Das denkt die Wirtschaft: Mehr Wohlstand mit weniger Arbeit wird nicht funktionieren
Ein Beitrag von
Mit weniger Arbeit zu mehr Wohlstand? Kann das gutgehen? Eher nicht, meint der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, in seiner jüngsten Kolumne ...
„Man kann die Zeichen der Zeit übersehen oder auch fehldeuten. Unverantwortlich ist es jedoch, sie ganz bewusst zu ignorieren. Letzteres spielt sich dieser Tage in Deutschland ab“, schreibt Steiger. „Mit dem bevorstehenden Ausscheiden der geburtenstarken Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsmarkt wird die bereits vorhandene Fachkräfteknappheit weiter verschärft. Wir befinden uns bislang erst ganz am Anfang dieser Entwicklung. Die Diskrepanz zwischen den aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden und nachrückenden Geburtslegionen wird bis 2030 immer weiter zunehmen und die entstehende Lücke wird sich dramatisch akkumulieren.“
„Schaffe, schaffe, Päusle machen?“
Sein Fazit: „Damit Deutschland seinen Wohlstand erhält, gibt es nur eine Konsequenz. Wir müssen mehr arbeiten. Wir müssen die Wochenarbeitszeit verlängern und die Lebensarbeitszeit ebenso.
Doch worüber sprechen wir? Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) setzt eine schrittweise Absenkung der wöchentlichen Regelarbeitszeit von 38 auf 35 bei vollem Lohnausgleich durch. Die Linke will mit einer Anti-Stress-Verordnung eine ‚Offensive zur Verkürzung der Arbeitszeit‘ starten. Und die Grüne Jugend geht noch weiter. Ihre Co-Chefin Katharina Stolla fordert eine Vier-Tage-Woche könne nur der Anfang sein und stellt sogar die Absenkung auf eine 20-Stunden-Woche in den Raum – selbstverständlich bei vollem Lohnausgleich. Gleichzeitig müsse das Bürgergeld verdoppelt werden. Warum? Arbeit mache die jungen Menschen kaputt.“

20-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich: Grüne Jugend Chefin Katharina Stolla träumt von mehr Freizeit.
Steiger zitiert den Autor Max Frisch, der dazu riet, anderen die Wahrheit wie einen Mantel zum Hineinschlüpfen hinzuhalten, sie niemandem „wie einen nassen Lappen um die Ohren zu schlagen“.
„Deutschland verliert unübersehbar an Wettbewerbsfähigkeit“
Aber hier brauche es wohl mehr Deutlichkeit, schreibt der Generalsekretär des Wirtschaftsrats: „Diese Debatten sind selbstgefällig, bequem und völlig realitätsfern. Sie ignorieren, dass sich die tektonischen Platten der Weltwirtschaft gerade grundsätzlich verschieben und Deutschlands Wohlstand keineswegs in Steinplatten vom Berg Sinai gemeißelt ist. Im Gegenteil – Deutschland verliert unübersehbar an Wettbewerbsfähigkeit. Gerade jetzt ist die Zeit, in der alle mit anpacken müssen, um Wachstumskräfte freizusetzen und den Grundstein für einen neuen Aufbruch zu legen.“

Der Schriftsteller Max Frisch
Das Arbeitsethos der Deutschen war doch einst berühmt-berüchtigt, so Steiger. Der fleißige Deutsche sei weltweit respektiert gewesen. Und heute: „Schaffe, schaffe, Päusle machen? Nirgends sonst gibt es so viel Urlaub und Feiertage wie in Deutschland. Die Deutschen arbeiten schon jetzt weniger Stunden als die Menschen in anderen Industriestaaten und die Produktivität steigt seit sechs Jahren nicht mehr. Man muss eigentlich nicht mehr als die Grundrechenarten beherrschen, um zu verstehen, dass die 4-Tage-Woche-Rechnung nicht aufgeht. Arbeiten alle Deutschen bei gleichbleibender Produktivität ein Fünftel weniger, dann verringert sich auch die Wirtschaftsleistung um ein Fünftel.
Folge: Eine harte Bruchlandung, die Deutschland jährlich 800 Milliarden Euro an Wohlstand kostet! Und entsprechend würden auch die Steuereinnahmen dramatisch sinken – kein Geld mehr für Soziales, Infrastruktur oder Verteidigung.“
„Missionarische Sozialingenieure versprechen ‚Milch und Honig‘“
Steiger erinnert an „das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft“: „Man war stolz darauf, Wohlstand zu schaffen und sich und seinen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch statt der Leistungsgesellschaft Rechnung zu zollen, wird Politik heute zunehmend auf eine nimmersatte Anspruchsgesellschaft ausgerichtet.
Schuld daran ist auch ein Staat, der seinen Bürgern vorgegaukelt, ihnen alle Widrigkeiten des Lebens durch eine Art Vollkasko-Versicherung abnehmen zu können. Missionarische Sozialingenieure versprechen ‚Milch und Honig‘ und verschweigen, dass davor unweigerlich Fleiß, Schweiß und manchmal auch Tränen stehen. Sie verteilen gerne Kuchen, beteiligen sich aber nicht an dem Backprozess.
Erst das Leistungsprinzip eröffnet die Chancen auf Sozialstaatlichkeit. Der fürsorgende und bevormundende Staat würgt die individuelle Leistungsbereitschaft ab und stößt augenscheinlich an Grenzen bei seiner Finanzierung. Wir dürfen nicht noch weiter einer Sichtweise verfallen, in der der Staat seine Bürger als betreuungsbedürftig behandelt und durch Detailregulierung entmündigt.
Der Einkommensabstand zwischen denen, die arbeiten, und jenen, die es nicht tun, ist in an zu vielen Stellen grotesk gering. Und wie soll Fachkräfte-Zuwanderung gelingen, wenn hier die Steuer- und Abgabenlast deutlich höher ist, als in konkurrierenden Ländern. Traurige Realität ist: Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind zu abschreckend für Leistungsträger und bieten zu viel Anreiz, um in das Sozialsystem einzuwandern – eine fatale Mischung.
Wir brauchen dringend ein neues Bekenntnis zur Leistung – und eine Politik, die Arbeit und den Willen zum gesellschaftlichen Aufstieg honoriert.“
Mehr NIUS:
Das denkt die Wirtschaft: Der Klimawandel darf nicht zum Gesellschafts-Umbau missbraucht werden
Mehr NIUS:
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Interne Prognose: Bundesagentur für Arbeit mehr als fünf Milliarden Euro im Minus
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
Mehr NIUS:
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
US-Unternehmen Nvidia wertvoller als alle deutschen Firmen zusammen
Metallindustrie-Präsident Dinglreiter: „Die Lage ist dramatisch“
Wirtschaftsweisen halbieren Wachstums-Prognose auf 0,5 Prozent
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare