Das große China-Märchen: Solar-Riesen wollen Steuer-Milliarden für Sinnlos-Plan
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Grüne Lobbyisten wollen für europäische Solar-Hersteller eine Milliarden-Subvention erwirken, angeblich um sich unabhängig von der Solar-Übermacht aus China und ihren Dumping-Preisen zu machen. „Resilienzbonus“ heißt der Plan, den Grüne und SPD vorantreiben und dafür bereit sind, Milliarden an Steuern auszugeben (NIUS berichtete). Ein Blick auf die aktuelle Lage in der Solar-Industrie zeigt aber, dass das weder nötig noch möglich ist, unabhängig von China zu werden – weil kein einziges Solar-Unternehmen in Europa tatsächlich unabhängig von China ist.
Wenn Bayern München den FC Gütersloh in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 6:0 raushaut, ruft niemand danach, dass man den FC Gütersloh mit Steuergeld versorgen muss, um mit den Bayern mithalten zu können.
Milliarden-Subvention „Resilienzbonus“
So sehr sich die finanziellen Möglichkeiten der beiden Fußballclubs unterscheiden, so groß ist auch der Unterschied zwischen den chinesischen und den deutschen Produktionskapazitäten für Solar-Panels: China kann je nach Schätzung von Branchendiensten bis zu 1000 Gigawatt Solar-Panels pro Jahr produzieren. Diese gigantischen Überkapazitäten sind der Grund dafür, dass die weltweiten Märkte mit sehr günstigen Solar-Panels überflutet wurden – wohl auch ein Grund für den Solar-Boom im vergangenen Jahr in Deutschland (2023 rund 14,1 Gigawatt statt 7,5 im Vorjahr).

Der Solar-Zubau erlebte 2023 einen Boom.
Europas Solar-„Platzhirsch“ Meyer Burger kann derweil 1,4 Gigawatt pro Jahr produzieren – ein Siebenhundertstel der chinesischen Kapazitäten und nicht einmal ein Zehntel des in Deutschland im Jahr 2024 erwarteten Solar-Zubaus. Und doch ist es das Schweizer Unternehmen Meyer Burger, das – gemeinsam mit dem Bundesverband der Solarindustrie (BSW) – am lautesten nach dem „Resilienzbonus“ und der Unabhängigkeit von den günstigeren und zudem effizienteren Solar-Panels aus Fernost ruft.
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Dabei bemüht Meyer Burger-CEO Gunter Erfurt, der seit Wochen durch TV-Shows und Podcasts tingelt, dafür einen spannenden Vergleich – russisches Gas: „Es sollte sich niemand einer Naivität hingeben in Europa und sagen: Es ist doch toll, dass das alles so günstig ist. Russisches Erdgas war auch günstiger und wo sind wir rausgekommen“, so Erfurt wörtlich bei Markus Lanz.

Meyer Burger-CEO Gunter Erfurt im Talk von Markus Lanz
Ein Vergleich, der aber an gleich mehreren Stellen hinkt: Zum einen ist Erdgas ein Verbrauchsgut, ein Solar-Panel aber ein Gebrauchsgut, das nicht etwa verbrannt wird, sondern 30 Jahre und länger Strom produzieren kann. Zum anderen verschwinden die in Deutschland inzwischen knapp 82 Gigawatt verbaute Solar-Energie nicht über Nacht, wenn China ein Solar-Embargo beschließen würde.
China bald nicht mehr die einzige Solar-Macht
Parallel zu China bauen auch die USA ihre Solar-Herstellungskapazitäten mithilfe staatlicher Subventionen radikal aus: In den kommenden Jahren sollen laut offiziellen Schätzungen 85 Gigawatt hinzukommen, die erwartete Nachfrage in den USA liegt aber unter 50 Gigawatt – über dem Atlantik baut sich also ein verlässlicher Solar-Lieferant auf. Auch in der Türkei und in Indien wachsen die Produktionskapazitäten. Deshalb erwartet die Internationale Energie-Agentur auch eine deutliche Zunahme der weltweiten Diversifizierung bei der Herstellung von Solar-Panels.
Mit einer entscheidenden Ausnahme: Wafer, eine flache Scheibe aus kristallinem Silizium, die sozusagen die Grundlage für die Herstellung einer Solarzelle bildet.
Hier hat China eine mehr als 95-prozentige Marktmacht, die auch in den kommenden Jahren nicht wirklich einschmelzen wird. Das ist auch der Grund, warum europäische Solar-Hersteller quasi gar nicht unabhängig von China werden können. Ohne Wafer keine Solarzelle, ohne China kein Wafer – und das auf unbestimmte Zeit. Selbst die Firma Meyer Burger, die als einziger Solar-Hersteller in Europa den allergrößten Teil der Wertschöpfung in Europa betreibt, ist auf Wafer aus Fernost angewiesen.
Ein „Resilienzbonus“ – wie auch immer man ihn ausgestalten würde – kann demnach keine tatsächliche Resilienz gegenüber China herstellen.
NIUS hat Meyer Burger mehrfach mit Fragen zu Unternehmensdaten, zum „Resilienzbonus“ und zu Kritik am Vorgehen des Unternehmens angefragt. Das Unternehmen reagierte nicht. Auch der BSW wollte eine NIUS-Anfrage aus „Kapazitätsgründen“ nicht beantworten.
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Julius Böhm
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