfahrung haben, die diese Beispiele sind, ein richtiger deutscher Nationalspieler mit der richtigen Mentalität zu sein. Das haben wir verloren.“

2014 wurde Schweisteiger Weltmeister
Schweinsteiger beklagt einen generellen Wertverlust in der deutschen Nationalmannschaft. „Ich glaube, die meisten anderen Länder haben Deutschland als Kämpfer gesehen, als ob wir bis zum Ende durchhalten könnten. Ich glaube, die Stärke ging in den letzten sieben, acht Jahren verloren. Wir haben das vergessen und uns mehr darauf konzentriert, uns gegenseitig den Ball schön zuzuspielen“, erklärte der ehemalige Mittelfeldspieler.
Statt Diskussionen über Trainerwechsel zu führen, müssten die Spieler ihre Mentalität bezüglich des Spiels ändern. „Wir schauen immer nach Spielern, die großes Potenzial haben, aber ich denke nicht, dass jetzt die Zeit ist, um nach Spielern mit Potenzial zu suchen“, erklärte Schweinsteiger.

Die DFB-Elf nach dem Spiel gegen Costa-Rica in der Vorrunde der WM in Katar
Das Wir-Gefühl fehlt
Die Worte des 38-Jährigen dürften bei vielen Deutschen einen Nerv treffen. Viele stören sich seit Längerem nicht nur an der durchwachsenen Leistung der DFB-Elf, sondern auch am Image der Mannschaft. Diskussionen um politische Statements wie die Regenbogen-Armbinde zur WM in Katar warfen genauso einen Schatten auf Spieler und Mannschaft wie zuvor bereits der unrühmliche Aussetzer von Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die sich vor der Weltmeisterschaft in Russland mit Despot Erdogan ablichten ließen.

Früher trug Schweinsteiger selbst das Nationaltrikot
Der Eindruck vieler: Es ging nicht mehr vorrangig um Fußball, sondern um politische Zeichensetzung und Ego-Trips. Das fehlende Wir-Gefühl der Mannschaft übertrug sich auf die Menschen vor den Bildschirmen.
Dennoch gibt Schweinsteiger Hoffnung. So habe man zwar den Anschluss an Top-Nationen wie England oder Frankreich verloren, allerdings erinnere ihn die Situation sehr an 2006. Auch damals sei man nicht das beste Team gewesen. „Aber dann, als das Turnier im eigenen Land startete, hielten wir zusammen und wir hatten viel Energie hinter uns“.
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