Metall-Präsident warnt vor massenhaftem Stellenabbau: „Sehe bereits beginnende Deindustrialisierung“
Ein Beitrag von
Immer weiter bergab: Der Auftragsbestand der deutschen Industrie ist erneut gesunken. Neben der schwachen Konjunktur sehen Wirtschaftsexperten inzwischen einen grundsätzlichen Abwärtstrend. Massenhafter Stellenabbau droht.
Es ist das Horror-Trio der deutschen Industrie und Wirtschaft: Bürokratie, hohe Energiepreise und Steuern! Die Wirtschaftslobby fordert immer dringender Entlastungen und prangert strukturelle Probleme am Standort Deutschland an. Jüngste Zahlen befeuern die Forderungen: Das verabrbeitende Gewerbe verbucht sinkende Auftragsbestände, im März fielen die Zahlen gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverband Gesamtmetall
Zum Abwärtstrend trug wie bereits in den Vormonaten auch im März vor allem Deutschlands schwächelnde Automobilindustrie bei. Seit 14 Monaten geht es durchgehend bergab. Von Februar auf März um minus 2,4 Prozent.
„Es fließt sehr viel Geld ins Ausland“
Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall warnt angesichts der aktuellen Lage gar vor dem Verlust von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen in der Industrie. „Ich sehe bereits eine beginnende Deindustrialisierung. Es finden viele Verlagerungen statt – überallhin“, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Gefährdet seien momentan vor allem Unternehmen aus der Automobil- und Zulieferindustrie. „Viele Firmen sind sehr zurückhaltend. Es wird viel weniger investiert“, sagte Wolf gegenüber Funke. „Wegen der schlechten Rahmenbedingungen hier in Deutschland fließt stattdessen derzeit sehr viel Geld ins Ausland. Uns sind damit über 300 Milliarden Euro an Investitionen verloren gegangen.“ Die Zahl sei „dramatisch“.

Die deutsche Industrie und Wirtschaft fühlt sich von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hängengelassen.
„Wenn sich nicht schnell etwas ändert ...“
Deutliche Warnsignale für einen deutlichen Jobabbau seien bereits sichtbar. „Größere Automobilzulieferer haben doch bereits Entlassungen angekündigt. Und ich befürchte, dass das eine richtige Dynamik entwickelt“, sagte er. „Wenn sich nicht schnell etwas ändert, werden wir einen Abbau von Arbeitsplätzen, gerade bei den eher einfachen Tätigkeiten wie etwa in der Produktion, sehen.“
Der Metall-Präsident schätzt den möglichen Stellenverlust in den kommenden Jahren auf 40.000 bis 50.000 Arbeitsplätze. Er sagt klipp und klar: „Was nicht hilft, ist zu beschwichtigen und die Lage als konjunkturelle Delle abzutun.“
Dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge haben ausländische Unternehmen im Jahr 2023 nur noch 22 Milliarden Euro in Deutschland investiert – der niedrigste Stand seit zehn Jahren.
Mehr NIUS:
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Interne Prognose: Bundesagentur für Arbeit mehr als fünf Milliarden Euro im Minus
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
Mehr NIUS:
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
US-Unternehmen Nvidia wertvoller als alle deutschen Firmen zusammen
Metallindustrie-Präsident Dinglreiter: „Die Lage ist dramatisch“
Wirtschaftsweisen halbieren Wachstums-Prognose auf 0,5 Prozent
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare