Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf: „Jeden Monat gehen 10.000 Industriearbeitsplätze flöten“
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Der Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf kündigt nach mehr als 20 Jahren Ehrenamt seinen Rücktritt an. Im Handelsblatt spricht er über den Standort Deutschland, über schwaches Wachstum und über die dramatische wirtschaftliche Situation.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Über ausbleibendes Wachstum
„Ich glaube nicht, dass die Wirtschaft nächstes Jahr um 1,3 Prozent wachsen wird. Die Produktion der Metall- und Elektro-Industrie liegt immer noch um 16 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2018, während die Kostensituation der Unternehmen sich weiter verschlechtert. Die Regierung muss jetzt mal in die Puschen kommen und Dinge grundlegend verändern in diesem Land. Erste Maßnahmen sind erfolgt, aber in Summe reicht das nicht. Wir brauchen vernünftige Rahmenbedingungen für die Industrie, die uns in den vergangenen Jahrzehnten unseren Wohlstand gesichert hat. Die Unternehmen in Deutschland geben jährlich zusammen fast 70 Milliarden Euro aus, nur um Formulare ordnungsgemäß auszufüllen. Die Sozialabgaben sind zu hoch, wie die Strompreise.“
Arbeitsplätze gehen massiv verloren
„Wir brauchen mehr Tempo und schnell Entlastungen, denn uns gehen massiv Arbeitsplätze verloren. Allein in der Metall- und Elektro-Industrie sind seit 2018 eine Viertelmillion Jobs abgebaut worden, und jeden Monat gehen 10.000 bis 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. Und die kommen vermutlich nicht wieder.“
Über das Verbrenner-Aus im Jahr 2035
„Deutschland steht für zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes, der Verbrenner in Deutschland macht etwa 0,4 Prozent aus. Statt hier auf Teufel komm raus die letzte Einsparung herauszuholen, sollten wir fortschrittliche Umwelttechnologien entwickeln und nach China, Indien oder in die USA exportieren. Denn da fallen die höchsten CO2 -Emissionen an. Dabei sollte der Staat helfen.“
Der Staat und die Ideologie
„Wir als Unternehmer wissen am besten, was unsere Kunden kaufen wollen und welchen Preis sie dafür zu bezahlen bereit sind. Die Politik sollte uns hier nicht – teilweise ideologisch getrieben – einengen und uns keine Vorgaben machen, Stichwort Heizungsgesetz. Wissen Sie, was passiert, wenn wir 2035 ein Verbrenner-Verbot in Europa bekommen? Wir haben dann 2033 und 2034 eine Sonderkonjunktur, weil alle sich noch schnell ein Auto mit Verbrennungsmotor kaufen, dass sie dann aber zehn oder zwölf Jahre fahren. Und 2035 wird die Autoindustrie dann in eine Absatzkrise rutschen.“
Müssen Beschäftigte in Deutschland mehr arbeiten?
„Es ist leider die Wahrheit, dass wir uns wieder mehr anstrengen müssen. In der Vergangenheit wollte der ganz überwiegende Teil der Menschen etwas erreichen und Wohlstand haben, also haben sie sich angestrengt. Das vermisse ich heute. Die DGB-Chefin Fahimi hat den Glockenschlag noch nicht gehört in ihrer Traumwelt. IG-Metall-Chefin Christiane Brenner beweist, dass man als Gewerkschaftlerin auch eine deutlich differenziertere Sichtweise an den Tag legen kann.“
Warum Stefan Wolf sein Amt niederlegt
„Es gibt einen alten Spruch, dass man niemals im Laufe eines Rennens die Pferde wechseln soll. Die nächste Metall-Tarifrunde wird sehr herausfordernd werden, auch weil manche in der IG Metall der Meinung sind, dass der letzte Abschluss zu schlecht war für die Gewerkschaft – obwohl die Lage der Industrie katastrophal ist. Und meine Nachfolgerin oder ein Nachfolger sollte sich an den Vorbereitungen von Anfang an beteiligen können und nicht erst im Juni 2026 einsteigen, wenn ich regulär aus dem Amt scheide.“
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