Merz redet vom Aufbruch – die Deutschen fahren ihren Konsum zurück
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Andreas MoringDie Regierung in Berlin versucht krampfhaft, einen Aufschwung herbeizureden. Doch die Menschen im Land glauben nicht daran. Das Konsumklima ist weiter gefallen. Kaum jemand gibt noch Geld für größere Anschaffungen aus. Die Angst um den Job ist einfach zu groß. Vor allem, weil keine politischen Maßnahmen erkennbar sind, die an der Situation spürbar etwas ändern. Unternehmen und Verbraucher schauen pessimistisch in die Zukunft und halten das Geld zusammen. Da nützen auch Ansprachen von Kanzler Merz nichts.
Der „Moment des Aufbruchs“, den Bundeskanzler Friedrich Merz so vollmundig in seiner Neujahrsansprache versprach, findet in der Realität der Bürger einfach nicht statt. Die nackten Zahlen des neuen HDE-Konsumbarometers für den März sind eine schallende Ohrfeige für die Regierung.
Merz und seine Ministerriege beklagen stets „die schlechte Stimmung im Land“. Damit liegen sie richtig. Dass die Politik von Schwarz-Rot aber genau dafür verantwortlich ist, lassen sie geflissentlich unter den Tisch fallen. Doch die Statistiken sprechen eine glasklare Sprache. Die Stimmung ist nach einem kurzen Zwischenhoch im Februar wieder massiv eingebrochen und sackt auf 95,81 Punkte ab. Während Berlin von Erholung träumt, zeigt der Trend für die kommenden drei Monate nach unten. Die Botschaft der Deutschen an den Ladentheken ist klar: Ohne eine echte Erfolgs- und Wachstumsgeschichte für Deutschland bleibt der Blick in die Zukunft düster. Und kaufen will keiner.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
Wer Angst um seinen Job hat, kauft nicht groß ein
Die Verunsicherung hat dabei einen Namen: Arbeitsplatzangst. Trotz des Endes der Winterpause fehlt dem Arbeitsmarkt jeglicher Schwung. Die bittere Wahrheit ist, dass im Vorjahresvergleich 81.000 Menschen mehr ohne Job sind. Experten wie Klaus Wohlrabe vom ifo Institut warnen im Handelsblatt deutlich: Immer mehr Unternehmen planen Personalentlassungen, statt neue Stellen zu schaffen.
Wenn das Vertrauen in die Sicherheit des eigenen Einkommens schwindet, ist „Konsumverzicht“ die logische Notwehr der Bürger. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist erstmals seit Sommer 2025 wieder unter die neutrale Marke gerutscht. Die Hoffnung auf eine Trendwende bei der Arbeitslosigkeit ist faktisch verloren gegangen. Die Menschen sehen und erleben, dass die angekündigte Wirtschafts- und Industriepolitik von Merz nirgendwo zu sehen ist und Ergebnisse schon gar nicht. Energie: weiterhin teuer. Steuern und Abgaben: weiter hoch. Bürokratie: keine Veränderung. Stattdessen Diskussion über neue Erbschaftssteuern, höhere Sozial- und Krankenkassenbeiträge und einen weiteren Ausbau des Sozialstaats vor allem durch die SPD und eine Union, die dazu schweigt. Wo soll da ein Optimismus für die Konjunktur auch herkommen …?
Handelspolitik und Inflation: Berlin scheint überfordert
Hinzu kommt ein globales wirtschaftspolitisches Chaos, das die ohnehin fragile Erholung der deutschen Wirtschaft im Keim erstickt. Der Krieg im Iran schafft neue Befürchtungen zu weiter steigenden Energiepreisen. US-Präsident Donald Trump sorgt mit seiner unberechenbaren Zollpolitik für Schockwellen in der deutschen Industrie. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA seine bisherigen Pläne stoppte, schlug er prompt mit der Ankündigung neuer 15-Prozent-Zölle auf nahezu alle Importe zurück. Für eine exportabhängige Nation wie Deutschland ist das Gift. Vor allem die Industrie, Maschinenbauer und Autobauer sind betroffen und nehmen die Zollunsicherheit auch gerne als Vorwand für weiteren Stellenabbau, den sie wegen der schlechten Standortbedingungen in Deutschland ohnehin planen. Diese wieder zugenommene Unsicherheit trübt die Stimmung in der Wirtschaft massiv ein und lässt die Inlandsnachfrage weiter verkümmern. Von der Regierung in Berlin sind allerdings keinerlei konkrete Maßnahmen dagegen zu erkennen.
Das Vertrauen in die Stabilität der Preise ist ebenfalls erschüttert. Zwar meldet das Statistische Bundesamt für den Februar eine Inflationsrate von 1,9 Prozent, doch die Menschen glauben der Statistik nicht. Die Preiserwartungen der Verbraucher haben sich gedreht: Sie rechnen fest mit wieder anziehenden Steigerungsraten in den kommenden Monaten. Gleichzeitig verharren die Zinsen auf hohem Niveau, da die EZB die ersehnte Zinspause zwar beibehält, Experten aber von einer längeren Phase hoher Sätze ausgehen. Die Folge: Das Geld sitzt nicht locker, weder für den Konsum noch für Investitionen. Wer mit steigenden Preisen rechnet, stellt Käufe vorerst zurück. Wer mit hohen Zinsen rechnet, nimmt keine Kredite auf und investiert.

US-Präsident Donald Trump sorgt mit seiner unberechenbaren Zollpolitik für Schockwellen in der deutschen Industrie.
Jedes vierte Unternehmen sieht kein Licht am Horizont
Besonders besorgniserregend ist die Kluft zwischen der staatlich befeuerten Industrie und dem privaten Bürger. Während Großaufträge im verarbeitenden Gewerbe vor allem für Infrastruktur, Bau und Militär die Statistik kurzzeitig schönen, bewerten ganze 24 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als schlicht „schlecht“. Hohe Arbeitskosten und schlechte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind die meistgenannten Risiken, die den Standort Deutschland lähmen. Die Menschen spüren, dass die ökonomische Basis bröckelt. Wenn die Bundesregierung nicht liefert, bleibt der private Konsum weiterhin im Standby-Modus auf „Abwarten“. Eigentlich sollte aber der Binnenkonsum in Deutschland der Motor der Wirtschaft sein.
Der Aufbruch von Kanzler Merz ist nirgendwo zu sehen
Die Zahlen und ihre Botschaft sind klar: Die Deutschen ziehen den Kopf ein. Die Anschaffungsneigung sinkt weiter, und selbst die Sparpläne werden nach unten korrigiert. Nicht etwa, weil man mehr ausgeben will, sondern weil schlicht weniger Geld zum Sparen übrig bleibt. Das bedeutet, dass auch in Zukunft weniger Geld für Anschaffungen auf der hohen Kante liegt.
Es ist eine gefährliche Mischung aus politischer Enttäuschung, Angst vor dem Jobverlust und globaler Unsicherheit. Solange die Regierung Merz nur von Aufbruch spricht, statt spürbare Entlastungen und Planungssicherheit zu schaffen, wird der Frühling für den deutschen Handel und die deutsche Wirtschaft ein sehr frostiger werden.
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