Eine Vollblut-Unternehmerin rechnet mit der Wirtschaftspolitik ab: „Unser Land steigt ab“
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Es ist ein Verriss im feinen Gewand. Eine Abrechnung mit der Wirtschaftspolitik Deutschlands, die trotz höflicher Ausdrucksweise nichts an Deutlichkeit vermissen lässt: „Unser Land steigt ab“, es habe sich einer „Wünsch-dir-was-Illusion“ hingegeben, sagt Angelique Renkhoff-Mücke beim Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee.
Sie ist die Chefin von Warema, einem Markisen- und Jalousien-Riesen aus Marktheidenfeld, der 5300 Mitarbeiter beschäftigt und knapp 700 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet.
Beim wichtigsten Wirtschafts-Treffen des Landes hielt Renkhoff-Mücke eine aufsehenerregende Rede. Ihre Bestandsaufnahme ist erschreckend: „Die Wirtschaftsleistung in Deutschland liegt aktuell nicht höher als auf dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Das heißt: Wir haben 4 Jahre ohne Wachstum hinter uns. Die Wertschöpfung der Industrie liegt sogar niedriger als 2018. Und Fakt ist auch: Wir stecken tief im Konjunkturtal fest.“

Angelique Renkhoff-Mücke hält eine flammende Rede beim Ludwig-Erhard-Gipfel.
„Heimische Unternehmen investieren lieber im Ausland“
Die Unternehmerin erkennt auch eindeutige Gründe: „Wir sind als Standort zu teuer, wir sind zu kompliziert, wir sind zu langsam, wir sind zu träge und wir sind leider auch zu alt.“ Die Folgen seien klar: „Es wird zu wenig investiert in Deutschland, ausländische Investoren bleiben fern und unsere heimischen Unternehmen investieren lieber im Ausland.“
Deutschland habe es sich in den Jahren, in denen Erwirtschaften quasi im Alleingang ging, zu gut gehen lassen, sagt sie. Und weiter: „Wir haben uns einer ‚Wünsch-dir-was-Illusion‘ hingegeben und uns zu sehr ums Verteilen gekümmert.“
Deshalb fordert sie nun weniger Ausgaben beim Sozialstaat, forderte wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, eine Lösung für den Fachkräftemangel, Bürokratieabbau und günstigere Energie durch Zubau von Erneuerbaren und Wasserstoff-Infrastruktur.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist Schirmherr des Gipfels.
Eine ziemlich lange To-do-Liste für den für Wirtschaft und Unternehmen zuständigen Minister Robert Habeck.
An Habeck sendete Angelique Renkhoff-Mücke auch noch eine versteckte Botschaft: „Wir werden aus der Krise nur herausfinden, wenn wir uns an einem verlässlichen Kompass orientieren: Dieser Kompass kann für uns nur der von Ludwig Erhard sein.“ Erhard hatte die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland geprägt, die für das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg gesorgt hatte. Habeck und seine grüne Partei stehen eher für einen paternalistischen Staat, der der Wirtschaft viele Vorgaben machen will.
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