„Grüner“ Wasserstoff in Namibia: RWE steigt aus Milliarden-Projekt aus
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Für die „Energiewende“ wollte die Ampel-Koalition unter Wirtschaftsminister Robert Habeck große Mengen an Wasserstoff importieren. Bei einem Gipfel in Namibia reiste sogar ein grüner Staatssekretär an. Ein Jahr später zieht nun RWE bei dem Projekt die Reißleine.
„Grüner Wasserstoff ist der Hoffnungsträger beim klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft“, schrieben Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung und Zeit im vergangenen Herbst. Denn ein neues Hoffnungsprojekt hatte sich am Horizont aufgetan. Die damalige Bundesregierung rief das Ziel aus, gemeinsam mit afrikanischen Partnern starke Wertschöpfungsketten zu schaffen, wie Wirtschafts-Staatssekretär Michael Kellner (Grüne) auf einem internationalen Wasserstoff-Gipfel in Namibia sagte.
Unter anderem sollte dort „grüner“ Wasserstoff produziert werden. RWE stellte ein Milliarden-Investment in Aussicht, zieht aber nun, ein Jahr später, sich aus dem Projekt zurück.

Die Ampel war mit großen Versprechungen nach Namibia gereist, schickte Staatssekretär Michael Kellner (Grüne)
Damals war Kellner von dem Projekt noch begeistert und reiste extra nach Afrika: „Wir haben einen klaren Weg zur Förderung der Produktion von grünem Wasserstoff festgelegt“, sagte Kellner. Davon würden nicht nur die Bundesregierung und das „Team Europa“ als Importeure profitieren. In Afrika würden die Wasserstoff-Projekte Arbeitsplätze schaffen und helfen, die Länder zu elektrifizieren. Die Produktion von „grünem“ Wasserstoff sei somit ein „Win-Win“ für Produzenten sowie Abnehmer, so Kellner: „Wir ziehen an einem Strang“.

RWE wollte Ammoniak im großen Stil importieren
Mit dem Investment von RWE wollte Namibia eigentlich zum großen „Wasserstoff-Hub“ Afrikas werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. RWE hatte im Jahr 2022 eine nicht-bindende Absichtserklärung mit dem Unternehmen Hyphen unterzeichnet, welches eine Abnahme von etwa 300.000 Tonnen Ammoniak vorsah. Die Chemikalie wird vor allem in der Düngemittelindustrie benötigt.

So sollte der Energiepark bei Fertigstellung aussehen
Und die Produktion kostet viel Energie – in der Regel mit Gas. Ein „grüner“ Prozess hätte vorher die Produktion von Wasserstoff als Energieträger erfordert, welcher wiederum mit Solar- und Windenergie hätte erzeugt werden sollen. „Wir können bestätigen, dass RWE aktuell keine weiteren Projekte in Namibia umsetzt“, erklärt ein RWE-Sprecher in einem Statement. Die Nachfrage nach Ammoniak habe sich nicht so entwickelt wie geplant. Nun sehe man von der Partnerschaft mit Hyphen ab.

Jochen Flasbarth, damals Staatssekretär im deutschen Entwicklungsministerium
Namibia hatte „Schlüsselrolle“ für Deutschland
Der damalige Entwicklungsstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) schrieb Namibia im Jahr 2024 noch eine Schlüsselrolle für Deutschlands Energiewende zu – wegen der hervorragenden Wind- und Sonnenverhältnisse. Die Bundesregierung stufte das Projekt als „strategisches Auslandsprojekt“ ein. Die damalige Regierung erwartete für 2030 einen Bedarf an Wasserstoff und Derivaten in Höhe von 95 bis 130 Terawattstunden. Besonders für klimaneutrale Verfahren in der Stahl- und Chemieindustrie, aber auch im Schiffs- oder Schwerlastverkehr sollte „grüner“ Wasserstoff die Grundlage bilden.
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