Diego Faßnacht erklärt: Warum andere Länder reicher als wir sind
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Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zeigen sich alarmiert: Sie rechnen mit einer Schrumpfung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr und haben ihre Prognose deutlich nach unten angepasst. Ursprünglich gingen sie von einem Wachstum von 0,3 Prozent in diesem Jahr aus, doch nun folgt die Korrektur: Die Wirtschaft werde um 0,6 Prozent schrumpfen.
Doch nicht nur die schwierigen Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft drücken auf die Wohlstandsentwicklung im Lande. Laut neuen Studien erwirtschaften die Deutschen eine deutlich unterdurchschnittliche Rendite bei ihrer eigenen Geldanlage. Was heißt das konkret?

Finanzvermögen pro Kopf (Quelle: Allianz Research)
Deutsche sind weniger vermögend
Laut dem Allianz Global Wealth Report liegen die Deutschen im weltweiten Vergleich beim Finanzvermögen pro Kopf nur noch auf Platz 19. Rechnet man Immobilienvermögen hinzu, dann reicht es noch für Platz 13. Pro Kopf beträgt das Finanzvermögen in Deutschland 63.540 Euro. Zum Vergleich: Das Finanzvermögen pro Kopf in den USA liegt bei 253.450 Euro und in der Schweiz bei 238.780 Euro. Der nördliche deutsche Nachbar Dänemark kommt auf immerhin 163.830 Euro Finanzvermögen pro Kopf.
Rechnet man das Immobilienvermögen mit, dann beträgt das Vermögen pro Kopf 198.080 Euro. Der Schweizer kommt auf 534.250 Euro. Auch viele andere westeuropäischen Staaten haben ein höheres Vermögen pro Kopf als Deutschland. Ein Grund: Die Deutschen lassen ihr Geld häufig liegen und setzen nicht auf Rendite.

Finanz- und Immobilienvermögen pro Kopf (Quelle: Allianz Research)
Nehmen wir einmal an, dass sich diese Entwicklung mit dem derzeitigen Finanzvermögen der einzelnen Personen in den nächsten 15 Jahren fortsetzt: Dann würde das Finanzvermögen des US-Amerikaners von 253.450 Euro auf 699.276 Euro steigen. Das Finanzvermögen des Deutschen würde sich allerdings nur von 63.450 Euro auf 98.853 Euro erhöhen. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie die unterschiedlichen Renditen die Vermögensunterschiede bestimmen.
Der Grund für die unterschiedlichen Renditen liegt in der ebenso unterschiedlichen Geldanlage-Kultur der Nationen. Diese wiederum ist wesentlich geprägt von den Rahmenbedingungen für die Geldanlage. In Deutschland werden weiterhin große Teile des Vermögens auf Sparbüchern oder Ähnlichem gehalten.
Was andere Länder besser machen
In Ländern wie Australien, den USA oder dem Vereinigten Königreich ist die Altersvorsorge deutlich stärker über den Kapitalmarkt organisiert. Entweder über Pensionsfonds oder in Eigenverantwortung der Anleger.
Im Vereinigten Königreich gibt es beispielsweise nur eine staatliche Mindestrente, die nicht dazu gedacht ist, den Lebensstandard zu halten. Der Staat ermöglicht es aber jedem, für seine Altersvorsorge privat vorzusorgen. Es gibt keine hohen Rentenbeiträge wie in Deutschland. Jeder Brite kann pro Jahr 20.000 Pfund (das sind rund 24.000 bis 25.000 Euro) in einen Individual Saving Account einzahlen. Dieses Konto wird ein Leben lang nicht versteuert, wenn das Vermögen später für die Altersvorsorge oder den ersten Hauskauf verwendet wird. Darüber hinaus gibt es zusätzlich auf Kapitalerträge steuerliche Freibeträge von insgesamt 14.200 Pfund (etwa 17.000 Euro) pro Jahr.

Die Abgabenlast ist in Deutschland überdurchschnittlich hoch.
Einerseits haben andere Völker durch eine geringere Steuer- und Abgabenlast viel mehr Möglichkeiten, andererseits sind die Anreize auch so gesetzt, dass es sich individuell einfach sehr lohnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ein weiteres Problem: Auf deutsche Erwerbseinkommen fallen mit die höchsten Steuern und Abgaben an. Zudem betragen die Kapitalertragssteuer-Freibeträge nur 1.000 Euro pro Person. Programme wie die Riester-Rente sind, aufgrund der hohen (Bürokratie-)Kosten und der mangelnden Freiheit, bereits grandios gescheitert.
Aber auch persönliche Erfahrungen spielen eine Rolle. Der Deutsche war bis zur Einführung des Euros einen positiven Realzins gewöhnt und konnte alleine mit dem Sparen bei der Bank seinen Wohlstand steigern. Die Deutschen wurden so zu Weltmeistern im Sparen. Seit der Einführung des Euros kann davon allerdings keine Rede mehr sein.
Was notwendig ist
Klar ist: Die eigene persönliche Situation ist eng mit der Vermögensentwicklung verknüpft. Damit die Deutschen gegenüber anderen Völkern in der Vermögensentwicklung aufholen können, bedarf es zunächst besserer Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wirtschaftswachstum ist die Voraussetzung für Wohlstandssteigerungen.

Durchschnittliche reale Jahresrenditen auf Vermögen nach dem Grad der finanziellen Bildung (Quelle: Allianz Research)
Darüber hinaus müssen auch für Privatpersonen die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass es erstens ausreichende Möglichkeiten zur Geldanlage gibt und zweitens diese auch, ähnlich wie im Vereinigten Königreich, steuerlich besser gestellt werden.
Die Studie von Allianz Research fand auch heraus, dass finanziell gebildete Menschen höhere Renditen erzielten als finanziell ungebildete. Hier ist noch Aufholbedarf. Auffällig ist, dass insbesondere zwischen den finanziell weniger gebildeten und den mittelmäßig gebildeten große Renditeunterschiede und somit später auch Vermögensunterschiede bestehen.
Das Thema „finanzielle Bildung“ gehört in den Schulunterricht.
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Diego Faßnacht
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