Ferrari und Mercedes einig gegen Brüssel: E-Auto-Zwang schadet dem Klima
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Das gab es noch nie: In Monaco trafen sich Benedetto Vigna (Ferrari) und Ola Källenius (Mercedes) zum historischen Doppel-Interview mit der Welt. Die Chefs der beiden Autolegenden richten eine klare Botschaft nach Brüssel: Der E-Auto-Zwang schade dem Klima.
Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Bosse von Ferrari und Mercedes gemeinsam vor die Presse treten. Beim Formel-1-Rennen in Monaco warnten beide vor den Folgen einer zu starren EU-Regulierung in der Automobilindustrie.
Mercedes-Chef Ola Källenius bringt das Problem auf den Punkt: „Wenn der Staat zu absolutistisch vorgibt, was der Kunde kaufen soll, schrumpft der Markt.“ Wenn die EU einen Prozentsatz von Elektroautos vorschreibe, könne man das zwar auch liefern, aber „wenn 30 Prozent der Kunden lieber ein Hybridfahrzeug wollen, kaufen sie erst mal gar nichts Neues – der Markt bricht ein, der CO2-Effekt ist negativ, weil der Fahrzeugbestand altert“, so Källenius.
Der eigentliche Klimahebel liege nämlich bei den rund 250 Millionen Fahrzeugen, die bereits auf Europas Straßen unterwegs sind, und nicht bei den Neuzulassungen.
Der Kunde entscheidet, nicht die EU
Ferrari-Chef Benedetto Vigna ist da noch direkter: Ferrari werde weiter Verbrenner, Hybride und Elektroautos anbieten, darunter Modelle mit sechs, acht und zwölf Zylindern. Die Entscheidung treffe der Käufer.
Vigna verweist darauf, dass bleifreies Benzin bereits 1971 vorgeschrieben wurde, die letzte Tankstelle aber erst 2022 umstellte. Innovationen bräuchten Zeit, auch emotional. Und: „Innovation ist nie demokratisch – nicht alle erkennen sie sofort.“
Vigna beschreibt bei europäischen Zulieferern zwei Lager: Die einen suchen aktiv neue Anwendungsfelder für ihre Technologie. Die anderen resignieren. Ein Beispiel: Ein Turboladerhersteller, dessen Kernmarkt schrumpft, könnte seine Expertise für Batteriekühlung nutzen. Bei Zulieferern aus Asien sehe er dagegen deutlich mehr Aufbruchsstimmung.
13 Millionen Jobs: Branche unter Druck
Källenius weist als Sprecher des Europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) auf die Bedeutung der europäischen Autoindustrie hin: Die Branche stehe für sieben Prozent des BIP auf EU-Ebene, 13 Millionen Beschäftigte sowie ein Drittel aller privaten Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen.
Allein in Italiens Motor Valley (Ferrari, Ducati, Lamborghini, Dallara) hängen laut einer Studie über eine Million Jobs und ein Gesamtumsatz von über 350 Milliarden Euro an der Lieferkette.
Beide CEOs bekennen sich klar zur Dekarbonisierung. Das Ziel der Null-Emissionen sei richtig, der Weg dorthin dürfe nicht allein in Brüssel festgelegt werden. Wissenschaftler, Ingenieure, Unternehmer und vor allem Kunden müssten diesen Weg mitbestimmen.
Källenius formuliert die Forderung der Branche klar: „Wir plädieren für marktwirtschaftliche Methoden, Investitionen in Infrastruktur und Anreize statt Planwirtschaft. So gelingt der Übergang – ohne unsere Wirtschaftskraft zu zerstören.“
Ob Brüssel das hört, entscheidet sich in den nächsten Monaten.
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