OECD-Studie: Deutschland schmiert bei Berufsabschlüssen international ab
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- 2022 verfügten 16 Prozent der 25- bis 34-Jährigen über keine berufliche Qualifikation.
- Hochqualifizierte Menschen wandern aus, die Fachkräftelücke weitet sich kontinuierlich aus.
- In der Bildungspolitik ist das Gegenteil von dem richtig, was derzeit geschieht.
Der jüngst von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgelegte jährliche Bericht mit der Überschrift „Bildung auf einen Blick“ stellt Deutschland ein erneut bitteres Zeugnis aus. In der Studie werden die Bildungssysteme der Stand Mai 2021 38 OECD-Mitgliedsländer und diverser Partnerländer miteinander verglichen. Die Mitgliedsländer verteilen sich auf die ganze Welt, von Nord- bis Südamerika und von Europa bis in den Asien-Pazifik-Raum. Speziell fokussiert die OECD-Studie die Bildungsabschlüsse in Deutschland.
14.700 Euro Investition pro Schüler
Immerhin investiert Deutschland 14.700 Euro pro Schülerin bzw. Schüler von der Grundschule bis zum Studium. Der OECD-weite Mittelwert liegt bei 11.800 Euro. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler fällt ebenfalls positiv für Deutschland aus. So beträgt dieses 1:13, während es im Durchschnitt bei 1:15 liegt. Positiv fällt ebenso die Bezahlung der Lehrkräfte in Deutschland auf, die relativ gesehen als hoch bezeichnet wird.

Deutschland investiert 14.700 Euro pro Schüler von der Grundschule bis zum Studium.
Soweit so gut bzw. eben auch so schlecht. Denn die zentralen Untersuchungsgegenstände von „Bildung auf einen Blick“ zeigen für die Bundesrepublik Deutschland in eine fatale Richtung.
16 Prozent der zwischen 25- und 34-Jährigen sind ohne berufliche Qualifikation
Der Bericht offenbart, dass im Jahr 2022 in der Altersspanne zwischen 25 und 34 Jahren 16 Prozent über keine berufliche Qualifikation verfügten. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es noch 13 Prozent.
Diesen jungen potentiellen Beitragszahlern in die deutschen Sozialsysteme wird die Chance auf eine gute Beschäftigung mit einem folglich ausreichenden Einkommen genommen. Allenthalben wird in Deutschland ein Fachkräftemangel festgestellt, wenn sich auf eine freie Stelle nicht mehr als zwei Arbeitssuchende bewerben. Diese Erkenntnis hat bereits einen recht langen Bart, denn sie liegt schon seit über 20 Jahren vor. Geändert hat sich in der Bundesrepublik Deutschland in diesem Punkt wenig bis gar nichts.

Das Handwerk klagt über zu wenig Fachkräfte. Andererseits steigt die Zahl der Menschen ohne berufliche Qualifikation.
Hochqualifizierte wandern aus
Im Gegenteil: Hochqualifizierte Menschen wandern aus, die Fachkräftelücke weitet sich in der logischen Konsequenz kontinuierlich aus. Wen interessiert dieser Negativtrend eigentlich im politischen Raum der Landeskultusministerien, des Ständigen Sekretariats der Kultusministerkonferenz, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung oder der Bundestagsfraktionen?
Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Jens Brandenburg (FDP), brachte das in einer Online-Pressekonferenz auf den Punkt und schlägt deutlich Alarm: „16 Prozent, das sind fast 1,7 Millionen junge Erwachsene, die nicht als dringend benötigte Fachkräfte zur Verfügung stehen.“
Dramatische Lage in der Berufsausbildung
Weiter geht es im Zahlenwerk der OECD. Glücklicherweise stieg der Anteil der Absolventen mit einem Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss zwischen 2015 und 2022.

Der Eingang zum Campus der Universität Erfurt. 2019 studierten dort knapp 6000 Studenten.
Dieser erhöhte sich um 7,5 Prozentpunkte von 30 Prozent 37,5 Prozent. Zur statistischen Ehrlichkeit gehört aber auch, dass nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2021 34,3 Prozent (über ein Drittel) der Jugendlichen ihre Schullaufbahn mit dem Abitur beendeten. Der größere Teil der jungen Menschen schloss die Schulzeit jedoch mit dem Realschulabschluss (43,5 Prozent) ab. Über gar keinen Abschluss verfügten nach dem endgültigen Schulbesuch nur knapp 6,2 Prozent. Der Großteil der Schulabgänger steht demnach nicht für die Hochschulen, sondern für die Berufsausbildung zur Verfügung. Genau hier wird es aber für Deutschland maximal dramatisch.
Der Anteil der jungen Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ging von zunächst noch 51 Prozent auf 38 Prozent zurück. Dieser Rückgang kennzeichnet den größten im Vergleich aller in der Studie einbezogenen Länder. Offenbar hat das Duale System der Berufsausbildung einen dermaßen schlechten Ruf bei Schulabgängern, dass er als unattraktiv wahrgenommen wird. „Handwerk hat goldenen Boden“, gilt dieser Spruch heute noch?
Attraktivitätssteigerung in der beruflichen Bildung
Im Vorwort der Studie „Bildung auf einen Blick“ fordert Mathias Cormann, Generalsekretär der OECD, eine deutliche Attraktivitätssteigerung der Berufsausbildung. Zudem müsse der Zugang zur beruflichen Bildung erleichtert werden. Nicole Brandt, Leiterin des OECD Berlin Centre, geht noch einen Schritt weiter. Sie wünscht sich, dass die Politik bereits in den „jüngsten Jahren“ mit der Förderung ansetzt, um zu verhindern, dass junge Menschen zurückziehen und am Ende ohne einen guten Abschluss dastünden.
Diese Forderungen erinnern an die bekannte „Tibetische Gebetsmühle aus Nepal“, weil sie alljährlich auch im Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhoben werden. Politische Konsequenzen erfolgen freilich nicht.

Aufgrund des demografischen Wandels gehen immer mehr Bürger in Rente.
Der demografische Wandel und die damit verbundene Verrentung der Babyboomer (Geburt Mitte der 60er Jahre) dramatisieren die Lage am Arbeitsmarkt weiterhin.
Es erscheint in Deutschland nur attraktiv zu sein, eine Beschäftigung im „White-Collar-Bereich“, damit sind Jobs mit „weißem Kragen“ gemeint, nachzugehen. Die geplante Erhöhung des Bürgergeldes um 12 Prozentpunkte reduziert die Bereitschaft, im Niedriglohnsektor tätig zu werden.
Turn-Around im deutschen Bildungssystem ist unerlässlich
In der Bildungspolitik ist das Gegenteil von dem richtig, was derzeit geschieht. Mit Blick auf die jungen Menschen, gerade zwischen 25 und 34 Jahren, ist ein Turn-Around im Bildungsbereich unerlässlich. Doch wann merken es die Verantwortlichen in den Ministerien, Fraktionen und Parteien? Sarkastisch gesprochen könnte in diesem Zusammenhang auch festgestellt werden, dass auch immer mehr Politiker über keinen Berufsabschluss verfügen.
Die Bildungs-Tendenzen in Deutschland sind einer Industrienation unwürdig. Bildung muss sich lohnen in Deutschland. Über einen anderen Rohstoff verfügt die Volkswirtschaft der Bundesrepublik nicht.
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