Indischer Wissenschaftler sieht Deutschland im Niedergang: „Atomenergie ist keine Frage von rechts oder links, sondern eine von sicherer Energie“
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Mayukh Panja kam vor neun Jahren aus Indien nach Deutschland, um seinen Doktor in Astrophysik zu machen. Als er am 1. September 2016 in Frankfurt eintraf, war er begeistert, berichtet er der Welt.
Er stieg am Flughafen in den ICE nach Göttingen, wo er am Max-Planck-Institut promovieren wollte. „Der ICE war der modernste Zug, den ich je gesehen hatte.“ Die Universitätsstadt Göttingen war einst Sammelpunkt berühmter Wissenschaftler. Werner Heisenberg, Niels Bohr und Edward Teller revolutionierten dort die Physik. 90 Jahre zuvor hatte Robert Oppenheimer in Göttingen studiert. Bis heute hat das Max-Planck-Institut einen magischen Ruf. Mayukh Panja wurde von mehr als 600 Bewerbern ausgewählt.

Das Max-Planck-Institut in Göttingen
Der Blick auf Deutschland hat sich verändert
Als er in Göttingen ankam, empfand der Physiker seine Umgebung als „sehr deutsch“, aber die Universität gleichzeitig als international. „Alles war sauber und ordentlich. In Göttingen gab es keine Probleme.“ Neun Jahre später lebt Panja in Berlin. Er ist inzwischen 34 Jahre alt. Nach einer Station bei der Deutschen Bank arbeitet er an seinem eigenen Produkt. „Populations“ soll mithilfe Künstlicher Intelligenz menschliches Verhalten vorhersagen. Er hat ein Investoren-Stipendium. Er könnte zufrieden sein. Aber sein Blick auf Deutschland hat sich verändert.
Als er kürzlich ein Video davon sah, wie die Kühltürme des bayerischen Kernkraftwerks Grundremmingen gesprengt wurden, setzte er einen wütenden Tweet auf X ab, der ihn über Nacht bekannt machte. Sein auf Englisch verfasster Tweet wurde 3,6 Millionen-mal angezeigt, mehr als 6200-mal geteilt und öfter als 44.000-mal gelikt. Darin heißt es: „Und in den vergangenen 9 Jahren hatte ich die unglaubliche Möglichkeit mitzuerleben, wie sich ein Erste-Welt-Land auf der Schwelle zur Supermacht durch eine Reihe politischer Fehlentscheidungen, von denen jede auf weitere Selbstkastration zielte, selbst verzwergt hat.“ Er fühle sich schlecht für „hart arbeitende ehrgeizige Deutsche, insbesondere jene, die hart gearbeitet haben, um das Land aufzubauen, und jetzt zusehen müssen, wie alles von einem Haufen moralisierender, privilegierter Idioten ruiniert wird.“

Deutschland ist ein Schönreden-Land geworden
Eine Woche später sagt er: „Ein Tweet ist eine Moment-Aufnahme.“ Er wolle Deutschland nicht schlecht machen, lebe nach wie vor gern hier. Aber die vergangenen Jahre hätten etwas verändert. Deutschland sei ein Schönreden-Land geworden. Legendär und legendär tragisch sei bis heute die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus dem Jahr 2020. „Wir leben im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“, sagte Steinmeier damals. 2024 legte der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) noch mal nach und sagte: „Diese Republik ist der beste Staat, den Deutschland je hatte.“
Täglich kommen Nachrichten von Insolvenzen
Tatsächlich befinde sich Deutschland seit 2022 in einer Rezession, weiß Panja. Allein in der Autoindustrie sind im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Arbeitsplätze weggefallen. Der VW-Konzern macht Riesenverluste. Täglich kommen Nachrichten von Insolvenzen. Deutschland hat die höchsten Strompreise innerhalb der EU, verstromt aber dafür auch noch munter Kohle. Viele politische Entscheidungen, so findet Panja, würden in ein diffuses Links-Rechts- und Gut-Böse-Schema gepresst.
Er sagt: „Ich komme aus Indien. Für mich ist Atomenergie keine Frage von rechts oder links, sondern eine von sicherer Energie.“
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