Brisante Aussage beim Solar-Riesen Meyer-Burger: „Vertrauen Sie der deutschen Regierung? Bei Trump habe ich weniger Sorgen …“
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Niemand lobbyiert so sehr für den Milliarden-schweren „Resilienzbonus“ wie der Solar-Hersteller Meyer Burger (NIUS berichtete): „Her mit dem Steuergeld oder wir hauen in die USA ab“, lautet in etwa die Drohung, mit der das Unternehmen die Subvention für in Europa hergestellte Solar-Platten durchdrücken will.
Bemerkenswert ist jedoch, dass der wichtigste Aktionär des Schweizer Konzerns den Blick längst in die USA gerichtet zu haben scheint. „Wie können Sie der deutschen und der europäischen Regierung vertrauen?“, sagte Anton Karl, Co-Geschäftsführer der Sentis Capital, im Rahmen eines telefonischen Investoren-Meetings Mitte Januar. „Aus meiner Sicht als Investor bin ich weniger besorgt über Trump, weil Trump gezeigt hat, dass er sich um die Firmen in den USA kümmert“, so Karl, der das Family-Office des russischen Oligarchen Piotr Kondraschow leitet.
Der russische Milliardär, der in der Düngemittel-Branche reich geworden ist, hatte Meyer Burger vor einigen Jahren mit seinen Millionen vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet. Heute ist er mit mehr als zehn Prozent der Anteile der größte Aktionär des Solar-Unternehmens.

Oligarch Piotr Kondraschow in seinem Büro.
Kein Vertrauen in Deutschlands Rechtssicherheit
Nicht nur geht Kondraschow offenbar davon aus, dass Donald Trump ab November wieder im Weißen Haus sitzen wird. Sein Family-Office-Leiter machte stellvertretend für ihn deutlich, was er von der Politik in Deutschland und Europa mit Blick auf die Solar-Branche hält: „Nachdem ich die vergangenen Monate als Investor beobachtet habe, wie Europa gegen Dumping-Preise und Wettbewerbsrechte mit China vorgeht: Wie können Sie den europäischen Regierungen vertrauen – selbst wenn sie Gesetze machen – dass sie ihre Meinung mit Blick auf China nicht sofort wieder ändern?“

Meyer Burger-CEO Gunter Erfurt reagierte auf die Trump-Frage nicht.
Meyer Burger-CEO Gunter Erfurt ging bei besagtem Investoren-Call nicht auf die Frage und das nicht vorhandene Vertrauen der Haupt-Aktionäre in die Rechtssicherheit in Deutschland und Europa ein, er sagte nur, Vertrauen in Politiker sei „eine selbsterfüllende Prophezeiung“ – unklar, was damit gemeint ist. Man müsse eben gute Argumente haben, fügte Erfurt an, ehe er das Thema auf die Chancen für das Unternehmen in den USA lenkte.
Eine NIUS-Nachfrage bei Meyer Burger, inwieweit das Unternehmen das Unvertrauen in die deutsche und europäische Gesetzgebung teile und diese Haltung des Haupt-Aktionärs zur Maßgabe von Unternehmensentscheidungen mache, blieb unbeantwortet.
Solar-Branche ist bei der „Resilienzbonus“-Frage gespalten
Das laut Bankanalysen insolvenzbedrohte Solar-Unternehmen Meyer Burger fordert – zusammen mit anderen deutschen Solar-Herstellern – einen Bonus, um im Wettbewerb mit den deutlich günstigeren Solarmodulen aus China mithalten zu können. Es geht um bis zu 15 Milliarden Euro über die nächsten 25 Jahren verteilt. Die heftigsten Kritiker des „Resilienzbonus“ kommen aus der Solar-Branche selbst. Energiewende-Startups wie „Enpal“ und „1Komma5Grad“ sprechen sich gegen die Milliarden-Subvention aus, sehen darin die Bevorteilung einzelner und die Errichtung von Markteintrittsbarrieren.
Die Ampel-Regierung verhandelt derzeit über einen möglichen „Resilienzbonus“. Grüne und SPD sprechen sich dafür aus, die FDP will ganz grundsätzlich weniger Geld in die Förderung von Solar-Energie stecken. Das sogenannte „Solarpaket I“, in dem es auch um die Subvention geht, wird noch diese Woche im Bundestag diskutiert.
Mehr NIUS: Milliarden-Subvention „Resilienzbonus“: Deutsche Solar-Riesen stellen sich gegen Grünen-Plan
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