Kohle bleibt König: Noch nie wurde weltweit so viel „schwarzes Gold“ verbraucht wie heute
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In Deutschland läuft der Ausstieg aus der Kohle großflächig. Die Orte Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen, Hohenhameln in Niedersachsen, Jänschwalde in Brandenburg und Zolling in Bayern haben eines gemeinsam: In den vergangenen Jahren wurde dort ein Kohlekraftwerk stillgelegt – die Liste ließe sich verlängern.
Großverbraucher Deutschland hat sich per Gesetz einen verbindlichen Fahrplan verordnet: Bis 2038 sollen alle Kohlekraftwerke stillgelegt sein. Die Betreiber erhalten Entschädigungen in Milliardenhöhe, finanziert vom Steuerzahler, wie die Neue Zürcher Zeitung konstatiert. Allerdings spiele der einseitige deutsche und auch europäische Kohleausstieg nahezu keine Rolle. Global gesehen erreichte die Kohleverbrennung 2025 einmal mehr einen Rekord – und das Niveau wird vorerst hoch bleiben.
Mit anderen Worten: Noch nie wurde so viel „schwarzes Gold“ verbraucht wie heute.
„Mit dem Pariser Klimaabkommen sind wir seit elf Jahren auf dem falschen Weg“
Axel Ockenfels, Wirtschaftsprofessor an der Universität Köln und Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik in Bonn, sagt: Ergreift ein einzelnes Land wie Deutschland oder eine einzelne Region wie die EU ambitionierte Klimamaßnahmen, würden die vollen Kosten in Form von höheren Energiepreisen und Wettbewerbsnachteilen unmittelbar und sehr konzentriert dort anfallen, während der Klimanutzen gering sei und sich auf alle Länder gleichermaßen verteile – auch auf jene, die sich nicht anstrengten.
„Der Klimawandel kann nur gemeinsam gelöst werden. Mit dem Pariser Klimaabkommen, das auf freiwillige Selbstverpflichtung setzt, sind wir aber seit elf Jahren auf dem falschen Weg“, sagt Ockenfels. Er kenne kein Beispiel, bei dem freiwillige Selbstverpflichtungen ein internationales Kooperationsproblem gelöst hätten.
Der Ökonom stellt folgenden Vergleich an: „Kaum jemand würde auf die Idee kommen, einseitig abzurüsten oder einseitig Zölle zu senken, um dann darauf zu hoffen, dass die Gegenseite schon folgen würde“, erklärt Ockenfels gegenüber der NZZ. „Die Vorstellung, dass genügend andere gegen ihr eigenes Interesse unserem moralischen Vorbild folgen, steht im Widerspruch zur Kooperationsforschung.“
China verbraucht mehr Kohle als der Rest der Welt zusammen
Das globale Kohledilemma bleibt ungelöst: Kohle ist die größte Quelle von klimaschädlichen CO2-Emissionen, doch in vielen Ländern ist Kohle zugleich eine tragende Säule der Stromproduktion. Das wird sich vorerst kaum ändern, denn die Welt braucht immer mehr Strom. Im vergangenen Jahr betrug der globale Kohlekonsum laut der Internationalen Energieagentur (IEA) rekordhohe 8.845 Millionen Tonnen, was einen weltweiten Anstieg von 0,5 Prozent gegenüber 2024 entsprach. Die Kohleproduktion lag auf dem Niveau des Vorjahres, war mit 9.111 Millionen Tonnen allerdings noch größer. Sowohl für den Konsum als auch für die Produktion rechnet die IEA bis zum Jahr 2030 lediglich mit einem geringen Rückgang von jeweils rund 5 Prozent. Kohle behält also noch lange eine hohe Relevanz für die Energieversorgung – ob Europa aussteigt oder nicht.
Entscheidend für den Verbrauch ist vor allem die Entwicklung in China. Das Land produziert und verbraucht jeweils mehr Kohle als der Rest der Welt zusammen.
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