Landwirt Anthony Robert Lee über den Green Deal: „Man legt uns Hand- und Fußfesseln an!“
Ein Beitrag von
Heute sind die Europawahlen in den Niederlanden gestartet, dem Land, das maßgeblich die Bauernproteste in ganz Europa vorangetrieben hat. Viele Landwirte sind wütend über die nicht endenden Regularien der EU, die ihre Arbeit behindern. Der European Green Deal hätte im Agrar-Sektor verheerende Folgen für die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln.
Einer, der davon direkt betroffen wäre, ist der Landwirt und EU-Kandidat der Freien Wähler Anthony Robert Lee. Im Nachrichten-Talk „Stimmt!“ zählt er die Konsequenzen dieses möglichen Deals auf: „Das würde bedeuten, dass wir in Europa 10 Prozent der Flächen komplett aus der Produktion nehmen, 50 Prozent der Pflanzenschutzmittel pauschal abschaffen, 25 Prozent auf Bio umstellen, wo ich maximal die Hälfte ernte und wir sind bei 3 Prozent Bio europaweit, in Deutschland bei 7 Prozent“, so der Bauer.

Bauernproteste im Januar in Berlin
Was wir hier nicht produzieren, muss woanders hergestellt werden
All diese Zwänge würden die Produktion von Lebensmitteln im eigenen Land enorm erschweren. „Wenn der Green Deal in der Landwirtschaft so forciert wird, müssten woanders 8 Millionen Hektar in Bewirtschaftung genommen werden, um das zu kompensieren“. Und diese Produkte legten schließlich einen weiten Weg zurück, bevor sie auf unseren Tellern landeten. „Das ist sicher nicht CO2-neutral. Im Gegenteil, wir nehmen dann anderen Menschen etwas weg und für das Tierwohl, den sozialen Standard, aber auch für das Klima, was immer über allem steht, ist gar nichts gewonnen“, so Lee im Stimmt-Talk.
Das sei dramatisch, denn in Deutschland würde so umweltfreundlich Landwirtschaft betrieben wie in kaum einem anderen Land. Anders als zum Beispiel in Ägypten, die aktuell durch stark Glyphosat-belastete Kartoffeln auffielen. Mehrere deutsche Supermärkte mussten daraufhin das Gemüse zurückrufen.
EU kontrolliert Bauern schon jetzt massiv
Lee hofft, dass der Green Deal in der Landwirtschaft nicht kommt. Doch auch schon jetzt mischt sich die EU massiv in das Wirtschaften der Bauern ein. „Wir werden überwacht von morgens bis abends, da ist die Stasi schon längst da. Dreimal pro Woche überfliegen uns Landwirte in Europa Satelliten und dann kriegen wir eine Push-Nachricht aufs Handy, wenn irgendwas nicht passt“, erzählt Lee. Dann müsste sofort Rechenschaft abgelegt, Ungereimtheiten erklärt werden, „sonst kommt der Kontrolleur“.

EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen hatte die Auflagen für die Landwirte zunächst abgeschwächt. Sie seien aber „nicht vom Tisch“.
Es sei kein Vertrauen von Staatsseite da, absurd, findet der Bauer. „Wir leben von und mit der Natur. Wir haben gar kein Interesse, unsere Böden zu vergiften!“ Von der Politik erwartet der EU-Kandidat nichts. Seit der Bauernproteste habe sich niemand mehr gemeldet. Aktuell sei keine Zeit für weitere Demonstrationen, denn: „Wir müssen arbeiten und versorgen das Land mit guten, nachhaltigen Produkten, aber das scheint ja für viele selbstverständlich zu sein“.
Die ganze Folge „Stimmt!“:
Mehr NIUS:
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Interne Prognose: Bundesagentur für Arbeit mehr als fünf Milliarden Euro im Minus
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
Mehr NIUS:
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
US-Unternehmen Nvidia wertvoller als alle deutschen Firmen zusammen
Metallindustrie-Präsident Dinglreiter: „Die Lage ist dramatisch“
Wirtschaftsweisen halbieren Wachstums-Prognose auf 0,5 Prozent
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare