Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer: Asien wartet nicht auf Deutschland
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Er war mehr als 12 Jahre Vorstandsvorsitzender von Siemens und leitete fast ebenso lang den Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft: Heinrich von Pierer. Er beriet Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Er gilt als ausgewiesener China-Experte. Im Handelsblatt schreibt er, was Deutschland in der China-Politik falsch macht – und was sich ändern sollte.
NIUS dokumentiert wichtige Passagen.
Über erfolgreiche Reisediplomatie
„Die Bundesregierung unter Helmut Kohl zeigte Flagge in China. Auch Gerhard Schröder pflegte die Reisediplomatie und entwickelte ein gutes Verhältnis zu den Machthabern in Asien. Seine Reisen nicht nur mit Vertretern der Großindustrie, sondern auch mit vielen, man kann ruhig sagen, begeisterten Mittelständlern waren legendär. Schröder spielte bei diesen Gelegenheiten auch durchaus den Mahner, aber hinter verschlossenen Türen und ohne Lehrstunden mit Schilderung der deutschen Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Förderung von Diversität. Feministische Außenpolitik gab es nicht, was damals in China schwer zu vermitteln gewesen wäre. Der deutsche Einfluss auf China hielt auch unter Kanzlerin Merkel an, wenngleich die Aktivitäten etwas sehr auf China und mit Abstrichen auf Indien konzentriert waren.“
Wie sich die Diplomatie geändert hat
„Wir Deutschen werden mehr oder weniger zum Spielball von politischen und wirtschaftlichen Manövern und reger Diplomatie zwischen den USA und China. Siehe das Beispiel der seltenen Erden, deren Bezug für wichtige Teile unserer Industrie lebensnotwendig ist. Außenminister Johann Wadephul hat sich mit nicht gerade geschickten Äußerungen im Vorfeld seiner überfälligen Reise nach China eine Brüskierung durch die Chinesen eingehandelt. Und nur nebenbei: Gegenüber China unterwürfig aufzutreten, wird von den Chinesen am Ende nicht honoriert. Die Chinesen verstehen eine gut begründete, selbstbewusste Haltung ihrer Gegenüber sehr wohl. Aber das sollte hinter verschlossenen Türen geschehen.“
Es ist Zeit, dass die deutsche Politik den Realitäten ins Auge sieht
„China ist nach wie vor knapp nach den USA unser zweitwichtigster Handelspartner. Bis August 2025 betrug das Handelsvolumen 164 Milliarden Euro mit deutschem Defizit von 54 Milliarden Euro. Fachleute erwarten, dass das Defizit bis zum Jahresende auf 90 Milliarden Euro anschwellen könnte. Es ist an der Zeit, dass die deutsche Politik den Realitäten ins Auge sieht, die Zeit der Ära Scholz/Habeck/Baerbock hinter sich lässt und Asien wieder die Aufmerksamkeit zukommen lässt, die den deutschen Interessen gerecht wird. Deutschland ist auf diese Verbindungen mehr angewiesen als umgekehrt. Es ist Zeit für einen Neustart.“
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