Weil er einen Faschisten spielt: Theaterbesucher in Bochum gehen auf Schauspieler los – und wollen ihn lynchen
Ein Beitrag von
Am Schauspielhaus Bochum eskalierte am Samstag eine Theaterpremiere: Bei der deutschsprachigen Uraufführung des Stücks „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ wurde ein Schauspieler von zwei Zuschauern tätlich angegriffen. Über die brutale Attacke hatte zuerst Welt berichtet.
Das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues sorgte auch in anderen Ländern für heftige Reaktionen: Es gab regelmäßig Zwischen- und Buhrufe, Zuschauer verließen den Saal. Handgreiflichkeiten – und tätliche Angriffe – aber sind neu. Die Handlung des 150-Minuten-Stücks ist dabei bewusst provozierend: Um den Mord an der Landarbeiterin Catarina zu rächen, die einst in der Salazar-Diktatur erschossen wurde, entführt die Familie im Stück jedes Jahr einen Faschisten, um ihn nach dem Essen zu töten. Am Ende hält der Faschist eine knapp 15 Minuten lange Rede, deren Inhalt immer extremer wird.

Zwei Bühnenhälfte, die durch den Plot verbunden werden: Faschist und Familie.

Erst folgt das Essen, dann die Hinrichtung.
Theater sieht sich zu Statement genötigt
Bei der Inszenierung von Regisseurin Mateja Koležnik am Bochumer Schauspielhaus wurde der Schlussmonolog des Faschisten, gespielt von Ole Lagerpusch, von Pfiffen und Zwischenrufen begleitet. Aus dem Publikum wurde der Schauspieler beleidigt und sogar mit Obst beworfen. Schließlich stürmten zwei Besucher die Bühne und versuchten, Lagerpusch wegzuzerren, so beschreibt es die WAZ.

Wurde mit Obst beworfen und tätlich angegriffen: der Schauspieler Ole Lagerpusch.
Ein Kollege sei dem Attackierten zur Hilfe geeilt. Der Schlussapplaus musste für die Bitte unterbrochen werden, die Aufnahmen nicht ins Netz zu stellen – zum Schutz des Schauspielers. Das Theater veröffentlichte daraufhin ein Statement: „Dass ein Schauspieler in Ausübung seiner künstlerischen Arbeit körperliche Angriffe erfahren musste, hat uns zutiefst erschreckt. Wir erachten diese Übergriffigkeit als vollkommen inakzeptabel.“
Auf die Bitte von NIUS um eine Stellungnahme gab es noch keine Reaktion. Das Stück wird noch einmal am 1. und am 20. März aufgeführt.
Auch bei NIUS: „Positionen“ sind nicht „gleichwertig“: Von Karin Prien finanzierte Stiftung möchte Theaterstück wegen unliebsamer Meinungen canceln
Mehr NIUS:
Von Helden und der Glaubenssuche: „Unpolitisch Korrekt“ am Sonntag von 9 bis 12 Uhr bei NIUS Radio
Ganz Deutschland trägt das NIUS-Trikot
Darf man das noch sagen? „Unpolitisch Korrekt“ am Sonntag von 9 bis 12 Uhr bei NIUS Radio!
Rezension zu „Disclosure Day“: Dieser Film ist Paranoia pur!
Neuer Song „Dai Dai“: Keine Fußball-WM ohne Shakira
„Scary Movie“: Wenn die Parodie selbst zum Gruselkabinett wird
Was ist vom Sommermärchen 2006 geblieben? „Unpolitisch Korrekt“ am Sonntag von 9 bis 12 Uhr bei NIUS Radio!
Vom Publikum gefeiert, von der Kritik verrissen: Die Anti-Macho-Komödie „Ladies First”
Mehr NIUS:
Rezension zu „Disclosure Day“: Dieser Film ist Paranoia pur!
Neuer Song „Dai Dai“: Keine Fußball-WM ohne Shakira
„Scary Movie“: Wenn die Parodie selbst zum Gruselkabinett wird
Was ist vom Sommermärchen 2006 geblieben? „Unpolitisch Korrekt“ am Sonntag von 9 bis 12 Uhr bei NIUS Radio!
Vom Publikum gefeiert, von der Kritik verrissen: Die Anti-Macho-Komödie „Ladies First”
Erfolgshungrig und bodenständig: Warum die Deutschen Poldi immer noch feiern
Überraschende Töne von Campino: „Dieses Bild der Brandmauer, das hat auch schon seine Probleme“
„Unpolitisch Korrekt“ am Sonntag ab 9 Uhr auf NIUS Radio
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare