„Alarmstufe Rot, der Knock-out rückt immer näher”: Deutschlands mächtigster Chemie-Boss schlägt Alarm
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Die deutsche Chemiebranche steht vor einem der schwersten wirtschaftlichen Einbrüche ihrer Geschichte. Produktion, Umsatz und Exporte sinken weiter, während hohe Energiekosten, Zölle und Überregulierung den Standort zusätzlich belasten. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) schlägt Alarm, berichten FAZ und Handelsblatt.
Nach Angaben des VCI sank die Produktion im dritten Quartal 2025 um 4,3 Prozent, die durchschnittliche Auslastung der Anlagen liegt bei nur rund 70 Prozent. Damit sind viele Betriebe nicht mehr profitabel. Der Verband spricht von einer Lage, die auf dem geschäftlichen Niveau von 1995 angekommen ist.
„Es ist Alarmstufe Rot“
Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup bringt die Stimmung auf den Punkt: „Es ist Alarmstufe Rot.“ Die Branche, sagte er, „taumelt dem Jahresende entgegen, die Auftragsbücher sind im Inland und im Ausland leer.“ Er warnt: „Was wir jetzt verlieren, wird nicht mehr wiederkommen.“
Auch in seiner Lageeinschätzung bei der Vorstellung des Quartalsberichts zeigte sich Große Entrup alarmiert. Die Chemieindustrie bewege sich auf einem Niveau, das „absolut unrentabel“ sei. Die Herbstdepression sei spürbar, und „der Knock-out rückt immer näher“.

Dr. Wolfgang Große Entrup
Einbruch bei Exporten und steigende Kosten
Die Chemieunternehmen leiden unter einer doppelten Belastung: Zum einen sinkt die Nachfrage im Inland, zum anderen brechen wichtige Auslandsmärkte ein. Die Exporte nach Asien gingen im Jahresvergleich um gut zwölf Prozent zurück, die in die USA um fast ein Fünftel. Der Verband macht dafür vor allem die amerikanische Zollpolitik und billige Konkurrenzprodukte aus China verantwortlich, die infolge der Handelskonflikte in den europäischen Markt drängen.
Gleichzeitig zählen die Produktionskosten in Deutschland zu den höchsten weltweit. „In Amerika kostet Strom nur ein Viertel. In Deutschland kämpften die Unternehmen hingegen buchstäblich ums Überleben“, berichtet die FAZ.
Drastischer Appell an die Politik, die „Abrissbirne in die Hand“ zu nehmen
Die Industrie verlangt politische Entlastungen: niedrigere Energiepreise, weniger Regulierung und steuerliche Erleichterungen. Der VCI fordert darüber hinaus eine Reform des europäischen Emissionshandels. Die abnehmende Gratiszuteilung von Zertifikaten und steigende Preise könnten einzelne Standorte um mehrere hundert Millionen Euro belasten. Auch der geplante CO2-Grenzausgleich (CBAM) wird von der Branche als bürokratisch und wirkungslos eingeschätzt.
Große Entrup forderte in diesem Zusammenhang einen grundlegenden Kurswechsel: Arbeitskosten, Steuern und Abgaben müssten sinken – die Politik solle, so sein drastischer Appell, endlich die „Abrissbirne in die Hand“ nehmen.
Keine Erholung in Sicht
Für das laufende Jahr erwartet der Verband keine Verbesserung. Die Nachfrage bleibe schwach, der Umsatz werde voraussichtlich um ein Prozent auf rund 221 Milliarden Euro sinken. Mehrere Unternehmen haben bereits Sparprogramme und mögliche Stellenstreichungen angekündigt.
Die Branche sieht sich damit an einem Wendepunkt: Ohne spürbare Entlastung und industriepolitische Unterstützung droht ein dauerhafter Verlust von Produktionskapazitäten – und mit ihm ein weiterer Erosionsschritt im industriellen Kern Deutschlands.
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