„Winter ohne Atomkraft gut überstanden“, lautet die Überschrift eines Medienberichtes, der aktuell von Politikern der Grünen Partei und der SPD sowie von Energiewende-Fans bejubelt wird. Die Botschaft: All die Befürchtungen rund um das Atom-Aus seien nicht eingetreten, Deutschland habe sogar weniger Kohle verbraucht als zuvor.
NIUS erklärt, warum zwar weniger Kohle verbraucht wurde, dies jedoch kein Grund zur Freude ist und dennoch 2023 rund 26 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich ausgestoßen wurden, weil die letzten drei Atomkraftwerke abgeschaltet worden sind. So viel unnötiges CO2 wie 20 Tempolimits pro Jahr einsparen könnten.
„Wir sind super durch den Winter gekommen. Es gab keine Stromknappheit. Die Abschaltung der Kernkraftwerke hat sich nicht negativ ausgewirkt auf die Stromversorgung im Winter“, zitiert der Bayerische Rundfunk Bruno Burger vom Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Burger betont seit Wochen, dass Deutschland so wenig Kohle verstromt habe wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Auch das Kernkraftwerk Isar 2 wurde im April 2023 abgeschaltet.
Warum so wenig Kohle?
Das ist auch richtig: 117,4 Milliarden Kilowattstunden wurden 2023 durch die Verstromung von Braun- und Steinkohle produziert, gut 50 Milliarden Kilowattstunden oder 44 Prozent weniger als im Vorjahr. Die entscheidende Realität ist jedoch, dass mit Atomkraft noch viel weniger Kohle hätte verstromt werden müssen. Die Kohleverstromung wäre um weitere 26 Milliarden Kilowattstunden eingebrochen, hat der Professor für Betriebswirtschaft, Peter Seppelfricke, ausgerechnet.
Die Frage, die sich Peter Seppelfricke gestellt hat, ist simpel: Warum hat Deutschland so wenig Kohle verbraucht?
Die Antwort ist erschreckend: Hauptgrund ist der drastisch zurückgegangene Stromverbrauch in Deutschland, vor allem durch den Einbruch der Produktion energieintensiver Industrien. Deutschland verbraucht so wenig Kohle, weil Deutschland so wenig Strom verbraucht, weil Deutschland sich schleichend deindustrialisiert. Die Inlands-Nachfrage nach Strom ist um 60 Milliarden Kilowattstunden eingebrochen – viel Mal so viel wie der Zuwachs der Erneuerbaren.

Durch das AKW-Aus wird ungefähr die zwanzigfache Menge CO2 einer möglichen Einsparung durch Tempolimits herausgepustet.
Die Realität heißt: sinkende Stromnachfrage
„Der Rückgang in der realen Welt ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Strom aufgrund der mauen Konjunktur – insbesondere in der Industrie – deutlich nachgelassen hat“, erklärt der Professor und ergänzt: „Ohne AKW-Ausstieg wäre die Kohleverstromung jedoch noch stärker zurückgegangen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat zwar auch zu einer Reduzierung des Kohlestroms beigetragen, der Effekt war jedoch überschaubar.“ Wind und Sonne hatten um rund 16 Milliarden Kilowattstunden zugelegt, können also nur rund ein Drittel des Kohlerückgangs erklären.
Wenn also Grünen-Abgeordnete Christina-Johanne Schröder bejubelt, dass Deutschland „auf dem richtigen Weg“ sei, bejubelt sie, dass die Industrieproduktion eingestürzt ist.
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