Evonik-Boss Kullmann: „Die CO2-Gebühr für Europa muss weg“
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Als Top-Boss von mehr als 30.000 Mitarbeitern hat Christian Kullmann, Vorstandschef des Spezialchemiekonzerns Evonik, eine große Verantwortung. Für den Erfolg seines Unternehmens und die Sicherung von Arbeitsplätzen schlägt der Chemie-Boss allerdings harte Töne an. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ruft er auf: Schluss mit CO2-Zertifikaten und Brüsseler Bürokratie.
Kullmann möchte die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Standorts erhalten und möchte „wirtschaftliche Daseinsvorsorge leisten“, wie er im Gespräch mit der FAZ sagt. „Ein schlechtes Beispiel ist die Energiewende. Bis heute gibt es keine solide Analyse, wie viele Abermilliarden sie uns bisher gekostet hat. Das finde ich skandalös.“
Die hohen Energiekosten führten inzwischen dazu, dass der Top-CEO selbst die Zukunft deutscher Standorte infrage stellen müsse. „In Herne etwa stellt Evonik hochwertige Vernetzer, etwa für die Flügel von Windrädern, her. Das ist ein wichtiges Produkt für das Gelingen der Transformation. Leider ist es aktuell ein wirtschaftlicher Problemfall, wegen der Energiekosten. Schon heute belasten uns hohe Gebühren für CO2-Emissionen.“

Kullmann ist bereits seit 2003 bei Evonik (früher RAG) und durchlief mehrere Positionen bis zur Spitze.
Und er warnt: „Ab 2027 plant Brüssel eine drastische Verschärfung dieser Gebühren im Rahmen des ETS-Systems. Das gefährdet die Existenz vieler Unternehmen. Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, habe ich das bereits gesagt: Die CO2-Gebühr für Europa muss weg. Sie gefährdet in Deutschland mindestens 200.000 gut bezahlte Industrie-Arbeitsplätze.“
Handel mit CO2-Zertifikaten „wie eine Bleiweste“
Mit dem ETS-System ist der europäische Handel mit CO2-Zertifikaten gemeint. Damit können sich Konzerne die Erlaubnis erkaufen, mehr CO2 freizusetzen – etwa bei der Herstellung von Produkten. Damit man eine „grüne Transformation“ zur Klimafreundlichkeit finanzieren könne, „müssen wir aber an den Weltmärkten erfolgreich sein. Aktuell wirkt das ETS-System aber wie eine Bleiweste, die man uns umhängt. Dann gibt uns Brüssel ein Paar neue Turnschuhe dazu und sagt: ‚Jetzt lauft mal schnell los!‘ So funktioniert das nicht“, stellt Kullmann klar.
Keine fairen Bedingungen im internationalen Wettbewerb
Ein erfolgreicher Emissionshandel könne nur funktionieren, wenn auf der Welt alle mitmachen. Doch der Experte sieht im internationalen Wettbewerb gerade keine fairen Spielbedingungen. „Wir sind die einzigen, die mit dieser CO2-Gebühr belastet werden, die Konkurrenz in Asien und Amerika dagegen nicht. Deshalb muss das ETS abgeschafft oder radikal reformiert werden – und zwar schnell. Die nächsten Verhandlungen dazu laufen im Sommer 2026, dann muss dringend etwas passieren. Sonst demolieren wir unsere Industrie ein weiteres Mal.“
Kullmann meint es bitterernst: „Ich setze darauf, dass diese Schizophrenie endlich erkannt und beendet wird: Wir haben eine Top-Technologie, die international voll wettbewerbsfähig ist. Dann legt Brüssel eine CO2-Gebühr drauf, und sie ist es nicht mehr. Aus den Erlösen wird dann ein Sozialfonds finanziert, der die Menschen nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes entschädigen soll. Das ist einfach bizarr.“
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