Längste Phase sehr hoher Inflation hält an – schlimmer als in den 70ern?
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Das Statistische Bundesamt meldet, dass die Preise in Deutschland im August voraussichtlich um 6,1 Prozent höher gewesen sind als im Vorjahr. Im Vorjahresmonat waren die Preise bereits um 7 Prozent gestiegen. Insgesamt sind die Konsumentenpreise nun 17,5 Prozent über denen von 2020.
Seit 17 Monaten liegen die Preise Monat für Monat jedes Mal mindestens sechs Prozent über dem Vorjahr – das ist die längste Phase einer Inflation von über 6 Prozent in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Nur von Oktober 1973 bis Februar 1975 war die Inflation ebenso 17 Monate lang höher als 6 Prozent.
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Inflation in Deutschland im langfristigen Vergleich
In den 70er-Jahren dauerte es im Anschluss drei Jahre und sechs Monate bis die Inflation wieder unter den Zielwert von zwei Prozent gefallen ist. Insgesamt war die Inflation acht Jahre und sieben Monate höher als zwei Prozent. Droht uns wieder eine lange Zeit höherer Inflation?
Sind die Zentralbanken an der höheren Inflation Schuld?
Sicherlich ist die aktuelle Inflation von der langen Phase niedriger Zinsen und der Geldmengen-Ausweitung der Zentralbanken in der Corona-Zeit angetrieben. Mittlerweile hat die EZB allerdings den Rückwärtsgang eingelgt. Im Jahr 2020 stieg die wichtige Geldmenge M3 der Eurozone um bis zu 12 Prozent. Die Geldmenge M3 ist eine Art zu messen, wie viel Geld insgesamt in einem Land im Umlauf ist, inklusive die verschiedenen Arten von Sparanlagen, Wertpapieren und ähnlichen Dingen.
Mittlerweile schrumpft die Geldmenge M3 der Eurozone gegenüber dem Vorjahr. Die Geldmenge ist ein Ergebnis der Geldpolitik der Zentralbanken und läuft der Inflation gewöhnlich voraus. Auch ist die Kreditnachfrage von Unternehmen und Privatpersonen in einem historischen Maße - in Folge der stark gestiegenen Zinsen - eingebrochen.
Dies spricht dafür, dass von der Geldpolitik zurzeit kein weiterer Inflationsdruck ausgeht. Auch andere vorlaufende Indikatoren wie die Erzeugerpreise gingen zuletzt stark zurück. Die Erzeugerpreise laufen der Inflation gewöhnlich voraus. Ihre Entwicklung ist mit deutlich stärkeren Schwankungen verbunden, als die der Konsumentenpreise. Im vergangenen Monat wurden die stärksten Rückgängen bei den Erzeugerpreisen seit der globalen Finanzkrise 2008-2009 gemessen. Die Preise fielen um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Erzeugerpreise im zeitlichen Verlauf
Trotzdem dauerhaft höhere Inflation?
Neben den klassischen konjunkturellen Indikatoren, sollte man allerdings immer auch auf strukturelle Inflationstrends schauen. Betrachtet man diese, dann kommt man zu dem Schluss, dass Deutschland vor einer längeren Phase einer höheren Inflation stehen könnte.
Die demographischen Veränderungen führen dazu, dass sich das Verhältnis der Konsumenten zu den Wertschöpfenden verändert. Die Anzahl der Erwerbstätigen wird aufgrund der Alterung zurückgehen. Werden weniger Dienstleistungen angeboten und weniger Güter produziert, bei einer ähnlich hohen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, dann steigt der Inflationsdruck.
Auch die politischen Entscheidungen sprechen in verschiedenen Themenfeldern für mehr Inflation. Man denke an die steigende CO2-Bepreisung und die ideologische Energiepolitik. Die Steuerpolitik setzt zur Zeit auch wenige Anreize für mehr Wertschöpfung in Deutschland (im Gegenteil immer mehr Firmen und Hochqualifizierte denken ans Auswandern).

Deutschland könnte vor einer längeren Phase der Inflation stehen.
Parallel soll das Bürgergeld um 25,4 Prozent innerhalb von zwei Jahren steigen. Das führt dazu, dass sich arbeiten immer weniger lohnt. Wird weniger produziert oder angeboten, dann wirkt das inflationär.
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Auch die grundsätzlichen globalen Entwicklungen größerer geopolitischer Konflikte und eine zurückgehenden Globalisierung, sprechen für eine höhere Inflation. Je freier gehandelt werden kann, desto niedriger sind gewöhnlich die Preise. Auch ist Deutschland sehr stark auf den Import von Rohstoffen angewiesen, um die sich in den nächsten Jahren bereits ein globaler Kampf andeutet. Deutschland importiert fast seinen kompletten Erdöl- und Erdgas-Bedarf, ebenso auch viele Rohstoffe, die für die politisch gewollte „Energiewende“ benötigt werden.
Strukturell könnte technologischer Fortschritt und eine gebildetere Bevölkerung sowie Investitionen in die Infrastruktur die Inflation reduzieren. In allen Bereichen ist Deutschland allerdings nicht gerade ein Vorreiter.
Wie geht es also weiter mit der Inflation?
Kurzfristig könnten wir durchaus einen weiteren Rückgang der Inflation in den kommenden Monaten in Deutschland sehen. Dieser könnte sogar stärker ausfallen, als von vielen erwartet. Mittelfristig gibt es allerdings etliche Inflationstreiber, die dafür sprechen, dass das Thema Inflation im gesamten Jahrzehnt erhalten bleibt.
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