Tschüss Adidas, hallo TikTok: Der große Deutschland-Ausverkauf beim DFB
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Im Schatten des emotionalen Adidas-Ende hat der Deutsche Fußball-Bund eine Partnerschaft verkündet, die pikanter nicht sein könnte: Auf der chinesischen Social-Media-Plattform TikTok gibt es künftig verstärkt und extra für die Plattform angefertigte Videos.
Stolz heißt es vom DFB: „Um Fans zusätzliche exklusive Einblicke zu ermöglichen und neue, kreative Contentformate zu ermöglichen, wird TikTok offizieller Entertainment-Partner der Männer-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).“ Ein Foto zeigt Holger Blask, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co.KG, mit dem deutschen TikTok-Chef. Blask lächelt und freut sich auf das Engagement mit einer „dynamischen und weltweit wachsenden Entertainment-Plattform“.

olger Blask, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co.KG
Was DFB-Blask nicht verrät: TikTok steht international immer wieder gleich aus mehreren Gründen in der Kritik. Der ernste Verdacht: TikTok sammelt für das chinesische Regime in Peking Daten von Nutzern der App. Erst in dieser Woche forderten Spitzenpolitiker mehrerer Parteien eine strengere Regulierung der China-App in Deutschland: Konstantin von Notz, Grünen-Fraktionsvize und Chef des Geheimdienst-Kontrollgremiums im Bundestag, forderte ein App-Verbot für Staatsbeschäftigte auf allen Ebenen – von der kommunalen Verwaltung bis zur Bundesregierung. Roderich Kiesewetter (CDU) nennt TikTok gegenüber dem Handelsblatt ein Instrument der hybriden Kriegsführung von China und Russland. Die Chinesen würden TikTok „gezielt zur Spionage und zum Datenabgriff“ einsetzen, die Folge sei Desinformation.
Und genau in diese Phase hinein verkündet der DFB eine exklusive Content-Partnerschaft mit TikTok. Weltweit hat die Plattform aktuell eine Milliarde Nutzer. Dem DFB-Account folgen gerade ca. 500.000 Menschen, manche Videos haben eine Millionen-Reichweite. Durch die Partnerschaft wird das Interesse der Fans weiter wachsen. Heißt: Höchstwahrscheinlich werden mehr Menschen TikTok nutzen, um dort Einblicke in das Innenleben der Nationalmannschaft während der Heim-EM zu bekommen. Und noch mehr Daten für den Daten-Drachen aus China …
Auch brisant: Während der DFB sich zuletzt bei der Katastrophen-WM von Katar mit der Regenbogen-Binde für „Vielfalt und Toleranz“ (O-Ton DFB) einsetzen wollte und damit vor der Weltöffentlichkeit blamierte, hat TikTok Suchbegriffe wie „schwul“ oder „lesbisch“ lokal runterreguliert. Wer im russischsprachigen oder arabischen Raum nach diesen Wörtern sucht, findet nichts. „Lokalisierte Moderation“ nennt TikTok diese Form der Zensur. Wie das in den Werte-Kanon des DFB passt? Dazu kein Wort in der Partnerschafts-Verkündigung …

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) mit der Regenbogenbinde bei der WM in Katar.
Die TikTok-Partnerschaft ist übrigens nicht die einzige Umarmung aus China für den Fußball-Sommer: Premium-Partner für den Bereich Mobilität während der EM wird der chinesische Autobauer BYD („Build Your Dreams“). Beim letzten Turnier war es noch VW. Bei der Heim-EM hat BYD den Zuschlag bekommen, um mit den E-Autos durch Deutschland zu rollen und so eine „grünere und nachhaltigere Endrunde zu fördern“, wie es offiziell heißt.
Das Fazit: Adidas weg, Nike da. Dieser Wechsel hat die meisten Fans emotional beschäftigt. Dass zeitgleich mit TikTok ein Akteur aus dem totalitären Reich der Mitte die Bühne betritt, ist fast untergegangen. Beim DFB läuft der große Deutschland-Ausverkauf …
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