„Es geht ans Fundament der Industrie in Europa“: BASF-Chef Kamieth kritisiert CO2-Zertifikate und warnt vor Milliardenkosten
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Klare Worte vom BASF-Chef!
Bei der Vorstellung der Quartalszahlen für das dritte Quartal 2025 hat Markus Kamieth, Chef des größten Chemiekonzerns der Welt (nach Umsatz), die aktuelle europäische Energie-Politik scharf kritisiert.
Der Trend zur Schließung von Industrieanlagen in Europa werde sich allein durch den CO2-Preis „wahnsinnig beschleunigen“, so Kamieth, wenn man die freien Zertifikate nicht verlängere. Freie Zertifikate im EU-Emissionshandel (EU-ETS) sind kostenlos zugeteilte CO2-Erzeugungsrechte, die energieintensive Industrien wie die Chemie bislang vor hohen Abgabekosten schützen sollen; ohne ihre Verlängerung müssten Unternehmen wie BASF ab 2026 für jede emittierte Tonne CO2 den vollen Marktpreis zahlen, was die Betriebskosten massiv steigert und Standortschließungen in Europa begünstigt.
„Auf dem Tisch liegt die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas. Deswegen bin ich dafür, die Debatte auch mit offenem Visier zu führen. Es nützt nichts, wenn wir da immer in Grautönen diskutieren“, so Kamieth. BASF habe im Jahr 2024 in dreistelliger Millionenhöhe Zertifikate kaufen müssen. „Diese Zahl geht in der nächsten Dekade nach unserem Modell, wenn das ETS so bleibt, wie es ist, deutlich über eine halbe Milliarde und geht dann Ende der nächsten Dekade in Richtung einer Milliarde.“
Diese Kosten habe man aber nur, weil man in Europa produziere. „Die hätten wir nicht, wenn wir die gleichen Produkte in China, in den USA oder in Indien produzieren würden.“
„Hat viel mit den Rahmenbedingungen in Europa zu tun“
Dies zeige den Wettbewerbsnachteil, den ein gut gemeintes, aber schlecht gemachtes ETS in Europa haben könne. „Multiplizieren Sie das mit dem winzigen Marktanteil, den die BASF in Europa beim CO2-Ausstoß hat und dann kommen Sie in Größenordnungen, das geht ans Fundament der Industrie in Europa.“
Man habe gesehen, dass die CO2-Transformation in der Chemieindustrie nicht so schnell gehe, wie man sich das vielleicht mal vor sechs, sieben, acht Jahren vorgestellt habe. „Das hat viel mit den Rahmenbedingungen in Europa zu tun. Schauen Sie auf das Thema Energiepreise, Elektrizitätspreise und ein paar andere Dinge, die uns das ein bisschen schwerer machen, als das vielleicht ursprünglich mal gedacht war.“
Zudem, so Kamieth weiter, herrsche in Europa das Bild vor, dass das Herstellen grüner Produkte, also von Produkten mit einem niedrigen CO2-Ausstoß, günstiger oder besser sei als im Rest der Welt. „Und auch das ist natürlich mittlerweile ein überholtes Bild“, erklärt der BASF-Chef. „Mittlerweile produzieren wir und auch andere Chemieunternehmen in China, in den USA, in Indien deutlich günstiger, weil dort zum Beispiel auch grüne Energie viel günstiger ist als in Europa.“
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