ZDF verpennt Basketball-Entscheidung und anderes: Mit dem Zweiten… sieht man gar nichts
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Wie schön, dass es Olympia gibt. Und wie schön, dass die Öffentlich-Rechtlichen alles übertragen. Auf unsere Basketballerinnen hatte ich mich besonders gefreut.
Beim sogenannten 3x3-Basketballspiel standen wir (wenn’s gut wird, sage ich „wir“) plötzlich kurz vor dem Einzug ins Finale. Damit hatte niemand gerechnet. Das Spiel war extrem spannend, es fehlten noch genau 24,4 Sekunden bis zum Sieg.
In diesem Moment schaltete das ZDF ab – zur Werbung. Einen härteren, grausameren Schnitt gibt es nicht. Einen sinnloseren auch nicht. Alexander Graf Lambsdorff, deutscher Botschafter in Russland, empörte sich bei X (früher Twitter): „Das ZDF-Sportstudio und Deutschland gegen Kanada – das wird echt nichts mehr. 24 Sekunden vor Ende eines ultra-spannenden 3X3 Basketballspiels, schaltet sich das ZDF aus, um…wait for it: WERBUNG zu senden. Geht’s noch?“ Es war übrigens Werbung für ein Darmmittel, lieber Graf Lambsdorff.

Das ZDF erklärte: „Aufgrund der brisanten weltpolitischen Lage sollte die 19 Uhr `heute`-Sendung möglichst zur gewohnten Zeit gesendet werden. Die Übertragung kurz vor dem Ende des Halbfinal-Spiels der deutschen 3x3-Basketballerinnen gegen Kanada abzubrechen, war aber ein Fehler.“

Julien Alfred aus Sankt Lucia holte über 100m Gold
Es war nicht der erste Fehler des ZDF bei der Olympiaübertragung. Am Samstag (3. August) hat der Mainzer Sender weite Teile des Fußball-Viertelfinales der Frauen zwischen Kanada gezeigt. Es plätscherte so dahin, wenn man es freundlich ausdrücken will. Genau in dieser Zeit fand die Königsdisziplin aller Olympischen Spiele statt: das Finale der Schnellsten, diesmal 100 Meter der Frauen. Selbst die Sängerin Adele unterbrach ihr Konzert in München, um das Finale live zusammen auf der Leinwand zu erleben. Das funktionierte im Livestream. Nicht aber im ZDF. Niemand versteht, warum das Zweite das Finale nur zeitversetzt zeigte, nicht live. Stattdessen mussten Millionen Zuschauer das langweilige Fußball-Spiel anschauen. Es gab einen Shitstorm der Empörung. Motto: Mit dem Zweiten sieht man nicht besser, wie es in der Kampagne heißt. Man sieht gar nichts.
Während des Fußball-Halbfinals zwischen Deutschland und den USA blendete die ARD plötzlich Bayern-Star Thomas Müller ein – als Pferdeflüsterer. Er machte dem Pferd eine Bewegung vor, das Tier machte die Bewegung nach. Eigentlich ganz witzig, aber die Vorführung hatte nichts mit dem Spiel zu tun – die ARD entschuldigte sich, immerhin.

Armand Mondo Duplantis
Besonders aufregend war die Stabhochsprung-Entscheidung der Männer – ein Showdown mit Ansage. Mit 6,00 Metern hatte der schwedische Überflieger Armand Duplantis die Konkurrenz bereits besiegt. Jetzt ging es darum, ob er einen neuen Weltrekord springen könnte. Um 22.19 Uhr hielt es im Olympiastadion der französischen Hauptstadt niemanden mehr auf den Sitzen: Während Duplantis Luft holte für seinen letzten Anlauf an diesem Abend, klatschten die über 60.000 Leichtathletik-Fans in der Arena rhythmisch die Hände, dann schrien sie den Schweden immer weiter in die Höhe – bis 6,25 Meter, neuer Weltrekord.
Wer es gesehen hat, wusste: Ich war bei einem Stück Sportgeschichte dabei, vielleicht sogar ein Stück Weltgeschichte. Leider konnte das der ZDF-Zuschauer nicht live sehen, nur später als Konserve. Sie hatten zum heute-Journal geschaltet.
Beim irren Sieg im Handball gegen Frankreich (Ausgleich nach 59 Minuten, 59,6 Sekunden) fiel die Uhr im Stadion aus – da konnte das ZDF diesmal nichts dafür. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Wir wollen fair bleiben!
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Louis Hagen
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